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Tiercoach
08/30/2013

Von wegen Samtpfote

Kralleneinsatz. Alle Katzen kratzen – aus verschiedenen Gründen. Ein Kratzbaum schützt Möbel, Klebeband dämmt Duftnachrichten ein

von Hedwig Derka

Katzen sind grazile Wesen. Setzen sie anmutig Fuß vor Fuß, werden sie der schmeichelnden Bezeichnung Samtpfote gerecht. Doch die Vierbeiner können auch anders. Unter den weichen Ballen stecken scharfe, spitze Krallen – Waffen, die Katzen zur Verteidigung und bei der Jagd einsetzen sowie als Kommunikationsmittel beim Revierabstecken und als Helfer bei Kletter- und Entspannungsübungen.
Krallen erfüllen wichtige Funktionen. Das Werkzeug zu schärfen, ist ein natürliches Verhalten“, sagt KURIER-Tiercoach Dagmar Schratter. Die Direktorin des Tiergarten Schönbrunn erklärt, warum Katzen kratzen, und wie Haustierhalter verhindern, dass das genau an ihrem liebsten Möbel passiert.

Botschaften

So wie Fingernägel wachsen auch Krallen stetig nach. Die äußerste Schutzschicht über den Krallen ist Haut, die sich laufend erneuert, die toten Zellen müssen weg. Durch Kratzen werden sie abgewetzt. Im Einsatz nützen sich die Werkzeuge der Katzen ab, die Spitzen werden stumpf, durch das Kratzen gewinnen sie an Schärfe. Durchstrecken hält die Rückenmuskeln der Vierbeiner geschmeidig, es hilft den Tieren beim Stressabbau. Die Kombination Dehnen und Krallen-Ausfahren wirkt besonders entspannend. Nicht zuletzt kratzen Katzen, um Duftnachrichten zu übermitteln. Zwischen den Zehenballen sitzen Drüsen, die Pheromone abgeben. Da diese keine große Reichweite haben und sich schnell verflüchtigen, hinterlassen die Vierbeiner viele Kratzspuren. „Wenn Katzen kratzen, ist das in erster Linie ein Revierverhalten – so wie Hunde markieren“, sagt Schratter. Artgenossen nehmen die Botenstoffe wahr. Die Nachrichten müssen immer wieder erneuert werden. An derselben Stelle.
„Es gibt individuelle Ausprägungen, aber alle Katzen tun es. Man kann den Vierbeinern das Kratzen nicht abgewöhnen, aber man kann es umleiten“, sagt der KURIER-Tiercoach. Damit die Haustiere die Einrichtung verschonen, brauchen sie alternative Angebote: An einem Kratzbaum vom Designer oder aus dem Wald können Wohnungskatzen wie Freigänger ihre Krallen putzen und schärfen. Junge Tiere gewöhnen sich rasch daran. Wichtig ist der richtige Standort. Der Kratzbaum findet im belebten Wohnbereich viel eher Beachtung als im Vorzimmer, Vierbeiner suchen die Gesellschaft des Zweibeiners. „Der Katzenbaum muss so hoch sein, wie das Tier lang ist – und zwar ausgestreckt auf Zehenspitzen“, sagt die Expertin. Andernfalls misslingt die Dehnübung am Baum. Und Vorhang oder Tapete werden interessant. Es gibt auch Kratzbretter für den Boden, sie schonen Teppich und Parkett. Stoffbezüge sollen aus hygienischen Gründen abziehbar und waschbar sein.

Düfte

Hat sich die Katze bereits ein Möbelstück für die Pfotenarbeit ausgesucht, können Haustierhalter den Kratzbaum an diese Stelle schieben, den betroffenen Teil abdecken und die Pheromon-Kratzer mit einem Klebeband abkleben. „Man kann auch mit Duftstoffen arbeiten“, sagt der KURIER-Tiercoach. Die Vierbeiner mögen kein Zitronen-Aroma, das hält sie von Angriffen ab. Sie lieben Baldrian, Tropfen machen den neuen Kratzbaum attraktiv. Auch Spielzeug auf dem Katzenbaum verlockt die Vierbeiner, die tiergerechte Einrichtung genauer zu erkunden.
Nützen Wohnungskatzen ihre Krallen nicht selbstständig ab, kann der Tierarzt nachhelfen. „Der Fachmann verletzt beim Kürzen sicher keine Blutgefäße“, sagt Schratter. Für Freigänger sind scharfe Krallen überlebenswichtig. Sie müssen flugs auf den Baum flüchten und sich im Kampf verteidigen können.
„Alle Katzen schärfen ihre Krallen durch Kratzen. Auch Wildkatzen“, sagt die Zoo-Direktorin und gibt noch einen Tipp für daheim: „Katzenhalter müssen sich in Toleranz üben. Es wird sich nicht vermeiden lassen, Spuren von Katzen im Haus zu haben, wenn man Katzen hält.“

Krallen: Katzen verfügen an den Vorderpfoten über je fünf
Zehen, an den Hinterpfoten über je vier. Die scharfen, spitzen Krallen sind sichelförmige Verlängerungen der Zehenglieder, bestehen aus sehr hartem Eiweiß (Keratin) und werden in Ruhestellung durch elastische Sehnen in der häutigen Krallenscheide gehalten. Das schützt sie vor unnötiger Abnützung. Bei Muskelkontraktion fahren die Krallen aus. Im Inneren der Krallen befindet sich das Krallenbein. Das rosafarbene Mark enthält Nerven und Blutgefäße. Es darf beim Kürzen keinesfalls verletzt werden.

Welpen: Junge Katzen können ihre Krallen erst nach ein paar Lebenswochen einziehen. Trotzdem ist es sinnvoll, Katzenbabys einen Kratzbaum anzubieten. Je früher das natürliche Kratz-Verhalten umgelenkt wird, desto eher führt es zu Erfolg.

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