© APA/EPA/TOBIAS HASE

Rainbow Loom Bands
08/25/2014

Mit 100 Knoten durch den Sommer

Die bunten Gummibänder zieren aktuell viele Handgelenke. Doch die Kritik wird lauter.

von Julia Pfligl

Jedem Sommer sein Armband-Trend: Früher wurden Freundschaftsbänder aus bunten Fäden geknüpft – Stichwort Wolfgang Petry –, heuer sind Gummiringerln in Neonfarben an der Reihe. Verknotet man diese richtig, entstehen sogenannte Rainbow Loom Bänder. Der farbenfrohe Armschmuck ist der begehrteste Trend des Sommers – und das, obwohl die Bänder zuerst nur als Spielzeug für Kinder gedacht waren.

In den USA gibt es die geknüpften Gummibänder bereits seit 2011. Sie entstanden zufällig: Cheong Choon Ng, ein Sicherheitsingenieur aus Detroit im US-Bundesstaat Michigan, hatte für seine Töchter einen Webrahmen gebaut, über den sich die einzelnen Gummis spannen und dann zu Armbändern verknüpfen lassen. Etwas später brachte er seine Erfindung auf den amerikanischen Markt.

Erfolg durch Internet

Zuerst hatte er kein Glück, die Leute wussten nicht, wie sie die Bänder knüpfen sollten. Erst, als der Familienvater Video-Anleitungen auf YouTube stellte, kam der Erfolg ins Rollen. Bis heute soll der 46-Jährige mit den Loom Bändern 80 Millionen Dollar (60 Mio. Euro) verdient haben. Drei Jahre nach ihrer Erfindung zählen die Bänder zu den zehn erfolgreichsten Spielzeugwaren aller Zeiten. Auf der aktuellen Spielzeug-Bestsellerliste von Amazon findet man auf den ersten 20 Plätzen nichts anderes als Gummi-Knüpf-Sets.

Prominente Fans

Wie aber wird aus einem Kinderspielzeug ein begehrtes Modeaccessoire? Indem es sich Prominente um die viel fotografierten Handgelenke binden. Den Anfang machten William und Kate, die auf offiziellen Terminen in Neuseeland mit bunten Gummibändern behängt der Menge zuwinkten. Sogar Stiefmutter Camilla, sonst nicht gerade als Trendsetterin bekannt, zeigte sich mit dem farbenfrohen Modeschmuck. David Beckham wurde Anfang des Sommers in Wimbledon mit Loom Bändern fotografiert – vermutlich die Kreationen seines Nachwuchses. Und Papst Franziskus trägt sie, seit er sie von Kindern geschenkt bekam. Es ist wohl das erste Mal, dass ein Papst einen Modetrend mitmacht.

Diese Stars tragen Rainbow Loom Bands

Pope Francis

09681423_ppsvie.jpg

09635780_ppsvie.jpg

Kate, Duchess of Cambridge

Catherine, Duchess of Cambridge, and Prince Willia

Camilla

Auch das Internet trug einiges zum "Loom Boom" bei. Auf YouTube findet man unter dem Stichwort "Rainbow Loom" etwa 1,3 Millionen Ergebnisse – meist Videos mit Anleitungen zum Selberknüpfen. Auf Pinterest überschlagen sich Fingerfertige mit ihren kleinen Kunstwerken – längst werden nicht mehr nur Armbänder hergestellt, sondern auch Anhänger, Tierchen, Fußkettchen oder Handyhüllen.

Gefahr für Kinder

Doch mit dem Erfolg wuchs auch die Kritik. In England erlitt ein Bub schwere Augenverletzungen, nachdem ihm sein Bruder einen Gummi ins Gesicht geschnalzt hatte. Ein anderes Kind schnürte sein Armband zu eng und wachte mit blauen Fingern auf.

Die Kritik ist berechtigt, meint Peter Voitl, Kinderarzt in Wien. "Es besteht die Gefahr, dass Kinder einander die Gummis in sensible Bereiche wie die Augen oder den Genitalbereich schnalzen. Außerdem sind die Bänder leicht zu verschlucken, was zu Atemnot führen kann."

Auch Umweltschützer können dem Trend wenig abgewinnen: Die Bänder bestehen großteils aus Silikon und sind nicht recyclebar. In absehbarer Zeit, warnen Experten, werden nämlich unzählige Loom Bands im Müll landen. Schließlich ist noch jeder Hype zu Ende gegangen.

Knüpfen ist in – auch ohne Gummi

"Loom Bands für Umweltfreundliche" könnte man sie nennen, die Paracords. Die geknüpften Armbänder bestehen aus Parachute Cords, also Fallschirmleinen, und sind ein weiteres Beispiel für den aktuellen Knüpf-Trend.

Der "Ober-Knüpfer" ist J.D. Lenzen, ein US-amerikanischer Künstler und Autor. Er beschäftigt sich mit allen Arten von Knoten. Mehr als 250.000 Personen haben seinen YouTube-Kanal "Tying It All Together" abonniert. In etwa 300 kurzen Videos gibt Lenzen regelmäßig Anleitungen zum richtigen Knüpfen und Ideen für Hobbybastler.

Aufgrund des Erfolgs hat Lenzen jetzt auch ein Buch über Paracords geschrieben. In "Paracord-Basics – Schleifen, Schlaufen, Knoten und Stränge" (ab 12. September erhältlich) werden alle Techniken Schritt für Schritt erklärt. Mit vielen unterschiedlichen Knoten und Schlaufen lassen sich nicht nur Armbänder, sondern auch kleine Bälle oder Schlüsselanhänger basteln. Im Gegensatz zu den Loom Bands knüpfen mit Paracords auch viele Erwachsene. "Knoten", so Lenzen auf seiner Homepage, "sind wie Gemälde – Windungen und die Webart ersetzen die Farben und die Länge der Schnur ersetzt die Leinwand."

Info: fusionknots.com und YouTube/TyingItAllTogether

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.