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FFK-Camping in Südfrankreich: Hüllenlos unter Pinien

Auch im Süden des Landes kommen FKK-Liebhaber und Liebhaberinnen im grünen Hinterland auf ihre Kosten. Zwei Campingplätze im Porträt.

Eine Reise in die französische Provence ist immer etwas Besonderes. Steht der Besuch von zwei Freikörperkultur- Campingplätzen an, verspricht das allerdings eine ganz spezielle Note.

1. Le Domaine de Belezy: Der Chef ist kein Naturist

Kleidung kann man zum Großteil getrost zu Hause lassen. Im Vaucluse, unweit des Mont Ventoux, liegt „Le Domaine de Belezy“ in einem vierzig Hektar großen Park mit Ahorn, Eichen und hohen Pinien. Im Zentrum steht ein provenzalischer Gutshof (Mas) aus dem 18. Jahrhundert. Eine Zypresse am Feld stammt noch aus der Zeit der Französischen Revolution. Zwei Radfahrerinnen kommen resolut entgegen, so wie Gott sie geschaffen hat.

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„Le Domaine de Belezy“: der Gutshof.

©Karl Kaltenegger

Rund um den alten Gutshof befinden sich ein Restaurant, ein Café, ein Wasserpark mit Pools und ein Supermarkt. Davor wird konzentriert Boule gespielt. Ein paar Menschen tragen im oberen Bereich Bekleidung, andere wiederum unten. Das ist dem Wind geschuldet. Die nächste Stufe wäre ein Bademantel! Im Hochsommer allerdings wird jeder Sonnenstrahl, gut mit hochwertiger Sonnencreme eingeschmiert, gnadenlos ausgenützt.

Wie gut geschmiert läuft hier alles?

 Im Café wartet Campingplatz-Chef Sebastien. Bekleidet, denn er ist kein Naturist. Allerdings arbeitet der drahtige 52-Jährige hier sehr gern, ist bei der Freiwilligen Feuerwehr und war früher Polizist in Marseille. Wie hart das sein kann, führt einem der Film „Bac Nord“ vor Augen. Eine wahre Geschichte über die Antikriminalitäts-Brigade im Norden von Marseille mit der höchsten französischen Kriminalitätsrate. Jetzt schiebt Sébastien, gemeinsam mit sechzig Angestellten, die alle bekleidet werken, eine ruhige Kugel.

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Camper der Nachbarn in Belezy

©Karl Kaltenegger

„Die Menschen kommen hierher, um nach ihrer Façon zu genießen. Sie suchen die Natur und gehen respektvoll miteinander um. Auf Etikette und Benehmen wird Wert gelegt, anzügliches Verhalten wird absolut nicht toleriert“, erklärt Sebastien. Rund tausendzweihundert Gäste sind es im Hochsommer, fünfzig Prozent davon Kinder. Vor allem „Nordisten“ aus Holland, Belgien, Frankreich und Deutschland. Im Sommer sind Mobile Homes sehr gefragt, im Frühjahr und Herbst ist vermehrt Campen mit Zelt, Wohnwagen oder Camper angesagt.

Info

Anreise
Mit einem Camper, beispielsweise aus Wien nach Bédoin; rund 1.400 Kilometer. Die reine Fahrzeit beträgt in etwa  15 Stunden und  30 Minuten.

Übernachten
–  „Domaine de Belezy“, im Vaucluse am Fuße des Mont Ventoux bei Bédoin, ist ein großer Park rund um einen früheren Gutshof. Ein Stellplatz inkl. zwei Erw. kostet je nach Saison von 29 bis 53 €, ein Mobile Home zw. 82 und 353 €. Heuer geöffnet bis 4. 10.; de.belezy.com
– „Le Domaine de la Sabliére“, im Département Gard bei Barjac, besteht seit 1974 und ist ein Wald-Campingplatz.  Ein Stellplatz für einen Erw. kostet 22 bis 37 €, ein Mobile Home 160 bis 400 €. Geöffnet  bis Ende September.
villagesabliere.com/de

Zwei Kärntner auf Tour

Man kommt mit den Nachbarn leicht ins Gespräch. Jeder ist interessiert, hilfsbereit und neugierig. Rund um den Platz ist als Sichtschutz ein Bretterzaun angebracht. Die zwei Teile sind durch einen Fußgänger-Tunnel verbunden. Die Gemeinde hätte etwas dagegen, wenn die Leute nackt die Straße überqueren würden.

Ein Ehepaar vom Kärntner Faaker See nimmt die lange Anreise immer wieder in Kauf. Marianne betreibt eine Pension. Christian ist Informatiker und hat sich die Radbekleidung angezogen. Beide sitzen entspannt vor ihrem bereits dritten Camper. Zweimal im Jahr geht es auf große Tour. Sie suchen hier wieder einmal Ruhe und Frieden. Beide lieben das Radfahren auch hinauf zum Mont Ventoux. Der „Berg der Winde“, oder „Riese der Provence“ ist 1.912 Meter hoch. Schon der italienische Dichter Petrarca hat ihn beschrieben. Er ist berühmt für seinen herausfordernden Anstieg, was ihn zur legendären Etappe der „Tour de France“ macht. Der mystische Gipfel mit seiner kargen, mondähnlichen Landschaft aus Kalkschotter ist weithin zu sehen. Bei klarem Wetter hat man hier oben eine atemberaubende Aussicht vom Mittelmeer bis zu den Alpen.

Ansonsten hat es den Kärntnern der exzellente Weinkeller der hundertzwanzig Winzer von Vignerons du Mont Ventoux (VMV) in Bédoin angetan. In ihrem Camper ist bei der Heimreise immer genügend Platz für ein paar feine Flaschen Wein reserviert.

An Montagen hat im nahen Bédoin der Straßenmarkt geöffnet. Dorthin gelangt man vom Camp auf einem Waldweg über einen Hügel. Beim Abstieg weitet sich der Blick auf das Städtchen mit der darüber ruhenden Kirche Saint Pierre. Unten im Zentrum herrscht geschäftiges Treiben mit dem unvermeidlichen Verkehrschaos. Viele lokale Produkte wie Käse, Oliven und Öl, Marillen-, oder Kirschen-Marmeladen sowie Trüffel-Produkte werden angeboten. Ein Kaffee, ein Glas Wein und ein Baguette runden den Markt-Besuch ab.

2. Le Domaine de la Sabliére: Idyllisch am Ufer der Sèze

Einer der schönsten Campingplätze Frankreichs, Le Domaine de la Sabliére, liegt im Departement Gard am Rand der Cevennen. Es sind insgesamt sechzig Hektar, mitten in einem ausgedehnten Waldgebiet. Von ganz oben, hinunter ins Tal der Sèze, gilt es, hundert Höhenmeter zu überwinden. Dafür braucht es gut zwanzig Gehminuten. Im Sommer ist ein Shuttle-Bus hilfreich. Der Platz für Naturisten, der 1974 eröffnet wurde, beinhaltet drei Ortsteile. Camper können sich ihren Lieblingsplatz selber aussuchen.

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Le Domaine de la Sabliére: mit Schwimmbädern und Wasserrutsche.

©Karl Kaltenegger

Oben ist mehr Action mit zwei Schwimmbädern, Sauna, einer riesigen Wasserrutsche und einem Restaurant, von dem aus man auf viel Grün blickt. Unten wiederum ist es viel ruhiger. Es ist richtig idyllisch am Ufer der träge dahinfließenden Sèze. Das Wasser ist gar nicht einmal so kalt. Einige Urlauber schwimmen darin wie die Fische. Da ist Nacktsein sinnvoll – man muss sich nicht mit nassem Bikini oder Badehose herumschlagen.

Wie es einst in Wien war

Kurzer Exkurs nach Österreich: Bei uns in Wien ist die Freikörperkultur seit den 1920er-Jahren in der Lobau eingebürgert. Im Austrofaschismus endete rasch jede Toleranz dafür. Heute macht Nacktbaden Spaß auf der Donauinsel, wo acht Kilometer Ufer- und Strandzone explizit für das Nacktbaden reserviert sind.

Später im Café in Südfrankreich erzählt Directrice Estelle über den Platz. „Es sins 300 Mobilheime und 204 Plätze für Zelte, Camper und Wohnwagen. Zweitausend Sonnenanbeter sind es im Hochsommer, davon vierzig Prozent Kinder. Warum? Es ist das Erlebnis in der Natur. Gestresst erreichen viele unsere grüne Oase. Bald ist Entspannung angesagt. Man legt alles ab: Sorgen, Vorurteile, Ängste und Bekleidung.“

3 FKK-Tipps des Autors 

– Griechenland: Red Beach in Mátala auf Kreta.
– Spanien: Playa de Ses Illetes auf der Baleareninsel Formentera.
– Deutschland: Buhne 16 in Kampen auf der Insel Sylt.

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