Leben
16.05.2017

Trumps Anwalt teilt Foto von Tochter in Unterwäsche

Michael Cohen, Anwalt von US-Präsident Trump, postete am Montag ein Foto seiner Tochter auf Twitter. Darauf ist die junge Frau in Unterwäsche zu sehen. Die Community reagierte verstört.

Ein Schwarz-Weiß-Foto einer jungen Frau in Reizwäsche sorgt derzeit im Internet für Aufsehen. Der Grund: Das Foto wurde von Michael Cohen, er vertritt und berät Donald Trump als sein Anwalt, geteilt. Darauf zu sehen ist seine 21-jährige Tochter, Samantha Blake Cohen.

"Ich bin so stolz"

"Ich bin so stolz auf meine Ivy-League-Tochter – sie vereint Intelligenz und Schönheit, während sie ihre innere Edie Sedgwick (amerikanisches Fotomodell und Schauspielerin der 1960er Jahre, Anm. d. Redaktion) nach außen kehrt", schrieb Cohen dazu. Der Tweet enthielt auch einen Link zum Instagram-Account der jungen Frau. Das berichten unter anderem die Washington Post, der Independent und die BBC.

Bei dem Bild handelt es sich offenbar um eine Nachstellung eines alten Bildnisses von Edie Sedgwick, die Mitte der 1960er Jahre als trendsetzendes Mannequin für die amerikanische Vogue arbeitete und ungefähr ein Jahr lang Muse und Begleiterin von Künstler Andy Warhol war.

Die Reaktionen auf Twitter ließen nicht lange auf sich warten. Laut Washington Post fanden sich binnen weniger als vier Stunden 1.200 Kommentare unter dem Beitrag. Am Montag waren über 2.000 darunter zu finden. Die Mehrheit der Nutzer zeigt sich kritisch und verstört von Cohens Posting.

Eine Userin unterstellte dem Juristen, pornografisches Material seiner Tochter, die der BBC zufolge an der University of Pennsylvania studiert, zu verbreiten. Cohen ließ das nicht auf sich sitzen und antwortete schelmisch: "Neidisch?".

"Die meisten Väter posten keine Unterwäsche-Fotos ihrer Töchter"

Zahllose User beschrieben das Bild als "unheimlich". "Die meisten Väter posten keine Unterwäsche-Fotos ihrer Töchter", kommentierte ein Nutzer. "Schönheit und Intelligenz du Ar*******! Es ist ein Model-Foto, auf dem ein altes Edie Sedgwick-Bild nachgestellt wird", konterte Cohen.

Rückendeckung von Tochter

Rückendeckung bekam er von seiner Tochter, die seine Antwort-Tweets teilte. Der Daily Mail sagte sie: "Mein Vater, der mich in meinen Bemühungen immer unterstützt hat, hat nur seinen Stolz zum Ausdruck gebracht. Nichts an dem Bild ist unpassend und alle, die versuchen es zu etwas zu machen, was es nicht ist, sind einfach Trump-Hasser, die es als Chance sehen, ein Drama zu veranstalten." Sie selbst finde es "scheinheilig", dass liberal denkende Menschen das Bild einer Frau, die ihren Körper annimmt, derart kritisieren. Das Bild sei in keinster Weise sexualisiert, sondern "geschmackvoll und züchtig".

Für viele Menschen ist Cohens Posting vor allem im Kontext seiner beruflichen Tätigkeiten und Verbindung zu Donald Trump fraglich. Cohen verteidigte Trump, als ihm während des vergangenen US-Wahlkampfes sexuelle Belästigung und Übergriffe vorgeworfen wurden.

"So sieht eine echte Rebellin aus"

Shannon Coulter teilte schließlich in einem Antwort-Postings auf Cohens Ursprungs-Tweet das Originalfoto, das Model Sedgwick mit Zigarette in der Hand auf dem Rücken eines Mannes sitzend zeigt. "So sieht eine echte Rebellin aus, Michael", schrieb sie dazu. Coulter ist eine US-amerikanische Aktivistin, die unter anderem durch ihre Initiative #GrabYourWallet bekannt wurde. Mit der Kampagne rief sie zum Boykott aller Unternehmen auf, die mit Präsident Trump in Verbindung stehen, darunter Uber, New Balance und Ivanka Trumps Modekonzern.

In weiteren Tweets unterstreicht sie die Unterschiede zwischen den beiden Aufnahmen. So stehe das Originalfoto symbolisch für Sedgwicks Bemühungen für eine selbstbestimmte weibliche Sexualität und den sozialen Aufstieg der Frau. Sedgwick hätte Trump und alle seine Anhänger "gehasst" – "lasst ihren Namen da raus."

Bevor Cohen, der zusammen mit seiner Ehefrau in New York wohnt, von Präsident Trump zu seinem persönlichen Anwalt ernannt wurde, hatte er lange für die Trump Organization gearbeitet. Von Medien wurde er in diesem Zusammenhang oft als Trumps "Pitbull" bezeichnet. Im Jänner sagte er über seine neue Position: "Ich bin kein offizieller Regierungsvertreter. Ich werde nicht von der Regierung bezahlt." Er werde lediglich weiterhin für Donald Trump in seiner Funktion als Anwalt tätig sein.