10 Fakten zur weiblichen Lust

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Foto: Piotr Marcinski - Fotolia/ B-D-S/Fotolia .

In ihrem neuen Buch "Komm wie du willst" erzählt eine junge Sexualforscherin, wie Frauen ihre Sexualität verändern können.

Emily Nagoski schreibt nicht nur den Blog "The Dirty Normal", als Sexualforscherin (sie war u.a. am Kinsey Institute tätig) hat sie nun den aktuellen Wissensstand zur weiblichen Sexualität im Buch "Komm wie du willst" (Verlag Droemer Knaur) zusammengefasst. Zehn Dinge, die Frauen wissen sollten, um besseren Sex zu haben:

1. Von wegen perfekt! Die Genitalien jedes Menschen sind aus den gleichen Teilen gemacht, aber auf unterschiedliche Weise zusammengesetzt. In Pornos wird uns das "Einheits"-Genital vorgegaukelt. Digital veränderte Vulven, die in Wirklichkeit gar nicht so aussehen. Nagoski: "Fallen Sie nicht darauf herein, lernen Sie stattdessen Ihre eigenen Genitalien kennen." Etwa mit einem Spiegel oder einem Smartphone: "Zu wissen, wo sich die Klitoris befindet, ist wichtig, aber zu wissen, wo sich IHRE Klitoris befindet, ist Macht."

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Image of excited submissiv… Foto: Wisky/Fotolia/Andrey Guryanov/Fotolia 2. Ausgebremst & angeturnt Ihr Gehirn hat ein "Gaspedal", das auf sexuell relevante Reize reagiert. Also alles, was Sie sehen, hören, riechen, fühlen, schmecken oder sich in der Fantasie vorstellen können und was das Gehirn gelernt hat, mit sexueller Erregung zu verknüpfen. Ihr Gehirn hat aber auch sexuelle "Bremsen". Diese reagieren auf potenzielle Bedrohungen – also alles, was Sie sehen, hören, riechen, fühlen, schmecken oder sich vorstellen und was Ihr Gehirn als Grund interpretiert, nicht erregt zu werden. Die Palette ist groß – von der Angst vor Schwangerschaft über Beziehungsprobleme bis hin zu Themen wie "gesellschaftlicher Ruf". Diese Gaspedale und Bremsen sind nicht angeboren, sondern erlernt. Frauen haben empfindlichere Bremsen und weniger empfindliche Gaspedale. Herauszufinden, was bremst oder was "beschleunigt", ist ein wichtiger Schritt.

3. Eine Frage des Kontexts Sexuelles Verlangen ist kein Trieb, wie etwa Hunger, sondern funktioniert nach dem Prinzip der "Anreizmotivation", wie zum Beispiel Neugierde. Sexuelle Empfindungen, wie Sie vom Gehirn wahrgenommen werden, sind abhängig vom Kontext, also von gegenwärtigen Umständen (wo man sich befindet, ob etwas vertraut ist) sowie dem gegenwärtigen Gehirnzustand (ist man entspannt oder gestresst, hat man Vertrauen oder nicht etc.). Frauen sind sexuell empfindlicher auf den Kontext und auf Dinge wie Gemütslage oder Beziehungsfaktoren. Für die meisten Menschen besteht der beste Kontext für Sex aus wenig Stress, einem hohen Grad an Zuneigung und expliziter Erotik.

4. Falsche Botschaften Jeder hört im Laufe seines Lebens widersprüchliche Botschaften zum Thema Sex, gesellschaftliche Vorgaben oder Vorgaben aus der eigenen Herkunftsfamilie spielen hier eine große Rolle. Je bewusster man dessen ist, desto eher hat jeder die Wahl, das zu glauben – oder eben nicht. Eine der häufigsten Botschaften betrifft Selbstwahrnehmung, Aussehen und Gewicht. Nagoski: "Kein Mädchen kommt auf die Welt und hasst ihren Körper oder schämt sich ihrer Sexualität. Das mussten sie erst lernen. Kein Mädchen wird geboren, mit der Sorge, verurteilt zu werden, wenn jemand erfährt, welche Form von Sex ihr gefällt. Auch das mussten sie erst lernen." Wer aufhören kann, sich selbst fertigzumachen, heilt etwas – auch sexuell.

Ausstellung «Sex und Evolution» Foto: dpa/Friso Gentsch 5. Erregt – oder doch nicht? Der feine Unterschied: Bei Männern gibt es eine 50-prozentige Überschneidung zwischen der Durchblutung des Penis und dem Grad seiner Erregung. Bei Frauen hingegen ist es nur eine 10-prozentige Überschneidung zwischen der Durchblutung der weiblichen Genitalien und dem Grad ihrer Erregung. Heißt: Es gibt einen Unterschied zwischen "sexuell relevant" (= Erwarten) und "sexuell ansprechend" (= Genießen). Bei Männern ist hier die Überschneidung sehr groß, bei Frauen sehr abhängig vom Kontext (siehe auch Punkt 3). Das heißt nicht, dass mit Frauen etwas nicht stimmt – Frauen sind so.

6. Was wäre, wenn …? Etwa 15 Prozent der Frauen empfinden spontane Lust – und wollen dann spontan Sex. 30 Prozent wollen Sex, wenn es einen erotischen Auslöser gibt, sie reagieren responsiv. Der Rest, die Hälfte aller Frauen, erlebt einen Mix aus beidem. Es lohnt sich daher darüber nachzudenken, wie man "Abturner" abschaltet und "Anturner" anknipst. Etwa, indem man sich bewusst macht, was stört bzw. was hilft.

Forscher sieht neue Arrangements bei Sex und Partn Foto: dpa-Zentralbild/Jens Kalaene 7. Abenteuer im Kopf Orgasmus ist keine genitale Reaktion, sondern passiert im Gehirn. Studien zeigen, dass die genitalen, körperlichen Indikatoren für einen Orgasmus nicht zwingend mit dem subjektiven Erleben der Frauen in Zusammenhang steht. Nagoski: "Alle Orgasmen sind die plötzliche Lösung sexueller Spannung. Wie diese Lösung sich anfühlt, hängt vom Kontext ab. Aus diesem Grund fühlen sich manche Orgasmen toll an, andere wiederum nicht." Wer bessere Orgasmen haben möchte, muss wissen, wie man Abturner abschalten und Anturner behutsam anschalten kann (siehe Punkt 6).

8. Kein Richtig, kein Falsch Es gibt keine richtigen oder besseren Orgasmen, alle sind unterschiedlich. Und es gibt unterschiedliche Wege, um zum Orgasmus zu kommen. Sie können sich ändern, ihre Intensität auch – vorausgesetzt, man schafft einen "sexpositiven Kontext". Dazu gehört, alle Gehirnzustände ernst zu nehmen, die Teile der Energie vom Orgasmus abziehen – Stress, Sorgen oder die Unsicherheit, dass Ihr Kind gleich an die Tür klopft. Es ist wichtig, diese Zustände zu respektieren, um gleichzeitig zu fragen, was Sie brauchen, um zufriedener zu sein.

Schöne nackte Frau mit nassem Körper vor schwarzem… Foto: Jochen Schnfeld/Fotolia 9. Alles ist gut Sich hinsichtlich der eigenen Gefühle gut zu fühlen – auch wenn etwas Unerwartetes eintritt – das ist der Schlüssel zu außergewöhnlich gutem Sex. Dazu gehört, dass man seine Sexualität so annimmt wie sie im Moment gerade ist, jenseits von Erwartungen. Nagoski: "Die Sexualität, die Sie im Moment besitzen, ist es. Und sie ist schön, selbst – oder gerade dann – wenn sie nicht das ist, was man Ihnen als erstrebenswert beigebracht hat."

10. Selbst-Vertrauen Um das eigene sexuelle Wohlbefinden zu steigern und Erfüllung zu finden, ist es wichtig, sich auf sich selbst zu verlassen: Hören Sie auf Ihr Inneres, entscheiden Sie selbst, was sich für Sie richtig anfühlt und ignorieren Sie alles andere

(Kurier) Erstellt am
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