Leben
03.06.2017

Österreich: überirdisch schön

Der neue Film des ROMY-Preisträgers Georg Riha bietet einen atemberaubenden Blick auf Österreich.

Es kommt auf die Perspektive an. Ändert man sie, dann kann aus Altbekanntem, an dem man schon 1000-mal vorbeigelaufen oder achtlos mit dem Auto vorbeigefahren ist, etwas Neues, Spannendes werden. Und manchmal ist es so, dass man einen Schritt in die richtige Richtung machen muss, um unentdeckte Details – oder das große Ganze zu erkennen. Im Fall des Filmers und Fotografen Georg Riha ist es ein ganz gewaltiger Schritt nach oben ...
Einen Heliumzeppelin hat er gebastelt und die CAMCAT erfunden, eine Seilbahnkamera, die inzwischen auch für Champions-League-Spiele und große Sportevents, aber auch spektakuläre Spielfilmproduktionen wie " Troja", " Harry Potter" oder "Narnia" verwendet wird. Oft setzt sich Riha auch einfach in einen Helikopter. Ziel der Übung: so hoch hinaus wie möglich zu kommen – um im wahrsten Sinn des Wortes überirdische Fotos und Filme machen zu können.
Im vergangenen Jahr nahm Riha uns mit auf eine vierteilige, atemberaubende filmische Reise durch Österreich. Ab übermorgen gibt es auf ORF III eine Fortsetzung, weil in den mehr als 1000 Stunden, die er mit seiner Kamera im Helikopter saß, einfach "zu viel Schönes zu sehen war, um alles in einen Film zu packen".
Und wieder fliegen wir mit dem preisgekrönten Kameramann und Regisseur über heimische Berge und Täler, Städte, Kirchen, Bauernhöfe und Burgen. Begleitet von Peter Simonischeks Stimme und der Musik von zehn Komponisten zwischen Klassik, Folk und Symphonic Metal entwickeln die Bilder eine ruhige, beinahe meditative Kraft. Wie ein Adler kreisen wir in Tirol auf 2.259 Metern Seehöhe um die Rofanspitze in den Brandenberger Alpen oder schauen auf die sanft geschwungenen Hügel im steirischen Obstbauland.
Der Tappenkarsee im Salzburger Pongau wirkt wie die Badewanne eines Riesen, eingefasst von den kristallinen Schiefern und Kalken der Radstädter Tauern. Auf deren dunklem Grund in 50 Metern Tiefe allerdings keine versunkene Quietschente, sondern ein schrecklicher Lindwurm darauf warten soll, unvorsichtige Wanderer zu erschrecken. Oder Schlimmeres.
Der idyllische Sackwiesensee im Mariazeller Land wird zur abstrakten, grün umrandeten Form, wenn sich der Helikopter höher und höher hinaufschraubt, Felsen und Wiesen zu weichen, geometrischen Gebilden werden lässt ...
Mit " St. Stephan – Der lebende Dom" lieferte Georg Riha 1997 eine der erfolgreichsten ORF-Universum–Produktionen der Geschichte ab. Aber mehr noch als die "Action" ist es das Spiel mit Raum und Zeit, das den Filmemacher fasziniert. Den revolutionären, dialogfreien Film "Koyaanisqatsi" (1982) nennt er seinen "Erweckungsfilm" in der Zeit, als er noch auf der Filmakademie studierte. Das ist auch heute noch spürbar...

So wie die tiefe Demut des 65-Jährigen vor den Wundern und der Schönheit der Natur.

Georg Riha: "Über Österreich – Staffel II" auf ORF III:"Der Osten", 5. Juni, 20.15 Uhr"Der Westen", 5. Juni, 21.05 Uhr"Der Süden", 12. Juni, 20.15 Uhr"Der Norden", 12. Juni, 21.05 Uhr www.überösterreich.at