Leben
15.04.2012

Neues Gütesiegel für Hundetrainer

Tiercoach: Gute Erziehung ermöglicht das harmonische Zusammenleben von Zwei- und Vierbeinern. Jetzt gibt es ein Gütesiegel für qualifizierte Hundetrainer.

Laika ist eine Musterschülerin auf Kommando. Die Sibirische Jagdhündin wurde nach allen Regeln der Kunst und mit absoluter Konsequenz erzogen. Devise ihrer strengen Halterin: „Ein guter Hund muss folgen."

Ein guter Hundetrainer muss mit Verhaltensbiologie und Lernmöglichkeiten von Hunden vertraut sein, über veterinärmedizinisches Wissen verfügen sowie sattelfest im Tierschutzrecht sein. „Diese Basis ist ein Muss für die Ausbildung von Hundetrainern", sagt KURIER-Tiercoach Dagmar Schratter. Die Direktorin des Tiergarten Schönbrunn begrüßt damit die kürzlich in Kraft getretene Verordnung des Gesundheitsministeriums für das neue Gütesiegel „Tierschutzqualifizierter Hundetrainer". Nur eine erfolgreiche Hunde-Erziehung ermöglicht ein harmonisches Zusammenleben von Zwei- und Vierbeiner. Sie beginnt bereits in der Welpen(spiel)schule.

Katalog

„Einheitliche Qualitätskriterien für Hundetrainer waren längst überfällig. Jetzt ist zu hoffen, dass die vier detaillierten Seiten Gesetzestext nicht nur totes Papier bleiben, sondern tatsächlich zügig umgesetzt werden", sagt die Expertin. Die neue Verordnung sieht das freiwillige Gütesiegel für Personen vor, die sich intensiv mit hunderelevantem Wissen auseinandergesetzt haben. Das reicht von artgemäßen Erziehungsmethoden bis zum Ausdrucksverhalten von Vierbeinern wie z. B. Angst, Aggression und Stress. Es beinhaltet Rassenkunde, Zucht und Aufzucht, schließt die Mensch-Tier-Beziehung ein und betrifft darüber hinaus tierärztliche und rechtliche Grundlagen der Hundehaltung. Qualifizierte Trainer müssen außerdem mindestens zwei Jahre praktische Erfahrung nachweisen und eine Prüfung vor einer Kommission – zusammengesetzt aus drei Sachverständigen unterschiedlicher Profession – bestehen. Infolge sind sie verpflichtet, alle zwei Jahre insgesamt vierzig Fortbildungsstunden zu absolvieren.

Umsetzung

„Das ist ein sehr ehrgeiziges Ziel. Da ist noch viel im Fluss", bezweifelt Schratter die Einhaltung des angekündigten Zeitrahmens. Die Koordinierungsstelle, zuständig für die Umsetzung der neuen Regelung, soll demnächst an der veterinärmedizinischen Universität Wien eingerichtet werden. Das Gesundheitsministerium will die ersten Hundetrainer trotzdem bereits im Herbst mit dem Gütesiegel auszeichnen – auf diese Weise den „wesentlichen Qualitätsfortschritt" bei der Hundetrainerausbildung dokumentieren und den Hundehaltern „endlich Sicherheit" bei ihren zentralen Ansprechpartnern geben. Alle Hundetrainer, die das freiwillige Gütesiegel erhalten haben, werden öffentlich bekannt gemacht.

„Hundeschulen sind in den vergangenen Jahren wie Schwammerln aus dem Boden geschossen. Die Verordnung wird den Wildwuchs eindämmen", ist der KURIER-Tiercoach überzeugt: „Bis jetzt war es für Hundebesitzer sehr schwierig zu unterscheiden, welcher Trainer gut ist und welcher nicht." Fest steht: Kaum einer ist von Natur aus und ohne fachspezifische Ausbildung zur kompetenten, artgerechten Hunde-Erziehung berufen.

Kostenlose Schnupperstunden und keine harten Methoden

Welche Hundeschule ist gut? „So viele Hunde es gibt, so viele Methoden führen zum Ziel", sagt KURIER-Tiercoach Dagmar Schratter. Mit dem freiwilligen Gütesiegel für tierschutzqualifizierte Hundetrainer ist die Basis gelegt – diese Checkliste hilft trotzdem bei der Schulwahl:

Schultyp Welpen sind bis zur 14. Lebenswoche in der Sozialisierungsphase. In der Welpenschule bleiben die Kleinen unter sich. Ab 6 Monaten geht`s in die Hundeschule für Große. Dort sollen maximal sechs Paare pro Trainer lernen, sonst kommt die individuelle Betreuung zu kurz.

Lehrer „Gute Trainer verfügen über ein fundiertes Fachwissen – z. B. Lern- und Entwicklungspsychologie der Hunde, ihre Körpersprache. Der Trainer erkennt den gestressten Hund und gibt ihm Einzelunterricht." Vor Alleskönnern warnt Schratter: „Wenn ein Trainer für alles zuständig ist – von Welpen bis zu Agility –, werde ich stutzig."

Methode Hunde lernen durch Erfahrung. „Erwünschtes Verhalten wird belohnt – mit Futter, Zuwendung, Worten. Unerwünschtes Verhalten wird ignoriert", erklärt der KURIER-Tiercoach. Konsequenz ist wichtig. Harte Methoden und Würge-Leinen sind tabu.
Lernziel Kommandos wie Sitz und Fuß sollen vermittelt werden, in erster Linie geht es um die Schaffung einer soliden Basis.

Test „Die Teilnahme an einer kostenlosen Schnupperstunde und an einem Beratungsgespräch sollte möglich sein", sagt der KURIER-Tiercoach: „Dann kann man sich ruhig von der Stimmung lenken lassen. Die überträgt sich von uns auf den Hund."