Kiku
20.01.2012

Zählt was im Leben?

"Eine Frage der Einstellung" derzeit im Wiener Theater Drachengasse

So viel reden, auch so manches sagen, aber gleichzeitig zwischenmenschliche Sprachlosigkeit – das ist selten wo anders so dicht eineinhalb Stunden lang zu erleben wie in "Eine Frage der Einstellung", das derzeit im Wiener Theater Drachengasse (bis Mitte Februar) läuft. Da ist die Kunst-Business-Lady, die sich damit brüstet, immer wieder auch aneckende junge Künstler zu fördern. Verheiratet mit einem Fotografen, der sich am liebsten in Krisengebieten herumtreibt, um die Welt über diese Grausamkeiten aufzuklären. Zwei jugendliche Kinder. Am ehesten findet noch wirkliche Kommunikation zwischen diesen beiden – als "SIE" und "ER" tituliert – statt. Mit einer Fahrt auf dem Motorrad der beiden beginnt das Bühnenstück – zwischen zwei Screens – die Straße vor und hinter ihnen. Auf dem Weg zu einer Aktion radikaler Tierschützer. Zehntausende Liter Schweineblut wollen sie ins Trinkwasser lassen, um die Menschen aktionistisch betroffen zu machen.

Gespielte Leitartikel

Parallel-Aktionen der Eltern gegen Ende des Stücks. Auch da scheinen sie miteinander zu sein. Ansonsten Begegnung in der – reduziert stilisierten – Wohnung in wechselnden Besetzungen – Mal Schwester und Bruder, Mal Frau und Mann, mal alle vier, mal ein Elternteil mit Kind(ern).
Vom schon angesprochenen und gleich zu Beginn präsenten Tierschutz, der Frage, ob Menschen bessere Lebewesen seien über Menschenrechte, nicht zuletzt ausgehend von den grauenhaften Bildern im Berufsalltag des Vaters/Ehemanns, gesellschaftliche Bedeutung von Kunst bis hin zu sozialer Gerechtigkeit, "Gürtel enger schnallen"… Kaum ein wichtiges Thema das in "Eine Frage der Einstellung" nicht aufgeworfen wird. Und jene zentrale der zwischenmenschlichen Kommunikation ist – unausgesprochen – ständig präsent auf der Bühne des Theaters Drachengasse.

Infos

Eine Frage der Einstellung
von Evelyne de la Chenelière und Daniel Brière

Regie: Günther Treptow

Darsteller_innen: Sonja Pikart, Jürgen Schüller, Maximilian Spielmann, Alexandra Maria Timmel

Bis 18. Februar

Dienstag bis Samstag, 20 Uhr

Theater Drachengasse

1010, Fleischmarkt 22

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