Die Fassade des Grand Egyptian Museum in Gizeh mit ihrem markanten dreieckigen Eingang vor einem klaren blauen Himmel.
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Ein Pharao als Pförtner: Zu Besuch in Kairos neuem Mega-Museum

Im Grand Egyptian Museum bleiben vor allem zwei Begegnungen nachhaltig in Erinnerung: die mit Ramses II. und Tutanchamun.

Ramses II., einer der mächtigsten Pharaonen im Alten Ägypten, hätte wohl nicht gedacht, einmal zum Türsteher zu werden. Aber nun ist es einmal so. Sein Blick richtet sich streng, aber durchaus wohlwollend auf die Menschentraube, die sich zu seinen Füßen angesammelt hat. Leute aus aller Welt starren ihn unverhohlen an, die Hand am Handy, fotografierbereit.

Die elf Meter hohe, rund 3.200 Jahre alte Granitstatue empfängt seit der Eröffnung des Grand Egyptian Museum (GEM) im November 2025 die Besucher im Eingangsbereich.

Große ägyptische Statue in einer monumentalen Halle mit goldener Pyramidenfassade und vielen Besuchern.

Das GEM wurde nach den Plänen des irischen Architekturbüros Heneghan Peng Architects gebaut.

©Belinda Fiebiger

Die Museumsplaner haben sich etwas gedacht, als sie Ramses den neuen Job zuwiesen: Schon beim Betreten des Museums soll man ein Gefühl für die Größe und Macht der altägyptischen Zivilisation bekommen. Die (nicht ganz so großen) 60 Statuen entlang der „Feststiege“, an deren Ende ein Panoramablick auf die Pyramiden von Gizeh wartet, verstärken diesen Effekt nur zusätzlich.

Schreitet man hinauf, begegnet man im Obergeschoss jener Kultfigur, derentwegen der Großteil wohl herkommt: Erstmals hat man die Gelegenheit, die Grabausstattung von Tutanchamun in nahezu kompletter Pracht zu sehen.

Goldene ägyptische Sarkophage mit blau-goldenen Streifen und Tierköpfen in dunkler Vitrine.

Einer der drei (zuvor) ineinander geschachtelten Särge Tutanchamuns.

©Belinda Fiebiger

Vom Steinsarkophag und Särge über Schreine, Streitwagen und Schmuck bis hin zum filigranen Thron und der weltberühmten, aus purem Gold gefertigten Totenmaske sind hier insgesamt 5.398 Objekte zu sehen. 

Als Howard Carter im November 1922 das intakte Grab des jungen Pharaos freilegte, staunte die Weltöffentlichkeit über den Sensationsfund. Erstmals eröffnete sich ein detailreicher Einblick in das altägyptische, höfische Leben und die Bestattungsriten des 14. Jahrhunderts v. Chr.. 

Die heute im GEM ausgestellten Objekte haben nichts an Strahlkraft verloren. Nur eines sucht man vergeblich: die Mumie des Pharaos (mehr dazu im Infokasten am Schluss).

 

Sonnige Begräbnisrituale

Tutanchamuns goldene Totenmaske ist quasi das antike Gegenstück zur Mona Lisa im Louvre. In der Mitte eines abgedunkelten Raumes ausgestellt, schieben sich die Massen vorbei, warten mehr oder weniger geduldig darauf, ein Stück näher zu kommen und den Moment mit dem Handy festzuhalten. Das Sicherheitspersonal achtet auf einen geordneten Besucherstrom. Über dem Treiben strahlt die Maske im Licht. Sie ist so ausgeleuchtet, dass sie knapp über den Köpfen zu schweben scheint. Blickt man ihr in die schwarzumrandeten Augen, blickt man 3.350 Jahre zurück in die Vergangenheit.  

Hat man dann genug Zeit mit der Maske verbracht, ist der Rundgang nicht vorbei: Zu den weiteren Höhepunkten des GEM zählt das ca. 4.500 Jahre alte, riesige Sonnenboot.

Ein historisches Holzschiff mit zahlreichen Rudern ist in einer modernen Museumshalle mit wellenförmiger Deckenkonstruktion ausgestellt.

Das Sonnenboot zeigt, mit welcher Präzision die alten Ägypter Schiffe bauten.

©Belinda Fiebiger

In mehreren hundert Holzteilen zerlegt, wurde es in einer Grube bei der Cheops-Pyramide entdeckt und über Jahre hinweg zusammengesetzt. Das rund 43 Meter lange Schiff aus Zedernholz gilt als eines der ältesten und am besten erhaltenen Boote der Antike. 

Es wurde vermutlich für Pharao Cheops angefertigt und sollte ihm nach dem Tod symbolisch den Weg zur Sonne und zu den Göttern ebnen. Das Boot zeigt damit nicht nur die technischen Fähigkeiten jener Menschen, die es vor mehr als vier Jahrtausenden erschaffen haben, sondern gewährt auch Zutritt in deren religiöse Vorstellungswelt.

 

Was das GEM nicht erfüllt

Um keine falschen Erwartungen zu wecken: Auch wenn es neu gebaut wurde und die Architektur selbst ein Blickfang ist, das GEM setzt nicht auf interaktive Erlebnisse. 

Wer auf eine multimediale, spielerische Inszenierung hofft, könnte enttäuscht sein – vielmehr lässt es die Jahrtausende alten Objekte für sich stehen. 

Wohin einen das Interesse in den etwa 24.000 m² großen Ausstellungsbereichen auch führt: Man sollte sich für den Besuch Zeit nehmen – und vielleicht am Handy etwas Extra-Speicherplatz für Fotos aufheben.

Letzte Ruhestätten

  • Im GEM sieht man die kostbaren Grabbeigaben Tutanchamuns. Seine Mumie liegt aber in der ursprünglichen Grabstätte im Tal der Könige in Luxor. Damit ist er der einzige Pharao, dessen Mumie an ihrem ursprünglichen Bestattungsort gefunden wurde und dort immer noch liegt. So wurden die meisten anderen königlichen Mumien bereits in der Antike aus ihren Gräbern entfernt und später in Mumienverstecken (Caches) wiederbestattet oder gingen im Laufe der Zeit verloren.
  • Ramses II. ruht heute in der Mumienhalle des 2021 eröffneten National Museum of Egyptian Civilization (NMEC) in Kairo. In den abgedunkelten Räumen sind insgesamt 22 königliche Mumien zu sehen, darunter auch Hatschepsut, Thutmosis III. und Seti I.
Belinda Fiebiger

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