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Tiercoach
02/14/2013

Mehr als ein Wehwehchen

Immer öfter erkranken Haustiere an einem bösartigen Tumor. Dank verbesserter Behandlungsmöglichkeiten kann vielen geholfen werden.

von Hedwig Derka

Ein Hundeleben kann manchmal schmerzvoll, eines von sieben Katzenleben schnell abgelaufen sein. Wenn Vierbeiner an einem bösartigen Tumor erkranken, leiden nicht nur die Patienten. Auch deren Besitzer tragen schwer.
„Die Diagnose Krebs trifft immer mehr Haustiere in Österreich“, sagt KURIER-Tiercoach Dagmar Schratter. Die Direktorin des Tiergarten Schönbrunn weiß aber auch, dass die Fortschritte in Diagnostik und Therapie vielen Vierbeinern helfen. Zoodoc Folko Balfanz aus der Tierärztlichen Ordination Tiergarten Schönbrunn erklärt die Ursachen für die Zunahme der Krebserkrankungen und die Möglichkeiten der Behandlung.

Alter

Haustiere haben hierzulande eine hohe Lebenserwartung. Hunde werden bis zu sechzehn Jahre, Katzen mehr als zwanzig. Vierbeiner sind damit lange Belastungen durch die Umwelt ausgesetzt. Abgase aus dem Straßenverkehr, Raucher-Haushalt, Medikamente als Dauertherapie, Verletzungen mit Spätfolgen und andere karzinogene Faktoren können die Gesundheit beeinträchtigen. Das Alter bringt zudem nicht nur Wehwehchen und Abnützungserscheinungen mit sich, sondern auch ernsthafte Leiden. „Erhebungen der vergangenen zehn Jahre zeigen, dass Tumore vermehrt vorkommen. Hunde sind öfter betroffen als Katzen“, sagt der Tierarzt mit Spezialausbildung Onkologie.
Wächst dem Hund ein Tippel, ändert die Katze ihr Verhalten, zeigt der Vierbeiner Unwohlsein oder nimmt an Umfang zu, ist ein Besuch beim Veterinärmediziner unumgänglich. Dieser nimmt Blut ab, untersucht den Bauch mit Ultraschall und den Brustkorb per Röntgen. Durch Punktion der auffälligen Körperstelle kontrolliert er Zellvermehrung und Zellart im Gewebe. Wenn notwendig, folgen Computertomografie und Magnetresonanztomografie. „Dieses sogenannte Staging klärt die Art, Größe und Beschaffenheit des Tumors, ob die Lymphknoten befallen sind und ob es Metastasen gibt“, erklärt der Experte aus dem Tiercoach-Team.
Der erhobene Status Quo ist Basis für weitere Überlegungen: Welche Therapie ist sinnvoll? Gibt es eine Chance auf Heilung? Wie viel wertvolle Lebenszeit kann gewonnen werden? Bleibt als einzige Erlösung vom Leid das Einschläfern? „Der Tierarzt muss Haustier-Haltern beratend zur Seite stehen und sagen, wie weit sie gehen können und sollen“, sagt Balfanz. Schmerzfreiheit des Patienten ist oberstes Gebot, gute Lebensqualität Voraussetzung für therapeutische Maßnahmen. Vierbeiner leben im Hier und Jetzt, die Aussicht auf künftige Verbesserung kann sie nicht trösten.
„Vieles aus der Humanmedizin ist in die Tiermedizin übertragen“, sagt der Zoodoc. So gibt es für krebskranke Vierbeiner drei Therapieansätze. Die Kosten dafür richten sich nach dem Versorgungsaufwand:
Chirurgie: Das Geschwür wird operativ entfernt.
Chemotherapie: Immunsuppressiva zerstören den Krebs, Tabletten oder Infusionen verhindern, dass sich die bösartigen Zellen ausbreiten. Der Chemie-Mix ist auf den Patienten abgestimmt, ebenso die Anzahl der Verabreichungen. Medikamente mildern Nebenwirkungen.
Strahlentherapie: Radiologische Bestrahlung greift die Krebszellen an und bremst das Wachstum des Tumors. Vierbeiner vertragen die Behandlung deutlich besser als Menschen.
„Es kommt auf den Tumor an, ob man gleich schneidet und dann eine Chemotherapie einleitet, oder ob man zuerst bestrahlt, dann operiert und dann eine Chemo macht“, erklärt der Experte aus dem KURIER-Tiercoach-Team. Insgesamt überstehen Hunde und Katzen den Kampf gegen den Krebs verhältnismäßig gut. Selbst die Amputation einer Extremität bringt sie nur kurz aus dem Gleichgewicht. Balfanz: „Wir haben Videos, die zeigen, wie gut Dreibeiner zurechtkommen. Das hilft auch den Haustier-Besitzern, sich seelisch auf den Eingriff vorzubereiten.“

Zahlen: 45 % der Hunde weltweit und 30 % der Katzen sterben an Krebs. In Österreich werden jährlich 5000 Tumorerkrankungen diagnostiziert.

Arten: Haustiere erkranken häufig an Knochen- und Hautkrebs sowie an Tumoren in Maul- und Nasenhöhle und im Gehirn. Oft betroffen sind auch Binde- und Nervengewebe.

Behandlung: Zwölf Kompetenzzentren im Veterinäronkologischen Netzwerk Austria, VONA, sind auf die Behandlung von Krebs spezialisiert. Telefonnummer: 07242 / 490-666.