Klettern, philosophieren, tanzen

Kopie von WMS Knöllgasse, Klettern
Foto: Heinz Wagner Bouldern zum Einsteigen im Turnsaal der Schule

Vielfältige kreative Zusatzangebote in einer Neuen Mittelschule in Wien-Favoriten

Ruck-zuck kippen einige der Jugendlichen dicke Matten auf den Boden der Ecke des Turnsaals. Der Reihe nach steigen Melik, Abdullah, Patricia, Daniel, Sevdalin und Yusuf mal schneller, mal langsamer auf die kleinen in die beiden Eckwände geschraubten größeren und kleineren Vorsprünge. Konzentriert klettern die Schüler_innen der 2. bis 4. Klasse von links nach rechts, schauen oder erspüren den nächsten Tritt für die Füße und den entsprechenden Halt für die Hände. Die beiden Boulderwände sind normalerweise eher für die Erstklässler_innen der Mittelschule Knöllgasse (Wien-Favoriten unweit des Wasserturms am Wienerberg). Die älteren, die’s hier dem Kinder-KURIER vorzeigen, fühlen sich durch die beiden Eckwände eher unterfordert. Mit ihnen geht Lehrer Willi an Nachmittagen in eine große Kletterhalle in der Innenstadt – und zahlt den Eintritt aus eigener Tasche. Das erfährt übrigens die Direktorin erst hier beim Lokalaugenschein des Reporters so nebenbei.

Sich überwinden

WMS Knöllgasse, Klettern Foto: Heinz Wagner „Es macht Spaß, ist geil, eine neue Sportart zu erlernen. Beim Klettern kann man Höhenangst und sich selber überwinden, weil ja nix passieren kann, zur Not fällst du auf die dicken Matten. In der Halle haben wir schon größere Herausforderungen, dort gibt’s auch überhängende Wände…“ Das meinen die sechs Jugendlichen, die dem KiKu dieses zusätzliche Freizeitangebot ihrer Schule demonstrieren. Patricia hat, so erzählt sie nach der Kletterübung, „im vorigen Jahr auch Einrad fahren gelernt, bei einer Zirkusaufführung im Turnsaal haben wir dann alles vorgeführt“. Die Schülerin erlernt bei der Musikinitiative „Superar“ in der Ankerbrotfabrik aber auch Bratsche. „Vier Mal in der Woche ungefähr 12 Stunden übe und spiele ich“, verrät sie auf dem Weg zu ihrer Klasse, wo als nächstes Philosophie auf dem Stundenplan steht.

Einander zuhören und reden

WMS Knöllgasse, Runde philosophischer Gespräche in der 3c Foto: Heinz Wagner Thema an diesem Vormittag in der 3c: Was macht ein wirklich glückliches Leben aus? Alle sitzen in einem Oval – in der Mitte eine Art Stillleben aus bunten Tüchern und einigen Gegenständen. Es erinnert fast an einen Strand mit Muscheln und anderem Kleinzeugs. Rund um das Tuch Fotos von Menschen, deren Gesichter verschiedenste Stimmungen und Gefühle ausdrücken. Praktisch jede und jeder der Schülerinnen und Schüler meldet sich zu Wort, einige sogar ziemlich oft. Handys, Klamotten oder andere Gegenstände spielen bei den Gedanken, was glücklich macht genau keine Rolle. Freunde, Familie, Gesundheit – und immer wieder, sich allein schon glücklich schätzen zu können, in Österreich zu leben und in die Schule zu gehen, auch wenn die nicht immer nur Spaß macht – „es gibt auch schlimmere Sachen auf der Welt als Schularbeiten!“ -, dominieren die Sager. UND: Alle hören einander aufmerksam zu.

„Neben“effekte

Die Namen der Jugendlichen – Selim, Yasin, Luigi, Mohamed, Berfin usw. - deuten auf das hin, was so gemeinhin unter Migrationshintergrund oder nicht deutsche Muttersprache firmiert. Auch das eine oder andere Statement ist akzent-gefärbt. ABER: Alle reden, überlegt haben sie was zu sagen, aber sie reden. Und neben dem Philosophieren mit Bernhard – einem in dem Fall externen Coach, der auch über ein extra Projekt (SEED), den Stadtschulrat und den Elternverein finanziert wird – lernen sie hier ziemlich sicher viel mehr Deutsch als in einer Grammatik-Paukstunde. Manche, die über die künftige Bildungspolitik entscheiden, würden das vielleicht Kuschelpädagogik schimpfen – ohne das zu sehen, was Ökonom_innen vielleicht Umwegrentabilität nennen würden.

Großer Bogen

WMS Knöllgasse, orientalische Tänze Foto: Heinz Wagner Neben Philosophieren und Klettern kann die WMS Knöllgasse als „Brennpunktschule“ mit zusätzlichem Personal ihren 297 Schüler_innen viele weitere Freizeitmöglichkeiten an den Nachmittagen anbieten wie Fußball, Theater, kreative Biologie, naturwissenschaftliche Übungen, Geschichte mit Geschichten, Schach, Philosophie, Musik, Tischtennis, Informatik, Programmieren, Bildbearbeitung am Computer sowie diverse Exkursionen, um Neues kennen zu lernen - Münzwerkstatt, Tontechnikworkshops, Unibesuchen, Jazzdance, Smoothie-Herstellung, Eishockey, Yoga und Siebdruck. Das führt dazu, dass viele der Jugendlichen liebend gern die Freizeit in oder mit der Schule verbringen, so „nebenbei“ mehr die gemeinsame Sprache Deutsch als Kommunikationsmittel anwenden und genauso „nebenbei“ eigene Interessen und Talente entdecken, Erfolgserlebnisse verspüren, wenn sie Neues schaffen, eigenständiger und kompetenter werden und in einem dritten „Nebenbei“ so manche Glücksmomente erleben.

Solche erleben – und vermitteln – etwa auch die orientalischen Tänzerinnen. Mit Lehrerin Eva, die sich ebenso ein klingendes paillettenbesetztes Bauchtanz-Tuch umbindet wie ihre Schülerinnen tauchen Melisa, Žikica, Saja, Beyza, Laura, Arzu, Gjesika und Selvas den diesmal abgedunkelten Turnsaal in eine fast meditative Stimmung ein, wenn sie mit Kerzen in Gläsern tanzen und wieder einmal „nebenbei“ auf Musik hören, Bewegungen koordinieren – und das noch dazu in einer Gruppe, wo jede nicht nur auf die Kerze in den eigenen Händen, sondern auch noch auf alle anderen achten muss.

Fotos vom Klettern, Philosophieren und Tanz (dazu auch ein Video) weiter unten

Fotos (1)...

... vom Klettern

Bouldern zum Einsteigen im Turnsaal der Schule Bouldern zum Einsteigen im Turnsaal der Schule Bouldern zum Einsteigen im Turnsaal der Schule Bouldern zum Einsteigen im Turnsaal der Schule Bouldern zum Einsteigen im Turnsaal der Schule Bouldern zum Einsteigen im Turnsaal der Schule Bouldern zum Einsteigen im Turnsaal der Schule Bouldern zum Einsteigen im Turnsaal der Schule Bouldern zum Einsteigen im Turnsaal der Schule Bouldern zum Einsteigen im Turnsaal der Schule Bouldern zum Einsteigen im Turnsaal der Schule Bouldern zum Einsteigen im Turnsaal der Schule Bouldern zum Einsteigen im Turnsaal der Schule
Fotos (2)...

... vom Philosophieren

Runde philosophischer Gespräche in der 3c Runde philosophischer Gespräche in der 3c Runde philosophischer Gespräche in der 3c Runde philosophischer Gespräche in der 3c Runde philosophischer Gespräche in der 3c Runde philosophischer Gespräche in der 3c Runde philosophischer Gespräche in der 3c Feedback per Daumenzeig am Ende der Philosophie-Stunde Feedback per Daumenzeig am Ende der Philosophie-Stunde Feedback per Daumenzeig am Ende der Philosophie-Stunde Feedback per Daumenzeig am Ende der Philosophie-Stunde
Fotos (3)...

... vom orientalischen Tanz

Orientalischer Tanz mit Kerzen im Turnsaal Orientalischer Tanz mit Kerzen im Turnsaal Orientalischer Tanz mit Kerzen im Turnsaal Orientalischer Tanz mit Kerzen im Turnsaal Orientalischer Tanz mit Kerzen im Turnsaal Orientalischer Tanz mit Kerzen im Turnsaal Orientalischer Tanz mit Kerzen im Turnsaal Orientalischer Tanz mit Kerzen im Turnsaal Orientalischer Tanz mit Kerzen im Turnsaal Orientalischer Tanz mit Kerzen im Turnsaal Orientalischer Tanz mit Kerzen im Turnsaal Orientalischer Tanz mit Kerzen im Turnsaal Orientalischer Tanz mit Kerzen im Turnsaal Orientalischer Tanz mit Kerzen im Turnsaal Orientalischer Tanz mit Kerzen im Turnsaal Orientalischer Tanz mit Kerzen im Turnsaal Orientalischer Tanz mit Kerzen im Turnsaal Orientalischer Tanz mit Kerzen im Turnsaal Orientalischer Tanz mit Kerzen im Turnsaal Orientalischer Tanz mit Kerzen im Turnsaal Orientalischer Tanz mit Kerzen im Turnsaal Orientalischer Tanz mit Kerzen im Turnsaal Orientalischer Tanz mit Kerzen im Turnsaal Orientalischer Tanz mit Kerzen im Turnsaal Orientalischer Tanz mit Kerzen im Turnsaal Orientalischer Tanz mit Kerzen im Turnsaal
Video...

... vom orientalischen Tanz

(kiku) Erstellt am
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