Schwarzes Unikat: Der Diamant „Enigma“ soll schätzungsweise 7 Mio. US-Dollar einbringen.

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02/01/2022

Hochkarätiger Diamant aus dem All kommt unter den Hammer

Den 555-Karäter, der bei Sotheby's versteigert wird, macht seine Größe und seine Abstammung zu etwas Besonderem.

von Maria Zelenko

Schon der Name soll Bieter und Bieterinnen neugierig machen: 555,55 Karat wiegt der beworbene schwarze Diamant, der mit 55 Facetten versehen wurde. Er heißt Enigma. Diese Eckdaten machen den Stein nicht nur zum weltweit größten so genannten Fancy-Colour-Naturdiamanten, sondern auch zum größten geschliffenen seiner Art.

Im Zuge einer mehrtägigen Auktion will Sotheby’s ab 3. Februar ein neues Zuhause für die Rarität finden. Es wird erwartet, dass der Edelstein um bis zu sieben Millionen US-Dollar über den virtuellen Ladentisch gehen könnte.

Um einen Preis wie diesen zu erzielen, bewirbt das Auktionshaus sein hochkarätiges Unikat vor allem mit einem Detail: Der Carbonado, wie schwarze Diamanten wie dieser in der Fachsprache genannt werden, soll nicht wie seine Verwandten tief unter der Erde bei extrem hohen Temperaturen entstanden sein – sondern aus dem All stammen.

Cleveres Marketing

Aufgrund ihrer außergewöhnlichen Materialeigenschaften wurde schon lange vermutet, dass Carbonados ihren Ursprung im Weltall haben. US-Geologe Joszef Garai konnte im Jahr 2007 erstmals deren charakteristisches Infrarot-Spektrum bestimmen und unter anderem mit jenem von Diamanten in Meteoriten vergleichen. Garai und sein Team konnten feststellen, dass sich dieses auffallend ähnelt.

Auch bei Sotheby’s geht man davon aus, dass der Enigma im interstellaren Raum entstanden ist und in Form eines diamanthaltigen Meteoriten vor unzähligen Jahren seinen Weg auf die Erde gefunden hat. Vor allem das Vorkommen von Osbornit, ein typisches Meteoritenmineral, deute darauf hin.

Manche Experten zweifeln den Ursprung dennoch an. „Natürlich ist es möglich“, sagt auch der Wiener Juwelier Christoph Köchert. „Jedoch könnte er genauso gut anders entstanden sein. Es ist in jedem Fall gutes Marketing.“

Dezente Alternative

Im Schmuckhandel galten schwarze Diamanten, die durch eine Vielzahl von Grafit-Einschlüssen ihre Farbe erhalten, über lange Zeit als minderwertige Ware. In den vergangenen Jahren habe sich der schwarze Edelstein jedoch gemausert, weiß Köchert: „Das Faszinierende an ihm ist, dass er zwar nicht das Feuer eines weißen Diamanten hat, jedoch manchmal über einen intensiven harten Glanz verfügt. Ein Collier aus solchen Steinen beispielsweise kann etwas ganz Besonderes sein.“ Zwar seien die schwarzen Edelsteine in seiner Filiale noch ein Nischenthema, allerdings bemerkt der Juwelier ein steigendes Interesse an anders getönten Diamanten. Weiße mögen nach wie vor als Nonplusultra gelten, jedoch werde die Kundschaft zunehmend freier im Umgang mit farbigen Steinen. „Gekauft wird, was gefällt“, sagt Köchert. „Und das kann zum Beispiel auch ein Schmuckstück mit braunen Diamanten sein. So etwas verkaufen wir sehr oft.“

Neben dem Preis (Braune sind deutlich günstiger als Weiße) sieht der Experte noch einen weiteren Vorteil in Farben wie dieser: „Wir bieten auch größere Altschliff-Diamanten an, die typischerweise häufig eine Tönung aufweisen. Durch diese wirken selbst größere Steine dezenter, weniger laut.“

Bei Enigma kann davon nicht die Rede sein. Ob aus dem mysteriösen Carbonado nach dem Verkauf jemals ein Schmuckstück wird? „Vielleicht lässt sich ein berühmter Rapper daraus eine schwere Kette machen“, mutmaßt Christoph Köchert mit einem Augenzwinkern. „Aber wahrscheinlich wird er auf einem Podest daheim präsentiert werden. Eine gute Geschichte wird der neue Besitzer seinen Gästen auf jeden Fall zu erzählen haben.“

Enigma
Dass sich die Zahl 5 durchzieht, ist kein Zufall. Die Form mit 55 Facetten ist vom nahöstlichen Symbol „Hand der Fatima“ inspiriert. Diese soll als Schutz vor dem bösen Blick dienen.

Berühmte Funde
Carbonados wie der Enigma wurden vor allem in Brasilien und Zentralafrika gefunden. Einige der berühmtesten Diamanten der Welt sind schwarze Diamanten: Der Black Orlov wiegt 67,5 Karat und soll einst von einer Hindu-Statue gestohlen worden sein. Seitdem soll ein Fluch auf ihm liegen.

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