Leben
06.02.2018

Warum Mädchen mit Bausteinen spielen sollten

Eine Studie zeigt, dass geschlechtsspezifische Unterschiede im räumlichen Denkvermögen anerzogen sind. Besonders frühkindliches Spielverhalten hat einen großen Einfluss.

Witze über Frauen, die schlecht einparken können oder einen schlechten Orientierungssinn haben, sind weit verbreitet. Tatsächlich zeigen zahlreiche Studien, dass geschlechtsspezifische Unterschiede in kaum einem Bereich so stark ausgeprägt sind wie beim räumlichen Denken und Männer im Durchschnitt ein besseres räumliches Vorstellungsvermögen besitzen als Frauen.

Das muss aber nicht so sein. Forscher fanden heraus, dass frühkindliche Spielgewohnheiten einen starken Einfluss auf die Entwicklung des räumlichen Vorstellungsvermögens haben. Vor allem das Spielen mit Bausteinen wie Lego, Baukästen und bestimmten Videospielen (vor allem Actionspiele) verbessert langfristig das räumliche Denken. Die im Online-Journal Geosphere veröffentlichte Studie der University of Colorado Boulder zeigt: Die Überlegenheit des männlichen Geschlechts im räumlichen Denken ist nicht naturgegeben, sondern anerzogen.

Die Forscher testeten, welche Ergebnisse 345 Geologie-Studentinnen und Studenten bei verschiedenen Aufgaben zum räumlichen Vorstellungsvermögen erzielten. Die Testpersonen mussten sich beispielsweise Rotationen dreidimensionaler Objekte vorstellen. Die Fähigkeiten der Studierenden klafften weit auseinander und Männer schnitten erwartungsgemäß besser ab. Da die jungen Frauen und Männer annähernd die gleiche Schullaufbahn absolviert hatten, meint Anne Gold, die die Untersuchungen leitete: „Etwas muss also vor Schuleintritt oder außerhalb der Schule geschehen und manche Kinder zu besseren räumlichen Denkern machen als andere“.

Langfristiger Effekt

Die Studie zeigt, welch starken Einfluss frühkindliches Spielverhalten langfristig hat. Studentinnen, die in ihrer Kindheit mit Bausteinen wie Lego gespielt hatten, schnitten bei den Tests gleich gut ab wie ihre männlichen Kollegen - die Geschlechtsunterschiede verschwanden also.

Die Studie legt nahe, dass geschlechtliche Unterschiede im räumlichen Denken nicht biologisch bedingt sind, sondern von der Gesellschaft antrainiert werden. Eltern können das räumliche Vorstellungsvermögen ihrer Töchter trainieren, indem sie sie zum Spielen mit Bausteinen und anderen, das räumliche Denkvermögen fordernden Spielen ermuntern. Eine gute räumliche Vorstellung ist vor allem für eine Karriere in naturwissenschaftlichen Fächern wichtig- die Grundsteine können schon in früher Kindheit gelegt werden.