Viele Freerider kommen nur nach Obertauern, um möglichst schnell die Piste Richtung Gelände zu verlassen.

© tourismusverband obertauern

Leben Reise
12/04/2021

Obertauern: Fifty Shades of Schneeschüssel

Der Salzburger Hochkessel Obertauern ist weithin bekannt für Schneesicherheit und fordernde Hänge. Und berüchtigt für Partys. Dabei kann man auch noch ganz anderes „am Tauern“ probieren.

Ganz oben ist man der Sonne bekanntlich am nächsten. „Und der Schnee ist dort zu Hause“, schwärmt Skilehrer Michael Auer von der Skischule Grillitsch. „Fifty Shades of White wäre ein toller Beiname für unser Skigebiet.“ Davon gibt es in Obertauern genug – in allen Variationen: Pulver bis Firn, flockig bis griffig. Die Schneesicherheit hier ist auf die Lage zurückzuführen. „Über uns liegt die Wetterscheide, wo Nord- und Südfront aufeinandertreffen“, erklärt Tourismusdirektor Mario Siedler. Die Schneewolken aus Nord und Süd laden daher ihre Last über Obertauern ab. Oft komme der Schnee schon im Oktober und bleibe bis Mai liegen.

Wegen des vielen Schnees ist Michael Auer in Obertauern gestrandet, Skifahren mache mit Schnee einfach viel mehr Spaß. Und das Auto bleibe hier in der Garage: „Wer in Obertauern wohnt, kommt direkt von der Unterkunft an einen der Lifte und von dort auf die Piste“, beschreibt der Niederösterreicher – ganz ohne Skibus oder Zubringerlift und ohne die Ski abschnallen zu müssen.

Dem gleichen Prinzip folgen auch die „Tauernrunden“, über die man Obertauern am Rande dieser alpinen Schneeschüssel umrunden kann. Die grüne Route führt gegen, die rote im Uhrzeigersinn um den Ort. „Für ambitionierte Wintersportler gibt es noch die Super-Seven-Tour“, fügt der Skienthusiast hinzu. Sie führt zu den sieben höchsten Punkten im Skigebiet, von denen eher anspruchsvolle, lange Pisten starten. Und Ausflüge ins Gelände: Steilhänge mit Cliffdrops, Sprünge über Felskanten und unberührter Tiefschnee. „In Obertauern werden Freerider-Träume wahr“, versichert Auer, der selbst gerne im freien Gelände fährt. Seit eh und je gilt die Schneeschüssel im Salzburger Land als Spielwiese für jene, die lieber abseits der Piste unterwegs sind: vom Genusshang für Tiefschneeanfänger bis zum Steilstück mit Felsabbrüchen für Könner. Besonders beliebt seien die Abfahrten um das Zehnerkar oder die Seekarspitze. Auch zur legendären „Gamsleiten 2“-Piste gibt es eine spektakuläre Variante durch eine Steilrinne.

Skialternativen

Außerdem setzt Obertauern – wie andere Skigebiete – auf Trendsportarten, die leichter zu erlernen sind als Ski- und Snowboardfahren. Unter anderem das Snowbike. Ein Muss, wenn man Hermann Koch, Snowbike-Pionier und fünffacher Weltrekordhalter, fragt. Als Betreiber einer Skischule war er hier schon immer eine Institution, doch seit er 1997 die erste Snowbike-Schule Österreichs eröffnete, scharen sich sogar Wintersportanfänger um ihn. Denn auf dem Snowbike hat man schon nach wenigen Stunden den Dreh raus. „Abgesehen vom Rodeln gibt es kaum eine Wintersportart, die so einfach zu erlernen ist“, beteuert der mehrfache Weltrekordhalter – den jüngsten stellte er mit Snowbike-Hersteller Harald Brenter im April 2018 auf, als sie innerhalb von 24 Stunden 63.638 Höhenmeter auf dem Snowbike zurücklegten.

Tipps: Abseits des Skivergnügens

"Gamsmilch"

Fragt man Einheimische, ist der heimliche Star Obertauerns trotzdem „die Milch“. Nämlich die sogenannte „Gamsmilch“, ein Mischgetränk aus Milch, Kakao und Rum, das in der gleichnamigen Bar auf knapp 2.200 Metern ausgeschenkt wird. Erfunden hat sie vor gut vierzig Jahren Walter Fötschl, damals Weltmeister im Rückwärtsskifahren. Ob es an der täglichen Gamsmilch liegt, dass der über Siebzigjährige bis heute elegant und „oldschool“ in geschnürten Lederschuhen die Piste hinuntersaust, ist nicht ganz klar. Hermann Koch findet jedenfalls, dass sie „jeder, der hier Urlaub macht, mindestens einmal probieren sollte“. Manche nehmen sie sogar jeden Tag zu sich. Der Rekord liegt bei sechzehn Häferln Gamsmilch hintereinander. Das sei allerdings nicht zu empfehlen. Es stehe danach schließlich noch eine Abfahrt mit gut fünfhundert Höhenmetern bevor.

Klimafreundliche Anreise
Obertauern erreicht man öffentlich aus ganz Österreich gut mit Zug und Bus (ab Wien 2 Umstiege, 4,5 Std.), oebb.at

Skigebiet
Das Skigebiet liegt zwischen 1.630 und 2.313 Meter, hat 26 Lifte und 100 Pistenkilom. (61 km blau, 35 km rot, 4 km schwarz). Tageskarte/Erw. 50 €, obertauern.com

Unterkunft
Die meisten Hotels liegen nahe oder neben der Piste, z. B. das Hotel Latschenhof: direkt an der legendären Tauernrunde und Weltcup-Langlaufloipe; latschenhof.com
Oder das Romantik-Hotel Almschlössl&Schrotteralm, direkt an der Kehrkopf- Seilbahn; almschloessl.com

Essen und Trinken
Neben den Legenden (Lürzer Alm, Gruberstadl, ...) gibt es viel weitere gute Gastronomie. Zünftig z.B. das „Heustadl“ mit Köstlichkeiten von Steirischem Backhendl bis Schweinsripperl (breitlehenalm.at/de/heustadl). Die Kringsalm mit SB- und À-la-carte-Restaurant liegt direkt an der Seekarspitzbahn (kringsalm.at). Top-Stimmung ohne Dauerkollaps gibt es im Monte Flu, im Lokal daneben ein grandioses Blutwurstgröstl mit Sauerkraut (flubachalm.at)

Auskunft
Weitere Infos zum Skigebiet und zu Quartieren auf der Website des Tourismusverbands: obertauern.com

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