Absprung: Mit mehr als 100 km/h auf kurzer Strecke ersprintet der Gepard kraftschonend seine Beute.

© dpa

Raubkatzen
10/03/2014

Beutesuchen ist anstrengender als Jagen

Isotopen und High-Tech-Halsbänder geben Aufschluss über den Energiebedarf von Gepard und Puma.

Raubkatzen benötigen viel mehr Energie zum Aufspüren von Beutetieren als für die eigentliche Jagd. Das zeigen zwei Studien zu Geparden und Pumas, die im US-Fachjournal "Science" veröffentlicht wurden. Im Vergleich zur oft langwierigen Suche nehme das kraftraubende Reißen der Beute nur eine sehr kurze Zeit in Anspruch.

Für Geparden ist es kein Problem, wenn ihnen Löwen oder Hyänen gelegentlich ihre Beute abjagen, schreiben David Scantlebury und sein Team von der Königlichen Universität im nordirischen Belfast. Eine weitere Jagd nach einer verlorenen Mahlzeit erhöhe den täglichen Energiebedarf eines Geparden nur um zwölf Prozent, errechneten die Forscher. In früheren Studien war vermutet worden, dass das Beutestehlen durch Konkurrenten zum Niedergang der Geparden beitragen würde.

Stattdessen sehen die Wissenschaftler den Menschen als Hauptursache für den Rückgang der Geparden-Populationen an. "Alles, was wir tun, dass sie weiter laufen müssen, um ihre Beute zu finden - den Bestand ihrer Beutetiere verringern oder Zäune und Barrieren aufstellen -, macht das Leben für einen Geparden etwas schwerer", sagt Johnny Wilson von der North Carolina State University in Raleigh (USA).

Isotopen-Untersuchung

Die Gruppe um Scantlebury und Wilson untersuchte 19 Geparden in zwei afrikanischen Nationalparks. Die Biologen fingen die Tiere ein und spritzten ihnen Wasser mit bestimmten Isotopen. Dann zeichneten sie für zwei Wochen die Verhaltensweisen der Geparden auf und untersuchten Proben der Ausscheidungen. Aus den gefundenen Isotopenwerten kalkulierten sie den täglichen Energiebedarf der Raubkatzen. Sie errechneten, dass die Geparden selbst dann keine größeren Probleme hätten, wenn ein Viertel ihrer erlegten Beute stibitzt werden würde. Beobachtungen in Nationalparks erbrachten aber nur Werte zwischen neun und 14 Prozent.

Energiebedarf

Einen anderen Weg, um den Energiebedarf von Pumas zu berechnen, gingen Terrie Williams von der Universität von Kalifornien in Santa Cruz (USA) und seine Kollegen. Sie entwickelten ein High-Tech-Halsband, mit dem sie Pumas nicht nur verfolgen, sondern auch genau deren Tempo messen können. Die Geräte testeten die Forscher zunächst an drei gefangenen Pumas, um den einzelnen Messwerten Verhaltensweisen wie Streunen, Lauern oder Überfallen der Beute zuordnen zu können. Gleichzeitig maßen sie bei den Tieren den Sauerstoffverbrauch, um den Energiebedarf für die einzelnen Verhaltensweisen zu ermitteln.

Anschließend legten die Wissenschaftler vier wilden Pumas die Halsbänder an und ließen sie in den Bergen um Santa Cruz herumstreunen. Dabei fanden sie heraus, dass Pumas 2,3-mal so viel Energie in die Suche nach Futter stecken müssen wie bisher angenommen. Wenn sie sich auf ihre Beute stürzen, dosieren sie den Energieeinsatz genau, je nach Größe des Beutetiers. Williams: "Die Energetik von wilden Tieren zu verstehen, die sich in schwierigem Gelände bewegen, ist eine wertvolle Information, um bessere Managementpläne für die Tierwelt zu entwickeln."

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