© Franz Essl

Studie
02/02/2015

Artensterben bisher zu wenig beachtet

Die Eingriffe des Menschen in die Lebensräume von Pflanzen und Tieren nehmen ständig zu

Die Folgen des Artenverlusts sind unübersehbar: Zerstörung naturnaher Lebensräume, der rasante Rückgang vieler Arten und damit gravierende negative Auswirkungen auf Lebensqualität und -grundlagen der Menschheit. Der Rückgang wichtiger Bestäuber wie Insekten verursacht hohe Verluste in der Landwirtschaft, und der Verlust naturnaher Augebiete verstärkt gravierend die Auswirkungen von Hochwässern.

Die Eingriffe des Menschen in die Lebensräume von Pflanzen und Tieren nehmen ständig zu, was weltweit zu einem dramatischen Artensterben geführt hat. Betrachte man gleichzeitig viele Mechanismen, die zum verzögerten Aussterben führen können, zeige sich, dass der langfristige Arten- und Lebensraumverlust oft stark unterschätzt wird, berichten Forscher im Fachblatt Diversity and Distributions.

Was passiert, wenn Lebensräume stark reduziert oder räumlich abgeschnitten werden, wurde in den vergangenen 15 Jahren intensiv erforscht, erklärte der Biodiversitätsforscher Franz Essl. "Man hat beispielsweise herausgefunden, dass Jahrzehnte vergehen können, bis sich dahin gehend, wie viele Arten in dem neuen, kleineren Lebensraum existieren können, ein neues Gleichgewicht einstellt".

Lebensrauminseln

Stark reduzierte Gruppen auf kleinen "Lebensrauminseln" haben insgesamt ein höheres Aussterberisiko. So kann etwa ungünstiges Klima über einen relativ kurzen Zeitraum schon zum Verschwinden solcher stark dezimierter Arten führen. Es gebe aber noch viel mehr Phänomene wie plötzlich veränderte Landnutzung und Düngereinsatz, die dazu führen, dass Arten nach Eingriffen durch den Menschen zeitlich versetzt verschwinden.

Das Forscherteam um Essl, Wolfgang Rabitsch und Stefan Dullinger von der Universität Wien und dem Umweltbundesamt hat nun analysiert, welche Mechanismen hier eine Rolle spielen und wie diese zusammenwirken. Dabei zeigte sich, dass solche häufig schon gut verstandenen Einzelphänomene bei gemeinsamer Betrachtung zeitlich deutlich größere Folgewirkungen haben können als bisher angenommen. Nachzeichnen lasse sich das an Insekten, die Pflanzen bestäuben. Können diese Tiere ihrer Arbeit nicht nachgehen, hat das bekanntermaßen weitreichende Effekte, etwa für den Obstbau. Wildbestäuber wie Wildbienen oder Hummeln sind stark von der Landschaftsvielfalt abhängig. Werden artenreiche Blumenwiesen durch den Einfluss des Menschen immer mehr zu "Grasäckern", wie es Essl ausdrückte, dann können sie nur schwer Zeiten überbrücken, in denen Kulturpflanzen wie der Raps gerade nicht blühen.

Rückwirkungen

Schon alleine die durch den Einsatz von Düngemitteln verursachte Veränderung von vormaligen Blumenwiesen zur Rasenfläche brauche mehrere Jahre. "Das hat dann Rückwirkungen auf die Bestäuber, die durch die Düngung direkt nicht wirklich beeinflusst werden. Durch das verringerte Nahrungsangebot verschwinden sie dann aber zunehmend, und das hat dann wiederum Effekte auf die Bestäubung von Kulturflächen, die in der Nähe sind", erklärt Essl die Zusammenhänge in ihrer zeitlichen Folge.

Dass die Artenvielfalt zurückgeht, ist wissenschaftlich gut belegt. Es sei aber zusätzlich wichtig zu betonen, dass das Zusammenwirken mehrerer Faktoren über lange Zeiträume hinweg diese Entwicklungen zusätzlich verlängert und auch verstärkt. Politische Initiativen zur Reduktion des Verlusts an Artenvielfalt müssten daher verstärkt und besser umgesetzt werden. "Um vor allem die langfristigen Folgen abzufedern, sind die bisherigen Anstrengungen nicht ausreichend. Das zeigen auch andere Studien", resümiert Essl.

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