Mariazell: Vier neue Pilgerrouten mit dem Fahrrad
Vier neue Pilgerrouten für Radfahrer führen durch die Hochsteiermark zu einem der wichtigsten Wallfahrtsorte Europas. Auch eine anspruchsvolle Almroute ist dabei.
Das Pilgern ist so alt, dass man es nicht erfinden muss. Neu ist aber die Annäherung zum Herrgott per Rad.
Entlang von Flüssen und durch Wälder, über Bergpässe und Almen führt das neu gestaltete Pilgerradwegenetz nach Mariazell – und jede Strecke hat ihren eigenen Charakter. Der „Beginnertrail“ (12 km) von der Walster und dem Hubertussee als Finale der langen Traisentaltour; die attraktive Semmeringroute (65 km) über Mürzzuschlag durch das Mürztal und Frein, der Marathon ab dem Roseggerhaus (90 km) oder die Almpilgerfahrt (80 km) von Bruck an der Mur und Kapfenberg über den Pretalsattel und das Niederalpl – für jeden Radpilger ist etwas dabei.
Die Almenpilgertour ab Bruck an der Mur, garniert mit 1.900 Höhenmetern, führt entlang alter Bahntrassen, über Alm- und Feldwege – oft weitab vom Straßenverkehr. Die achtzig Kilometer ließen sich zwar sportlich an einem Tag bewältigen, aber solche Gedanken sind fehl beim Pilgerradeln. Zumindest eine Übernachtung, das Innehalten an Kapellen und Marterln, Zeit für unvorhergesehene Begegnungen und das Einkehren gehören zu einer Pilgerreise. Und auch die Wahl des Rades ist wichtig. „Wir können mit E-Bikes radeln oder mit Gravelbikes oder Mountainbikes Kondition schinden“, sagt Silvia Sarcletti, die für die Routenführung der Pilgeralmtour mitverantwortlich zeichnet. Die Entscheidung fällt auf die E-Bikes. Aktiv sein, gleichzeitig Entschleunigen und Sinnieren ist angesagt.
Über Kapfenberg nach Turnau
Ausgangspunkt ist Bruck/Mur. Den Rucksack am Buckel, auf Gepäcktransport wird verzichtet. Der R13 Radweg führt nach Kapfenberg, dann entlang der alten Bahntrasse, vorbei an Burgen und Fabriken, langsam bergan bis Thörl und nach Turnau. Dass die Hochsteiermark zu den wald- und wasserreichsten Regionen gehört, glaubt man hier gerne. In Turnau wartet ein Kraftplatzerl am Kirchenhügel – mit Blick ins Tal und der Vorfreude auf das Etappenziel, den Pretalhof. Hier bleibt auf der Terrasse Zeit zum Plaudern. Heinz Leitner lebt in seiner Pension seinen Traum als Hotelier und Gastronom. Der langjährige Manager hat den elterlichen Gastbetrieb zu einem Schmuckkästchen mit nachhaltig gezimmerten Blockhäusern verwandelt. „Wir haben noch keine tropischen Nächte“, sagt er lächelnd und kredenzt seine Spezialität: Forelle vom eigenen Quellwasserteich.
Fünfzig Kilometer und 1.460 Höhenmeter sind es vom Pretalhof nach Mariazell. Trotz E–Antrieb heißt es in die Pedale treten, um nicht im „Maria-hilf-Gang“ (der letzte Gang vor dem Absteigen) zu enden. Die Scheiklalm und Rotsohlalm bieten Einkehr. Einige Höhenmeter weiter lädt ein riesiges Holzbankerl beim Nikolokreuz zum Verweilen. Es ist einer dieser magischen Plätze, mit Ausblick auf die Veitsch, wo das weltweit höchste begehbare Holzkreuz mit vierzig Metern steht. Dank der Zwei-Tages-Variante bleibt Zeit zur Rast, ohne Blick auf Uhr und Handy. Es folgt der Downhillritt runter zum Pass am Niederalpl. Wasser auffüllen, dann heißt es hochstrampeln zur Dürrieglalm. Kühe, tiefgrüne Almen und ein Rastplatz beim Pilgerkreuz Mooshuben geleiten zum Ziel. Heute ist Mariazell einer der größten Marienwallfahrtsorte Europas, man zählt gut eine Million Besucher im Jahr.
Doch für viele Pilger geht die Reise nach Kirchbesuch, Einkehr (Pilgerbräu im Brauhaus) und Einkauf (Lebzelterei Pirker) oft abrupt zu Ende. Schade, Mariazell lohnt einen Zusatztag. Nach einigen Kilometern Richtung St. Sebastian ist beim „Lurgbauer“ auf dem Gut der Familie Leodolter Genuss und Ruhe angesagt. Saftige Wiesen gibt es hier, dazu Wohnen im alten, restaurierten Feldkasten.
Action auf der Bürgeralpe
Und von Mariazells Zentrum geht es in zehn Gondelminuten hoch auf die Bürgeralpe (Wanderer brauchen gut eine Stunde). Nach schneearmen Wintern setzt man auf Ganzjahresaktivitäten. Vom anschaulichen Holzknechtland mit dem Biberwasser bis zur „Wald8erBahn“ und Wasserskifahren auf dem Kristallsee gibt’s hier viel zu erleben. „Auch MTB-Fahrer sollen hier ihre Trails bekommen und natürlich bleiben die Lifte für den Wintersport erhalten“, erzählt Geschäftsführer Johann Klienhofer. Verlockend: der neue, 32 Stationen lange 3D-Bogenschießparcours. Eine kurze Einschulung, dann geht’s los mit Ehrgeiz und Robin Hood-Feeling.
Info
Anreise und Radverleih
– Nach Mariazell mit der Bahn.
– Verleih: Trek-Store in Bruck an der Mur, trekbikes.com
– Rad- und Personenrücktransporte: taxi-scheucher.at, taxi-schweighofer.at
Almen
– Rotsohlalm (1.413 m), Turnau; Tel. 0664/2716463; geöffnet von Mai–Sept./Okt.
– Scheiklalmhütte in Turnau; Tel. 0660/2951978; Mai–Sept.
Einkehr in Mariazell
Traditionelles Wirtshaus: brauhaus-mariazell.at,
Italienisches Café direkt am Hauptplatz: dacontini.at
12.Jahrhundert Laut Legende lebte damals schon die „Maria in der Zelle“.
Auskunft
hochsteiermark.com, mariazell.at
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