© Richard Grasl

Leben Reise
01/11/2022

Malediven: Was im Paradies die Langeweile stört

Sie sind Synonym für fast unerreichbaren Traumurlaub, und doch fragt man sich: Was tut man den ganzen Tag auf den Malediven? Im angeblich besten Resort des Indischen Ozeans bekommt man Antworten: Neben Prachtbungalows und -kulisse findet man umwerfende Kulinarik, tolles Programm – und Wasserschildkröte Frida

von Richard Grasl

Zur Sicherheit packe ich sechs Bücher in den Koffer. Eine Woche Malediven, auf einer Insel mit gerade mal 180 Metern, die man in zehn Minuten zu Fuß umkreisen kann. Es ist meine erste Reise auf die Malediven. Immer schon habe ich mich gefragt: Was mache ich den gesamten Tag lang?

Naladhu. Das ist eine Insel im Süd-Male-Atoll. Mit einem Resort, das nur aus zwanzig Villen besteht. Im November 2021 wurde es nach umfangreichen Renovierungsarbeiten neu eröffnet. Wer vollkommene Ruhe möchte, Abgeschiedenheit, der ist hier richtig. Es ist ein Luxus-Resort in der ohnehin luxuriösen Welt der Malediven. „Wir haben hier keinen Platz für Fehler“, sagt schon der Küchenchef Philippe beim ersten Treffen. „Es muss einfach alles perfekt sein.“

Nach der Landung in Malé, der Hauptstadt der Malediven, dauert es etwa vierzig Minuten, um mit dem Schnellboot zur Inselgruppe zu kommen. Schon das ist ein Vorteil. Wer das Wasserflugzeug in ein weiter entferntes Resort braucht, kann gleich rund fünfhundert Euro zusätzlich pro Person veranschlagen. Neben Naladhu befinden sich zwei weitere Inseln in Sichtweite. Auf Dhigu, per Shuttleboot in fünf Minuten erreichbar, findet man viele Aktivitäten: Surfen, Rad fahren, mit einem Seabob wie James Bond unter Wasser tauchen oder auf einem Wasserstrahl in Richtung Himmel steigen. Daneben ist noch Veli, die dritte Insel, nur für Erwachsene. Sie wird im kommenden Sommer generalsaniert.

Naladhu ist der Primus inter Pares. Die Gäste dürfen die anderen Inseln nutzen, umgekehrt geht das nicht. Es soll ja exklusiv bleiben.

Ich nehme mir vor, das Haitauchen nur vom Boot aus zu beobachten. Denn als Kenner von der „Der weiße Hai“ wird das mulmige Gefühl von Minute zu Minute stärker, die Sehnsucht, doch ins Wasser zu springen, aber auch. Am Ende schwimme ich umgeben von rund zwanzig Ammenhaien und bin glücklich, das erlebt zu haben.

Bei der Ankunft mit dem Boot erwartet den Gast sein Kuwaanu, ein persönlich zugeteilter Mitarbeiter des Hotels. Oder eine Mitarbeiterin: Sie heißt Natalia und kommt aus Russland. In den nächsten Tagen ist sie Ansprechpartnerin für alles. Sie bringt die Flossen in die Villa, erinnert den Gast an den ersten Massagetermin, der nach zwölfstündiger Anreise besser nicht sein könnte. Und sie weckt telefonisch für den ersten Höhepunkt, das Shark-Snorkeling. „Es kann nichts passieren“, beruhigt Emilia Fulgido bei der Bootsfahrt dorthin. Die Italienerin ist Meeresbiologin, hat Haie studiert. „Bitte nur Ruhe bewahren und die Haie nicht angreifen. Wir müssen ihren Raum respektieren.“

Die Gruppe legt Flossen, Taucherbrille und Schnorchel an. Am Boot ist eine lange Leine befestigt, an der man sich anhalten kann, um nicht zu weit abzutreiben. Man kann die Haie schon im Wasser sehen. Die Tiere sind wunderschön, rund zwei Meter lang, sie schwimmen dicht vorbei. Einmal streift mich einer von ihnen. Ich tauche auf und schnappe nervös nach Luft.

Das rote Leuchten der Korallen fehlt

Die Unterwasserwelt der Malediven ist für jemanden, der zum ersten Mal dort ist, eine Wucht, auch wenn man nur schnorchelt und nicht mit Pressluftflasche taucht. Tausende Fische in Tausenden Farben. Nur die Korallen leuchten nicht mehr. In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben zu hohe Wassertemperaturen durch einen außergewöhnlichen El-Niño-Effekt zur Korallenbleiche geführt. Übrig waren nur noch deren weiße Skelette. Doch die Korallen beginnen sich langsam zu erholen. Im Niyama-Resort, das wie Naladhu zur Anantara-Hotelgruppe gehört, werden Korallen gezüchtet. Wer in Naladhu in Ruhe schnorcheln möchte, fährt mit dem Shuttleboot am besten fünf Minuten zur unbewohnten Insel Gulifushi. Man taucht dort an die Kante des Riffs und sieht Hunderte Meter in die schwarzen Tiefen des Indischen Ozeans und ist plötzlich Auge in Auge mit Frida. „Das ist unsere Meeresschildkröte, sie kommt immer wieder nach Gulifushi“, erzählt der Lifeguard der Insel.

Sonnenaufgang. Die Wellen rollen sanft auf das Riff zu. Ich liege auf einem Bett im Freien, das wie eine Hängematte auf Seilen montiert ist. Die Nacht habe ich dort verbracht, nachdem mir mein Kuwaanu Decken gebracht hat. Nach dem Erwachen gehe ich in den privaten Pool, den jede Villa hat, oder in die Outdoor-Dusche. Ich könnte stundenlang hier liegen. Der Kuwaanu bringt das „Floating Breakfast“, ein Frühstück auf einem schwimmenden Tablett, das ich im Pool genießen kann. Wenig später kommt die Yoga-Lehrerin.

Die Villen auf Naladhu könnten kaum luxuriöser sein. Doch der Luxus kommt stilvoll und elegant. Aus der Badewanne blickt man zum Ozean. Wer die Dusche im Freien nimmt, genießt den Wasserstrahl unter Palmen. Man kann sämtliche Speisen hier einnehmen oder in eines der Restaurants hier oder auf den Nachbarinseln gehen. Frühstück gibt es den gesamten Tag über. Jedes Zimmer verfügt über einen eigenen Weinkühlschrank. Die Villen sind nach den Pflanzen benannt, die vor dem Eingang gesetzt wurden.

Die Wege zwischen den Villen, zum Strand oder zu den Restaurants sind aus Sand, man braucht keine Schuhe außer zum Abendessen. Der Sand am Strand wird hier nicht heiß, „weil er aus Muschelkalk besteht, im Gegensatz zum Strand auf Inseln im Mittelmeer zum Beispiel“, erklärt Resident Manager Supratik Guha beim Dinner. Es wird Fisch serviert („Red Snapper“) am nächsten Tag thailändisches Curry mit Huhn, Rind oder Fisch.

Wer Lust hat, sein körperliches Wohlbefinden zu verbessern, kann hier auf Yoga, ein klimatisiertes Fitnesscenter oder Training mit einem Personal Coach setzen. Die Yoga-Trainerin kommt selbstverständlich in die Villa, breitet ihre Matten auf der Terrasse zum Ozean aus, sie passt die Übungen an bisherige Yoga-Erfahrung an. Der Fitness-Coach macht Übungen auf einem freien Platz unter hohen Palmen, gleich neben den hier angelegten Kräuter-Gärten.

Bleibt noch jenes Übel, das natürlich derzeit auch einen Malediven-Urlaub verderben könnte: Corona. Der Inselstaat rühmt sich, fast Corona-frei zu sein. Wer einreisen möchte, muss einen PCR-Test vorweisen, der maximal 96 Stunden alt sein darf. Dazu ist eine recht umfangreiche Online-Registrierung schon vor der Abreise nötig. Am Tag, bevor es wieder nach Hause geht, wird im Hotel ein PCR-Abstrich genommen. Wer wider Erwarten positiv sein sollte, muss hier in seiner Villa in Quarantäne bleiben.

Am Ende habe ich nur zwanzig Seiten eines meiner sechs Bücher gelesen. Das Angebot ist so umfangreich, dass Langeweile nicht aufkommt. Und wenn man gerade nichts macht, ist der Blick auf die Lagune mit dem unfassbar türkisen Meereswasser einfach schöner.

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