Ein historisches Schloss aus hellem Stein mit einem markanten Rundturm unter einem bewölkten Himmel.
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Normandie: Zeitreisen in die französische Geschichte

In Creully-sur-Seulles treffen drei verschiedene Kapitel normannischer Geschichte aufeinander.

Ein Urlaub in der Normandie ist meist eine Zeitreise. An den Küstenabschnitten im Norden erinnern berührende Skulpturen an die Befreiung Frankreichs durch die Alliierten im Zweiten Weltkrieg. Fischerdörfer wie Étretat sind eng mit dem Impressionisten Claude Monet verbunden und Städte wie Bayeux tragen stolz ihr mittelalterliches Gewand.

Doch es gibt einen Ort, an dem sich alle drei Kapitel der normannischen Geschichte begegnen: das Château de Creully. Wer in Creully-sur-Seulles an der Rue de Tierceville links abbiegt und der gepflasterten Straße zwei Mal ums Eck folgt, kommt zu einer wuchtigen Steinmauer. Passiert man diese am ersten Augustwochenende, fällt der Blick nicht nur auf die eindrucksvolle Burg mit ihren scharfen Zinnen und dem zylinderförmigen Eingangsbereich, sondern auf Burgfräulein in wallenden Kleidern und Ritter in Waffenröcken.

Rechtzeitig zur Hochblüte der Rosen und Hortensien und zum Höhepunkt der französischen Sommerferien zelebriert die Burg ihr mittelalterliches Erbe. Mit Reiterspielen, Axtwerfen und nicht ganz so mittelalterlichen Hotdogs. In weißen Zelten kann man Schmieden, Korbflechterinnen und Pfeilbauern bei der Arbeit zuzusehen und zwischendurch vernimmt man die beschwingte Musik einer kleinen Musikantengruppe.

Eine Frau in historischem Gewand reitet auf einem weißen Pferd über eine Wiese mit roten Flaggen.

Jedes Jahr im August findet  ein Mittelalterfest statt.

©Bauer Anna-Maria

Doch bei der Tour im Burginneren stößt man nicht nur auf die mittelalterliche Küche und den einstigen Rittersaal, sondern – im oberen Stockwerk – auf Dutzende Radios, Empfangsgeräte und Lautsprecher aus der Mitte des 20. Jahrhunderts.

London Calling

Denn am Montag, den 19. Juni 1944 hatte der britische Nachrichtensender BBC hier das erste Radiostudio auf französischem Boden eingerichtet. Kriegsberichterstatter aus der ganzen Welt sandten von hier Nachrichten über die Schlacht um die Normandie in ihre Länder.

Und während der impressionistische Maler Claude Monet die Burg zwar möglicherweise schon besucht, aber zumindest nie malerisch festgehalten hat, so gibt es eine wunderbar detailgenaue Zeichnung von seinem Zeitgenossen Félix Benoist.

Top 3

Arromanches Zum 75. Jahrestag des D-Days wurde in Arromanches mit Blick über den Gold Beach ein Skulpturengarten errichtet.

Bayeux Der berühmte Wandteppich ist derzeit zwar auf Leihgabe in London, aber die Altstadt und die Kathedrale sollte man nicht verpassen.

Étretat Die Kreideklippen von Étretat  zogen im 19. Jahrhundert zahlreiche Künstler in den Bann  – so auch Claude Monet.

Vor der Burg zeigt Benoist zwei Reiter im edlen Outfit des 19. Jahrhunderts – Gehrock und Zylinder. Die Reiter zeigen die gleiche Eleganz wie die Schaustellerin im pistaziengrünen Kleid, die soeben im Damensitz auf ihrem Pferd die Wiese entlangtrabt.

Anna-Maria Bauer

Über Anna-Maria Bauer

Schreibt seit 2021 als freie Autorin aus London für den KURIER über Politik, Royals und Lifestyle. Zuvor acht Jahre in der Wien-Chronik.

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