Trump mit Japans Premierminister Shinzo Abe

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Leben
02/15/2017

Das kleine Einmaleins des richtigen Handschlags

Die halbe Welt lacht über Donald Trumps bizarres Begrüßungsritual. Wie man Hände richtig schüttelt.

Die Erleichterung war Shinzō Abe ins Gesicht geschrieben. Nach langen 19 Sekunden hatte US-Präsident Trump die Hand des japanischen Premierministers endlich in die Freiheit entlassen – dazwischen wurde sie gezogen, getätschelt und fest gedrückt. Das Video des seltsamen Händeschüttelns vor Journalisten im Oval Office ging um die Welt. Unter dem Hashtag #trumphandshake machten sich zahlreiche Internet-Nutzer über die nicht vorhandene Handschlagqualität Trumps lustig ("Wie kann ein Mann, der angebliche viele große Deals verhandelt hat, nicht wissen, wie man Hände schüttelt?").

Zumal Trump nicht zum ersten Mal auf diese Weise zum Fremdschämen animierte. Ob bei Vize Mike Pence, Außenminister Rex Tillerson oder Parteikollege Mitt Romney – das skurrile Begrüßungsritual läuft immer gleich ab: Der Präsident reißt den Arm des Gegenübers an sich, schüttelt ihn willkürlich hin und her und tätschelt mehrmals die Handoberfläche, wie es sonst nur Großmütter bei ihren Enkeln tun. Und all das lang. Sehr lang.

Überlegenheit

Das tollpatschige Verhalten mag daran liegen, dass Trump kein Freund des Handshakes ist (gegenüber der Washington Post bezeichnete er es als einen "Fluch der amerikanischen Gesellschaft" – Shinzō Abe wird ihm nach seinem Staatsbesuch im Westen wohl beipflichten).

Vermutlich handelt es sich aber um eine bewusste Machtdemonstration, meint Kathrin Pirker-Ihl, Leiterin des Portals www.knigge2day.at. "Trump hat einen sehr dominanten Handschlag. Oft legt er seine Hand nach oben, um die sprichwörtliche Oberhand zu gewinnen. Das ist quasi so, als würde er sein Gegenüber auf den Rücken werfen." Auch das Heranziehen der fremden Hand soll Überlegenheit symbolisieren. "Wer keinen festen Stand hat, wirkt automatisch schwächer."

Und das Tätscheln? "Ebenfalls eine Geste, die die eigene Überlegenheit ausdrücken soll bzw. dem Gegenüber Kompetenz abspricht. Frei nach dem Motto ‚Sie liebes, naives Ding‘." Besonders herablassend wirke das gegenüber Frauen – die britische Premierministerin Theresa May hat Trump bei einem Rundgang durch das Weiße Haus ja sogar kurz an die Hand genommen.

Blickkontakt

Wie also sollte Mr. Trump seinen nächsten Gast – heute kommt Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu – idealerweise empfangen? Kathrin Pirker-Ihl gibt Tipps für einen einwandfreien Handschlag: "Halten Sie den rechten Oberarm locker im 90-Grad-Winkel zu Körper und Unterarm. Wenn das beide machen, ergibt sich automatisch eine Distanz von ca. einem Meter, die im westlichen Kulturkreis üblich ist. Beim Handschlag drücken Sie kurz die Hand Ihres Gegenübers. Achten Sie darauf, dass der Druck weder zu fest noch zu locker ist." Der "tote Fisch", wie die Expertin sagt, könnte in bester Anti-Trump-Manier auf eine schwache Persönlichkeit hindeuten.

Wichtiger Bestandteil einer gelungenen Begrüßung: Augenkontakt. Das gilt insbesondere für das politische Milieu – als Putin und Obama 2013 beim Handshake aneinander vorbei blickten, deuteten das viele als Beweis für das belastete Staatenverhältnis.

Wie sich die Beziehungen zwischen Japan und den USA entwickeln, wird sich zeigen. Nach dem geschichtsträchtigen Handschlag stellte Trump seinem Gast jedenfalls ein gutes verbales Zeugnis aus: "Strong Hands!"