"C… wie Chamäleon" vom Toihaus Theater, Salzburg

© Toihaus Theater

Toihaus Theater
12/11/2016

Von schneebedeckten Bergen zu sandigen Wanderdünen

„C ... wie Chamäleon“ im Salzburger Toihaus Theater - fantasievolle Bühnenreise schon für sehr junge Kinder.

von Heinz Wagner

Zu einer nicht ganz dreiviertel-stündigen poetisch-fantasievoll getanzt und gespielten Reise lädt das Salzburger Toihaus Theater mit seinem jüngsten Stück „C ... wie Chamäleon“ ein.

Die eine Protagonistin stimmt – ohne etwas zu sagen – schon im Foyer irgendwie auf das Kommende ein. Mit einem Buch setzt sie sich auf eine Couch zwischen die Wartenden. Liest, versinkt in die Welt zwischen zwei Buchdeckeln. Ist gar nicht wirklich da. Weit weg. Lesen verleiht eben wirklich Flügel.

Fliegende Bücher...

Wenig später liest sie drinnen im Theatersaal weiter. Vor ihr ein kleiner Stapel an Büchern – auf einem riesigen Buch. Da taucht wie aus dem Nichts eine Hand mit einem Buch auf. Und verschwindet bevor es die Leserin sichtlich bemerkt. Den (jungen) Zuschauer_innen fällt’s natürlich auf. Das wiederholt sich einige Male – bis sich die Leserin als Tänzerin (Ceren Oran) aufs Spiel mit ihrer schauspielenden Bühnenpartnerin (Susanne Lipinski) einlässt. Jonglage mit Büchern – und dann...

... dann wird das große Buch aufgeklappt – Pop-Up: Viele bunte kleine papierene Häuser und eine große Bergkette. „N wie Nordkette“ – die Berge bei Innsbruck. Rund um das Bild beginnt die Szenerie lebendig zu werden. Die Schauspielerin wird zur Bergsteigerin. Das Kletterseil verwandelt sich danach in eines für eine Seiltänzerin – aus Papier. Und als diese die Berge erreicht, taucht von dahinter ihr lebendiges Ebenbild auf, um auf der Bühne zu tanzen.

Einmal umblättern und schon...

Nächste Seite des kleinen großen Reiselexikons – schwupp di wupp – landen alle von der schneebedeckten Bergkette bei anderen bergen, Sandbergen und Kamelen, in der zweitgrößten Sandwüster der Welt, Taklamakan (China, uigurisches autonomes Gebiet Xinjiang). Das Seidentuch das die Tänzerin gegen Sandstürme schützt wird am nächsten Ort der theatralen Reise zu Wind und Wellen. Wir befinden uns am Meer, bevor es zum funkelnden, Farben wechselnden, irgenwie ein bisschen auch Sagen umwobenen Tier geht, das dem jüngsten Toihaus-Stück den Namen gab/gibt: „C ... wie Chamäleon“. Das lange Stoffband, das die vorschnellende Zunge des Chamäleons bildet, schließt fast den Kreis der Reise – auf ihr balanciert wieder die papierene Seiltänzerin, bevor ihr lebendiges Pendant auf der letzten Station der Reise vor dem Eiffelturm Kaffee trinkt und das Buch in Mini-Version in Händen hält.

Weiter reisen

Das Buch, das sich ebenso wie die Stationen der Reise Sigrid Wurzinger – aufgrund persönlicher Bezüge zu den Orten – ausgedacht hat, ziert eine leichte Abwandlung des Spruchs des Religionsphilosophen Martin Buber. Sein Original: Alle Reisen haben eine heimliche Bestimmung, die der Reisende nicht ahnt.

Ob ahnen oder nicht, ob Bestimmung oder nicht – jedenfalls lädt das Stück zum gedanklich oder auch gespielten und getanzten Weiterspinnen anhand eigener Urlaubs- und anderer Reisen oder von Traumzielen ein...

Compliance-Hinweis: Die Fahrtkosten wurden vom Salzburger Toihaus Theater bezahlt.

Was? Wer? Wann? Wo?

C… wie Chamäleon
Theater mit Tanz, Musik
Für Kinder von 1,5 bis 6 J.; 35 Minuten

Regie-Team: Sigrid Wurzinger, Ceren Oran, Susanne Lipinski
Idee/Entwicklung/Bühne/Kostüm: Sigrid Wurzinger
Tanz/Choreographie: Ceren Oran
Schauspiel/Performance: Susanne Lipinski

Musik/Komposition: Hüseyin Evirgen
Buchtechnik: Harald Schöllbauer
Choreographische Begleitung: Pascale Staudenbauer
Technik: Alexander Breitner, Robert Schmidjell

Wann & wo?
Bis 20. Dezember 2016
Toihaus Theater
5020, Salzburg, Franz-Josef-Straße 4
Telefon: (0662)/874439-0
www.toihaus.at

.... zitiert

Durch die Wüste gehen,
den Schnee sehen,
ich bin doch in einem Raum,
ist’s ein Traum?
Ich hab’ doch nur ein Buch aufgeschlagen,
eins der vielen, die da lagen…
einen Augenblick nicht aufgepasst,
schon hat es mich erfasst!
Jetzt wird umgeblättert, oh!
Bin ich froh, die Sonne scheint am Meer!
Was kommt nun hinterher?
Reise, reise, immer weiter und zum Glück,
kommt Ihr mit!