Meridiem Trail nach Villach: Der neue Radweg ab Wien im KURIER Test
Der KURIER-Test auf einem Teilstück der 618 Kilometer langen neuen Radstrecke Meridiem Trail von Wien nach Villach zeigt: Die ÖBB haben Nachholbedarf, aber von Feldbach bis Lavamünd gibt es viel zu entdecken.
Eigentlich sollte man den Meridiem Trail ja direkt in Wien starten. Von der Urania über die Praterstraße zur Donauinsel durch die Donauauen bis Hainburg, und ab dort „ad meridiem“, Richtung Mittag, also Süden. Dieser Einstieg macht dem Trail, der seit heuer in der vollen Länge bis Wien beschriftet und über die App „Ride with GPS“ ganz einfach aufs Handy geladen werden kann, alle Ehre. Denn, und darauf legt der Touristiker Christian Kresse, der den Weg initiiert und mit den einzelnen Gemeinden und Regionen realisiert hat, großen Wert: Der Meridiem Trail verzichtet auf die großen touristischen Ziele und legt einen Fokus auf weniger bekannte Regionen. Zu Recht, wie der KURIER-Test der Teilstrecke von Feldbach in der Steiermark bis nach Lavamünd und nach St. Paul, von wo es mit dem Zug wieder zurück nach Wien geht, beweist.
KURIER-Redakteur Josef Kleinrath hat den Radlpass nach Slowenien bezwungen.
©Josef KleinrathGroße Hürde
Die Fahrt mit dem Zug von Wien nach Feldbach, wo die sechste Etappe des Meridiem Trail startet, bedarf einer gewissen Planung. Immer noch gibt es in den Railjets nur fünf Plätze für Radfahrer, der Einstieg in den Zug ist hoch und eng, wer als Letzter kommt, schafft es kaum, das schwere E-Bike alleine in die Halterung zu hieven. Abgesehen davon, dass die besten Abfahrtszeiten früh ausgebucht sind, ein Ärgernis. Dafür bietet die Schnellbahn nach Feldbach ausreichend Platz.
Dort ist der Einstieg in den Trail ganz leicht, das Navi lotst zielsicher entlang der Route und reagiert rasch, wenn man sich doch einmal verfährt. Bei der Routenplanung lohnt es sich, die im Plan übersichtlich angeführten Hinweise durchzuklicken.
Enge Sache: Die Radplätze in den Railjets bieten wenig Platz und sind oft ausgebucht.
©Josef KleinrathAlles „Vom Hügel“
Schon kurz nach Studenzen an der Fladnitz führt Margrit De Colle seit zwanzig Jahren hingebungsvoll den Betrieb „Vom Hügel“. „Zu uns kommen die, die das andere suchen“, sagt der Kellner und empfiehlt Brennnessel-Sirup oder Verjus gespritzt. Im Hofladen und der Blumenwerkstatt gibt es Kostbarkeiten und Köstlichkeiten zum Mitnehmen. Verkauft wird im Prinzip das, was am Hügel wächst. Bartnelken, Wildrosen, getrocknete Kornblumen – damit wird die mit Linsen und Gemüse gefüllte Zucchini garniert, ein völlig neues Geschmackserlebnis.
Vom Hügel: Die junge Köchin Laura bringt das Essen selbst an den Tisch.
©Josef KleinrathDie Etappe führt dann über Gleisdorf nach Graz. Entlang des Kappellenwegs fügt sich ein alter Bauernhof an den nächsten, ein Bauer kostet die ersten reifen Kirschen, kaum ein Auto trübt den Radfahrgenuss. Selbst die Fahrt ins erste Etappenziel Graz ist weitgehend autofrei und endet in der Herrengasse – nicht jedoch, ohne am Kaiser-Josef-Platz beim ältesten Bauernmarkt der Steiermark eingekehrt zu sein. Denn Graz ist, wie Tourismus-Geschäftsführer Dieter Hardt-Stremayr stolz betont, wegen seiner über dreihundertfünfzig landwirtschaftlichen Betriebe innerhalb der Stadtgrenzen legitime „Hauptstadt der Bauern“. Und wegen des kulinarischen und kulturellen Angebots ist Graz zwar ein bekannter, aber ansprechender Etappenort.
Dafür führt die nächste Etappe wieder in unbekannte Gefilde. Zwischen Feldkirchen und Werndorf hoppelt ein Hase am Radweg entlang, eher er einen Haken in das Maisfeld schlägt. Als der Trail die Mur verlässt, um entlang der Sulm über Großklein und Kleinklein nach Eibiswald zu gelangen, wird es wildromantisch und ruhig.
Nicht nur Mur und Drau beeindrucken: An der Sulm ist es wildromantisch und ruhig.
©Josef KleinrathUnd dann Eibiswald, eine der ersten Radsportgemeinden der Steiermark. Nirgendwo sonst ist der Meridiem Trail so gut ausgeschildert wie hier – was dem ortsansässigen Radsportclub geschuldet ist. Die kleine Gemeinde bietet sich für einen längeren Aufenthalt an. Über hundert ausgeschilderte Touren auf bis zu 1.800 Meter Höhe, 2.000 Kilometer Radwege mit über 50.000 Höhenmetern, halten für jedes Können das passende Angebot parat.
Hannes Kofler vom Radsportclub Eibiswald zeigt die über hundert Radtouren.
©Josef KleinrathUnd der Radsport bringt der abseits gelegenen Gemeinde den Tourismus wieder zurück. Neben dem Gartenhotel Klöpferkeller soll demnächst der Kirchenwirt mit vierundvierzig Betten wiedereröffnen. Fixpunkt ist eine Schilcher-Verkostung bei der Buschenschank von Hannes Garber, der ein sehenswertes Bauernmuseum eingerichtet hat.
Blauer Wildbacher, besser als Schilcher bekannt, beim Weinpionier Garber.
©Josef KleinrathBieriges Slowenien
Nach dem Schilcher wird es bierig. Der Meridiem Trail führt – passend – über den Radlpass (650 Meter) nach Slowenien. Auf der Passstraße gibt es keinen Radweg, dafür achten die Lastwägen und Motorradfahrer auf uns Radler. Unten in Radlje warten die Hopfenfelder. Der Hopfen wird direkt am Radweg in der Time Brauerei zu Bier verarbeitet – für Führung und Verkostung braucht es eine Reservierung. Wer dann noch fahren kann (und darf), wird entlang der Drau mit wunderbaren Blicken, etwa auf Muta, belohnt. Oder fährt bis Dravograd und lässt sich vom militärischen Flugabwehrgerät vor der barocken Burg Bukovje (heute ein Museum) überraschen. In Dravograd ist ein ehemaliges Gestapo-Gefängnis zu einer Gedenkstätte umfunktioniert worden – zu besichtigen nach Voranmeldung.
Ein militärisches Flugabwehrgerät vor der barocken Burg Bukovje in Dravograd.
©Josef KleinrathNach einer kurzen Pause – etwa im Gostice The River an der Drau – geht es über Lavamünd (kein Halt nötig) nach St. Paul, wo Schloss und Koralmbahn warten. Und die Hürde, das Rad in den Zug zurückzubekommen. Aber nicht einmal das kann die Freude über die eindrucksvolle Radtour trüben.
Info
Der Meridiem Trail Auf meridiemtrail.com ein Navigationspaket buchen (alle 12 Etappen Wien– Villach kosten 32 Euro, Wien–Graz und Graz–Villach je 18 Euro), einen Account auf der kostenlosen „Ride with GPS“-App installieren und losfahren.
618 Kilometer Der Trail führt durch zwölf Regionen in Österreich, Ungarn und Slowenien von Wien bis Villach.
Essen Einkehren im Lokal „Vom Hügel“ in Erbersdorf 1, 8322 Eichkögl (Etappe Feldbach–Graz), vomhuegel.at.
Übernachten In Graz etwa im Hotel Weitzer (am Radweg), hotelweitzer.com; in Eibiswald im Gartenhotel Kloepferkeller, kloepferkeller.at
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