eMORAIL-Test

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Mobilität
08/01/2013

Pendeln mit E-Car, E-Bike und Bahn

Die ÖBB testen mit dem Pilotprojekt eMORAIL die Zukunft des Pendlerverkers

Gemeinsam mit 14 weiteren Partnern haben die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) das Pilotprojekt eMORAIL gestartet. Dabei sollen Straße und Schiene, Individual- und öffentlicher Verkehr vereinigt werden. eMORAIL ist eine Mischung aus Carsharing, Elektromobilität und Smartphone-App und soll den Pendlerverkehr der Zukunft abbilden. „Mobil zu sein, bedeutet nicht, ein eigenes Fahrzeug zu besitzen, sondern es dann zur Verfügung zu haben, wenn man es benötigt“, sagt ÖBB-Strategiechef Tom Reinhold. „Ziel ist, eine innovative, kostengünstige und umweltschonende Mobilitätslösung für Pendler zu entwickeln.“ Der KURIER durfte eMORAIL testen und schlüpfte zwei Tage in die Rolle eines Pendlers.

Das Prinzip eMORAIL ist schnell erklärt: Pendler fahren mit dem Elektroauto zum nächsten Bahnhof, wo es einen reservierten Parkplatz gibt. Sowohl dort als auch beim Pendler daheim befindet sich eine Ladestation. Der Pendler steigt nun in den Zug um, der ihn in die Stadt bringt. Auf seinem Smartphone sieht er via App, welche Verkehrsmittel er in der Stadt nehmen soll. Via App kann er auch E-Bikes vorbestellen. In der Zwischenzeit kann das auf dem Bahnhof abgestellte Auto von anderen genutzt werden. Kommt er nach der Arbeit wieder am Heimat-Bahnhof an, steigt er in das E-Car ein und fährt nach Hause.

Alles beginnt mit der Anmeldung auf der Plattform und die ist nicht ganz unkompliziert. Durch elf Seiten muss man sich klicken, um zum eMORAILer zu werden, was auch versicherungstechnische Gründe hat. Danach kommt die Anmeldebestätigung per eMail.

Smartphone-App

Mit der Anmeldung gibt es auch den Link zur App, die derzeit nur für Android-Geräte zur Verfügung steht. Die App braucht man aus mehreren Gründen: Damit kann das E-Car reserviert werden. In der App ist auch die Fahrkarte für den Zug gespeichert, sie beinhaltet außerdem eine Fahrplanauskunft. Auch das eMORAIL-Call Center kann via App kontaktiert werden. Der KURIER ist am Bahnhof Edlitz-Grimmenstein in Niederösterreich vom eigenen Auto auf das E-Car, einem Mercedes-Benz A-Klasse E-CELL, umgestiegen. Derzeit läuft das Pilotprojekt nämlich in Edlitz-Grimmenstein und in Leibnitz in der Steiermark. Im Echtbetrieb fassen eMORAIL-Kunden künftig das Auto auf bestimmten Bahnhöfen aus. Gleichzeitig erhält man eine Smartcard, mit der sich das Auto öffnen und die Ladestation aktivieren lässt. Das Elektroauto ist so spritzig wie ein normaler „Benziner“.

Der eigentliche Pendler-Tag ist simpel. Mit dem Auto am Bahnhof angekommen, parkt man an einem von mehreren grün gekennzeichneten Parkplätzen rückwärts ein, öffnet den Kofferraum und schließt das darin verstaute Ladekabel an eine der Ladestationen und den Tankstutzen des Autos an. Der getankte Strom wird teilweise in Fotovoltaik-Anlagen auf den Bahnhofsdächern erzeugt. Mit der Smartcard aktiviert man den Ladevorgang, schließt damit auch das Auto ab und steigt in den Zug nach Wien.

Ticket in der App

Das Bahnticket ist in der App versteckt. Der QR-Code wurde zwar vom Scanner des Schaffners erkannt, konnte aber nicht vom System verifiziert werden. Der Schaffner akzeptierte das Ticket aber dennoch. Auf der Fahrt ist Zeit für „Spielereien“, wie das Mitverfolgen des Ladestandes „seines“ E-Cars. Im Normalfall wird das Auto unter Tags von einem Unternehmen genutzt. In der Pilotphase sind es entweder die Post, die EVN oder lokale Betriebe.

Sollte es zu einem Unfall oder Verspätungen kommen, gibt es eine Hotline, die Hilfe leistet und den Sharing-Partner informiert. Mit jedem „Sharing-Paar“ – also Pendler und Unternehmen – werden Uhrzeiten vereinbart, zu denen das Fahrzeug am Bahnhof verfügbar sein muss. Bei Unpünktlichkeit sind Pönalen zu zahlen. Sollte das Auto nicht am Bahnhof bereitstehen, kann man ein Taxi ordern – dazu stehen Gutscheine zur Verfügung.

Obwohl man in Wien auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen kann, gibt es auch die Option, E-Bikes oder ein E-Car zu nutzen – falls der Zielort mit Öffis schwer zu erreichen ist.

In Wien-Meidling stehen sechs E-Bikes bereit. Hat man die eMORAIL-Station entdeckt, öffnet sich mit Smartcard und Code der Balken des gewünschten E-Bikes. Mit dem Elektrofahrrad geht es zum Arbeitsplatz. Dort sollte es mit einem Schloss abgesperrt werden.

Am Abend geht es per Bahn zurück nach Edlitz. Am Bahnhof angekommen, öffnet man wieder mit der Smartcard das Auto, löst das Ladekabel und fährt los. Sollte ein Unfall passieren, haftet man bis maximal 199 Euro, laufende Services und Technik-Checks sind in der monatlichen Gebühr inbegriffen.

Zielgruppe von eMORAIL sind Pendler, die zwischen sieben und 15 Kilometer (E-Cars) bzw. weniger als sieben Kilometer (E-Bikes) von einem Bahnhof entfernt wohnen. Die Distanz zwischen Bahnhof und Arbeitsort soll mindestens 40 Kilometer betragen. Das Pilotprojekt läuft noch bis Ende Oktober. Nach der anschließenden Evaluierungsphase wird geklärt, ob ein Roll-out auf anderen Bahnhöfen stattfindet.

Was eMORAIL monatlich kosten wird, steht noch nicht fest. Derzeit werden die Nutzungsbeiträge von Fördergebern und den beteiligten Unternehmen gestützt. „Der Preis für das eMORAIL-Paket wird je nach Entfernung zwischen Pendlerwohnort und Arbeitsplatz berechnet“, sagt ÖBB-Stratege Reinhold.

Die monatliche Gebühr soll auch zeigen, wo es künftig hingeht: Gezahlt wird für die Nutzung, nicht mehr für den Besitz von Fahrzeugen. Es gibt eine Buchung, ein Ticket und eine Abrechnung für alle Verkehrsmittel.

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