Leben 23.01.2012

Neuer CEO bei BlackBerry-Hersteller RIM

© Bild: rts

Der deutsche Ingenieur Thorsten Heins ersetzt die Unternehmensgründer als Geschäftsführer des BlackBerry-Herstellers

Ein Deutscher rückt überraschend an die Spitze des Blackberry-Herstellers Research in Motion (RIM). Der bisher fürs Tagesgeschäft zuständige Thorsten Heins löst mit sofortiger Wirkung das zuletzt viel kritisierte Führungsduo Mike Lazaridis und Jim Balsillie ab, wie das Unternehmen am Sonntag am Sitz im kanadischen Waterloo mitteilte.

Damit endet eine Ära: Lazaridis und Balsillie hatten nicht nur RIM groß gemacht, sie hatten auch maßgeblichen Anteil daran, dass das Smartphone als solches populär geworden ist. Die E-Mail-Maschine Blackberry wurde zum Statussymbol der Manager weltweit. Mit dem Siegeszug von Apples` iPhone und später der Android-Smartphones sank der Stern jedoch.

Druck von Innen
Die Marktanteile schrumpfen vor allem in den USA seit längerem und damit taumelte auch der Aktienkurs. Deshalb fordern einflussreiche RIM-Aktionäre seit Monaten Konsequenzen in der Führungsetage. „Wir haben aus den Herausforderungen gelernt“, sagte Heins. Der 54-Jährige hat sein Handwerk in der früheren Kommunikationssparte von Siemens gelernt, bevor er 2007 zu RIM wechselte.

„Es gibt eine Zeit in der Entwicklung eines jeden Unternehmens, wo die Gründer die Notwendigkeit erkennen müssen, den Stab an eine neue Führung weiterzureichen“, sagte Mitgründer Lazaridis. Er zieht sich auf den Posten des stellvertretenden Verwaltungsratschefs zurück. Balsillie, der später zu RIM dazugestoßen war, wird einfaches Mitglied des Kontrollgremiums.

"Bochum ist wichtig"
Heins bekennt sich in einer ersten Stellungnahme auch zum deutschen Standort Bochum. „In Bochum steht eines unserer Entwicklungszentren. Das ist ein wichtiger Standort für uns“, sagte Thorsten Heins am späten Sonntag der Nachrichtenagentur dpa. Der frühere Siemens-Manager hatte nur wenige Stunden zuvor das Ruder bei dem kanadischen Unternehmen übernommen.

RIM hatte das Entwicklungszentrum 2008 in der Ruhrgebietsstadt eröffnet. Der Blackberry-Hersteller hatte damals zahlreiche Nokia-Ingenieure übernommen, nachdem der finnische Handykonzern sein Werk unter öffentlichem Protest nach Rumänien verlagert hatte. Nach früheren Angaben arbeiten in Bochum rund 300 Leute für RIM. Sie haben etwa das neue Blackberry Bold 9790 entwickelt, das zusätzlich zu der typischen Tastatur einen Touchscreen besitzt.

Neues Betriebssystem soll Aufschwung geben
Blackberry ist stark in Europa“, sagte Heins. „In Großbritannien sind wir beispielsweise die Nummer eins unter den Smartphones.“ Der Smartphone-Wegbereiter steht jedoch seit dem Vormarsch von Apples iPhone und der Android-Telefone unter enormem Druck. Vor allem im wichtigen US-Markt ist der Marktanteil geschrumpft. „Wir müssen unser Marketing verbessern“, räumte Heins ein. „Wir müssen mehr auf die Kunden zugehen.“

Ein tagelanger Ausfall der Blackberry-Internetdienste hatte im Oktober viele Nutzer verärgert, die vor allem nicht auf ihre E-Mails zugreifen konnten. Zudem bemängeln Kritiker, dass das Betriebssystem der Blackberrys nicht mehr auf der Höhe der Zeit sei. „In diesem Jahr bringen wir unser erstes Gerät mit dem neuen Betriebssystem Blackberry 10 heraus“, sagte Heins. „Das ist ein großer Schritt.“

Ein Deutscher in Kanada
„Es ist ein wachsender Markt“, betonte Heins. Er sieht vor allem die Entwicklung in den aufstrebenden asiatischen Ländern positiv, wo sich viele Menschen erstmals ein Smartphone leisten können. „Hier gewinnen wir Marktanteile. In manchen Ländern sind wir Marktführer.“

Heins war nach einer Karriere in der Siemens-Kommunikationssparte 2007 zu RIM gewechselt, dessen Sitz im kanadischen Waterloo in der Provinz Ontario liegt. Zuletzt leitete der 54-Jährige zusammen mit einem Kollegen das Tagesgeschäft des Blackberry-Herstellers. Er habe nie Probleme gehabt, als Deutscher akzeptiert zu werden, sagte Heins, der verheiratet ist und zwei Kinder hat. „Kanada ist ein sehr offenes Land. Ich liebe es, hier zu leben.“

Erstellt am 23.01.2012