© Zoe Oprátko

Leben
02/02/2019

Männliche Cheerleader: Mit Pompons gegen das Klischee

Beim Super Bowl feuern erstmals auch Männer die Sportler an – in Wien gibt es sogar ein eigenes Cheerleading-Team.

von Julia Pfligl

Amerika ist aus dem Häuschen: Als wäre die jährliche Spannung vor dem Endspiel der National Football League (NFL) am Sonntag nicht nervenaufreibend genug, kündigt sich nun auch noch eine Revolution am Spielfeldrand an. Erstmals in der Geschichte des nicht gerade als fortschrittlich bekannten Super Bowl werden zwei männliche Cheerleader ihr Team anfeuern (siehe unten). Bis auf einige konservative Kommentatoren, die ob der Premiere den Untergang der Männlichkeit herbeischreiben, löste die Meldung on- und offline Begeisterung aus – im Fahrwasser von #MeToo kommt der Bruch mit Genderklischees gerade recht.

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Indirekt profitiert von der Aufregung auch eine kleine Gruppe junger Männer in Wien. „Das Interesse ist gerade sehr groß“, schmunzelt Romed Felderer, 33, im KURIER-Gespräch. Der Steirer ist Mitglied der „Fearleaders Vienna“, Österreichs einzigem männlichen Cheerleading-Team. Mit heißen Höschen und bunten Pompons feuern sie das weibliche Roller-Derby-Team an und stellen dabei Rollenbilder auf den Kopf. „Wir haben ein komplexes Thema positiv besetzt. Unser Zugang ist lustig und hinterfragt trotzdem, was Männlichkeit ist“, sagt Felderer. Denn die, das machen die Fearleader klar, „ist nicht in Stein gemeißelt“.

Mannsein hinterfragen

2011 fand sich das Team der Vienna Rollergirls (eine Vollkontaktsportart auf Rollschuhen) zusammen, ein Jahr später gründeten sieben sportbegeisterte Kumpels die Fearleaders. Ihre Mission: humorvoll ein Zeichen gegen Männerdominanz, Sexismus und Homophobie setzen. Da geht es nicht um eigene Betroffenheit, sondern um gesellschaftliche Strukturen, erklärt der Sozialarbeiter: „Wir Männer haben viele Privilegien, werden selten diskriminiert. Das müssen wir thematisieren.“ So entstand auch der Name, der auf den ersten Blick nicht zum Jubel-Sport passt. „Wir wollten unsere eigenen Ängste überwinden und unser Verhalten als Mann hinterfragen.“

Zum Klischeebruch gehört das richtige Outfit. Die Auswahl war ein Aha-Erlebnis: „Wenn ich Sport mache, habe ich etwas Weites an, Frauensportmode ist hingegen immer eng.“ Ihre türkisen Höschen und orangenen T-Shirts ordern die 29 Fearleader grundsätzlich eine Nummer kleiner.

Hasskommentare

Heute reißen sich die Fans um Tickets für die Spiele der Rollergirls. Die Halbzeitshows der Fearleader – ein Mix aus Akrobatik, Tanz und humoristischen Elementen – sind Kult. „Es ist ein bisschen traurig, dass wir mehr Aufmerksamkeit bekommen als die Sportlerinnen“, sagt Felderer.

Kritik erleben die Fearleaders wenn, dann nur im Internet. Als in US-Medien Berichte über das Männerteam erschienen, ließen die ersten „Todeswünsche“ in den Foren nicht lange auf sich warten. Fast alle Hassposter sind Männer. Warum? „Ich glaube, da spielt eine Verunsicherung mit, dass das eigene Männerbild nicht mehr zeitgemäß ist“, sagt Felderer. Die allermeisten Reaktionen fallen aber „sehr positiv“ aus. „Ich sehe es an den Gesichtern, an der Stimmung, dass wir wirklich Freude bereiten. Das ist ein irrsinnig schönes Gefühl.“

Entwicklung: Auch George W. Bush war einst ein Cheerleader

Cheerleading, das sind strahlende, langhaarige Schönheiten am Spielfeldrand – kaum vorstellbar, dass  es sich  beim organisierten Anfeuern von Sportmannschaften ursprünglich um eine Männerdomäne handelte. 1889 wurden beim Football-Endspiel der University of Minnesota  erstmals Jubler aus dem Publikum eingesetzt, in den 1920ern wurden an derselben Universität auch Frauen zugelassen. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen immer mehr College-Mädchen das Bejubeln, damals noch züchtig in langen Röcken und Sweatshirts.
 Der wohl prominenteste Cheerleader der Geschichte ist George W. Bush: Der spätere Präsident der Vereinigten Staaten  heizte in seinem letzten Jahr an der High School und später an der Universität Yale in den 1960er-Jahren der  Menge ein. Auch seine Amtskollegen Ronald Reagan, Dwight D. Eisenhower und Franklin D. Roosevelt sorgten hinter der Seitenlinie für Stimmung bei Schulsportveranstaltungen.
Beim 53. Super Bowl kommen für das Team der Los Angeles Rams nun erstmals männliche Cheerleader zum Einsatz. Quinton Peron und Napoleon Jinnies, beide ausgebildete Tänzer, mussten sich genauso wie ihre weiblichen Kolleginnen in einem harten Auswahlverfahren durchsetzen. Peron kann sein Glück noch gar nicht fassen: „Es ist wie ein Märchen.“ 

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