"Hand"-liche Erzählung

© Materialtheater

Schön, dass du da bist! Oder?
06/21/2016

Schön, dass du da bist! Oder?

Herzlich willkommen - oder doch nicht? Festival für junges Publikum "Luaga und Losna" in Vorarlberg mit Vielfalt theatraler Formen - und zwei Stücken zu Krieg und Flucht.

von Heinz Wagner

Update: 24. Juni 2016, 13:44 Uhr: zwei neue Kritiken (Flucht-/Krieg-Stücke), Titel ergänzt.

Update: 24. Juni 2016, 14:13 Uhr: eine neue Kritik (Wo der Wind wohnt) Update: 25. Juni 2016, 19:33 Uhr: Link zu Kritiken zweier Jungkritikerinnen bei Infos hinzugefügt. Update: 27. Juni 2016, 17:02 Uhr: eine Kritik hinzugefügt.Update: 27. Juni 2016, 17:20 Uhr: eine Kritik hinzugefügt.

Update: 28. Juni 2016, 14:53 Uhr: Bildergalerie von Lesungen am Nenzinger Himmel, Landschafts- und Stadtansichten hinzugefügt.

Update: 29. Juni 2016, 15: 29 Uhr: Eine weitere Kritik hinzugefügt.

Update: 29. Juni 2016, 15:55 Uhr: Eine weitere, die letzte, Kritik hinzugefügt.

So Kinderleicht...

... könnt's gehen, würden sich die „Großen“ in vielen Dingen Anleihen bei Kindern holen. Gut, hier speilen „Große“. Doch das Ensemble Materialtheater Stuttgart nahm für sein Stück „Traumkreuzung“ viele Anleihen bei dem was oft „kindliche Sichtweisen“ genannt wird. „Wir wissen zwar nicht, warum du hier bist, aber es muss dafür einen guten Grund geben und solange du hier bist, teilen wir mit dir, was wir haben.“

Real oder Traum?

Was war geschehen: Elisabeth schläft ein und wacht ganz woanders auf, bei Fazil, seiner Familie und drei Ziegen.

Ist es ein Traum, ist es Wirklichkeit, denn es fühlt sich sehr, sehr real an.

Mit diesem Herz, Hirn und Bauch stark berührenden Stück eröffente am Dienstag das internationale Theaterfestival für junges Publikum " Luaga & Losna" im Vorarlberger Nenzing seine bereits 28. Ausgabe. Übrigens: Auf Hochdeutsch übersetzt bedeuten die beiden Begriffe im Festivalnamen ncihts anderes als schauen und hören.

Wie auch immer – das kann/soll/muss (?) die Zuschauerin, der Zuschauer für sich entscheiden. Zwei Figurenspielerin und ein Musiker erzählen in diesem rund einstündigen Stück mit Händen, Füßen, Gesichtern und einer Menge Gegenständen sowie Instrumenten viele scheinbar kleine Geschichten, die in Wahrheit aber in sich sehr, sehr große Fragen und Geschichten verdichten. Da ist jene nur mit bemalten Händen erzählte vom plötzlichen Auftauchen in einer ganz anderen Welt – die in diesem Fall das Glück hat, dort auch eintauchen zu dürfen und können.

Da ist aber auch schon der Einstieg in einem von Stofflatten umgrenzten Viereck mit „Die Geschichte könnte hier beginnen... oder auch hier... oder...“ wo jeweils in ganz wenigen Sätzen immer ganz andere Welten eröffnet werden.

Kurve schlägt Gerade

Und da ist nicht zuletzt der bevorstehende Mathe-Test von Elisabeth. Wenige Tage davor hatte sie in der Schule gelernt: „Der kürzeste Weg zwischen zwei Punkten A und B ist die Gerade.“ Doch das Mädchen bezweifelt dies – anhand praktischer Beispiele. Zum einen beschreibt sie – ähnlich wie in einer von Peter Bichsels „Kindergeschichten“ - ihren Weg von zu Hause sin die Schule – welche Hindernisse sich da auf der Geraden aufgetan haben, weshalb sie zu spät gekommen sei. Und zum anderen und noch deutlicher: Wenn sie mit dem Rücken zu ihrer Mutter stehe und nur gerade ginge, müsste sie die Welt umrunden, um zu ihrer Mutter zu kommen. Wenn sie von ihrem Standpunkt aus aber eine Kurve gehe, wäre sie viel schneller, direkter und kürzer da...

Und diese „kinderleichte“ Logik in eine dichte, spannende, humorvolle Theaterstunde mit vielen Ebenen und Freiräumen zu verpacken verlangt viel, lange und exakte Arbeit, auch mit etlichen Nachjustierungen im Verlauf der Spielserie. Das ist dem Trio auf der Bühne und den Beteiligten hinter derselben (Regie, Licht) sehr gut gelungen.

Auch nur mit seinen Händen...

... und aufgesteckten Augen, mal richtig großen, mal winzig kleinen – spielt das Einmanntheater Lejo aus den Niederlanden das rund einstündige Stück „Hands up“. Vor und am Ende der Vorstellung taucht der Hand-Spieler vor seiner Bühne auf, die manche schon für eine dreistöckige Geburtstagstorte, andere für eine Maya-Pyramide nur mit abgerundeten Ecken gehalten haben. Irgendwie könnt's auch eine Zirkusmanege sein – zumindest legt das die immer wiederkehrende einschlägige Musik nahe.

Ob Würmer, Enten, Wal, eine zarte kleine Kuh und einen großen beinahe furchterregenden Stier oder einen Vogel, der gern Opern singen würde – Leo Petersen zaubert sie alle, immer wieder auch mehrerer seiner Figuren, die miteinander spielen. Oder Würmer, die einander küssen – und dann doch am Ende einer den anderen mit einer Art Furzgeräusch wegstößt.

Das Spiel ist so virtuos, dass manchmal daran gezweifelt werden könnte, ob da wirklich nur ein Mensch in Aktion ist. Ist es aber, am Ende reißt der Spieler die Stoffteile weg, die Metallkonstruktion kommt zum Vorschein und er zeigt vor, wie er die unmöglich erscheinenden Szenen spielt. Und dazwischen sogar noch zur Wasserflasche greifen kann, um einen Schluck zu trinken.

Der ausgebildete Trauma-Therapeut, der anfangs parallel an einer Kinderpsychiatrie gearbeitet und mit seiner Art des Theaters begonnen hat, kann seit eineinhalb Jahrzehnten von seiner Kunst leben. Neben dem Theater produziert er Videoclips fürs Internet und immer wieder Sequenzen für die niederländische Version der Sesamstraße.

Luft-Spiele

Mit einer Mischung aus Objekttheater, Schauspiel und Tanz will das „Kleine Theater“ aus dem russischen Novgorod die Zuschauer_innen, egal wie alt sie sind, in eine kindlich-fantasievolle Welt mitnehmen. Mit kleinen, kurzen, schmalen, aber auch riiiiiesigen Kunststoff-Folienteilen entführen Kristina Mashevskaya, Alexey Korshunov, Oleg Zverev (Regie: Nadezhda Alexeeva – und Luftzug!) in die Welt der Winde. Folie halten, Hände hoch und schon kann sich eine solche aufblähen – zu einem Segel, zu Meereswellen, zu … auch wenn das Theater Mali (Russisch für klein) sich für die rund dreiviertelstündige Performance vieles überlegt hat, sehen vielleicht manche Zuschauer_innen hin und wieder andere als die gedachten Bilder von kleinen Booten, die übers Meer segeln, Quallen oder was auch immer.

Gegen Ende der Vorstellung wird eine gaaaanz große Folie zu so etwas wie den bei vielen Gruppenspielen verwendeten Fallschirm-Sprungtüchern und die Kinder werden eingeladen, auf die Bühne zu kommen und damit in einer großen Runde zu spielen oder einzelne Teile davon – ebenso wie nun in die Mitte geworfene Luftballons – mitzunehmen. Leider werden die Kinder, nachdem sie auf die Bühne gebeten wurden, bald danach fast dazu gedrängt, sie wieder zu verlassen. Was viele dann zum Glück doch nicht taten, sondern in ihr „luftiges“ Spiel versanken.

Zwei Mal Krieg und Flucht

Fast schon natürlich dürfen auf einem Theaterfestival für junges Publikum Stücke zu brandaktuellen großen Themen wie Flüchtlinge und der Umgang mit ihnen nicht fehlen. Bei „Luaga & Losna“ im Juni 2016 wurde dies explizit in zwei Produktionen aufgegriffen. Zum einen in dem landauf landab von verschiedensten Theatergruppen und -häusern dramatisierten Text der Dänin Jane Teller aus dem Jahr 2001 (!) „Krieg. Stell dir vor, er wäre hier“, hier in einer auf die Bühne transferierten Version eines Klassenzimmertheaters der Gruppe MAZAB (Salzburg). Und zum anderen in dem vom Theater Traumbaum aus Bochum (Deutschland) selbst erarbeiteten Stück „Grenzen-los – K/ein Flüchtlingsmärchen“.

K/ein Flüchtlingsmärchen

Letzteres zeichnet sich durch ein spannende flexibles Bühnenbild aus, in dem zwei große anfangs auf der Bühne liegende Holzkisten einerseits zu einem Wachturm werden und zum anderen zu einer Schule, einem LKW, einem Boot... Im ersten versieht Frau Schutzke (Birgit Iserloh) ihren Dienst zur Bewachung einer Grenzen, die sie selbst gezogen hat. Herrn Baythulla (Ralf Lambrecht), Ingenieur aus Afghanistan, nimmt sie als Menschen an dieser Grenze nie wahr. Sie schaut bestenfalls an ihm vorbei, normalerweise kommuniziert sie völlig abweisend mit ihm, schleudert ihm nicht alle, aber doch ziemlich viele, gängige Vorurteilssprüche – alles wegnehmen, kein Platz, sogar die Turnhallen belegen DIE da... Und weil sie sich selbst als „großzügig“ darstellen will, überlässt sie dem Schutzsuchenden ein paar Brosamen aus ihrer Jausendose.

Herr Baytullah erzählt seine und die Geschichte von Sohn Moza, die ihre Flucht antraten, als die Schule in Afghanistan geschlossen wurde, nachdem die Taliban den Lehrer erschossen hatte. Flucht in verschiedenen Stationen – im dicht gedrängten Laderaum eines Kühl-LKW, auf einem klapprigen Boot... Eine kleine verschlissene Kasperlpuppe könnte den Sohn darstellen – oder auch nur die Erinnerung an ihn. Aber irgendwie wird die Beziehung nie wirklich spürbar – selbst wenn sie nur ein übriggebliebenes Spielzeug als Erinnerung an den Sohn gewesen sein sollte.

Spannend ist allerdings die Idee der beiden, in dem Moment als Baytullah und Moza – in diesem Moment wird er als leibhaftiger Sohn etabliert – an die Grenze kommen, das Publikum direkt und konkret anzusprechen. Demokratie: Wer ist dafür, dass die beiden über die Grenze zu „uns“ dürfen? Bei der mit Schulkindern mehr als vollbesetzten Vorstellung im Ramschwagsaal von Nenzing gab's zunächst Zögern, doch dann eine deutliche Mehrheit für die beiden, wenngleich auch die eine oder andere lautstarke Stimme gegen die beiden zu vernehmen war.

"Trick": Umkehr und direkte Ansprache

Dieses direkte, starke Reagieren konnte die Elisabeth Nelhiebel leider über weite Strecken nicht erreichen. Obwohl Jane Tellers Text, den die Autorin für Theaterversionen nur ohne Veränderungen freigibt, die Leser_innen, hier als das Publikum, stets direkt mit „du“ anspricht, ging die Stunde an diesem Vormittag an vielen jugendlichen Besucher_innen leider stark vorbei.

Dabei ist schon Tellers „Trick“ zwar alt aber doch ziemlich gut. Sie dreht die Perspektiven wie es der Titel schon nahelegt einfach um. Krieg in Europa. Eine Familie in Österreich versteckt sich zuerst im Keller, schafft es dann doch über Fluchthelfer – derzeit meist Schlepper genannt – zu flüchten. Landet in Ägypten, dem nächstgelegenen Land in Frieden, in einem Mega-Zelt-Camp. Und es ergeht den Menschen dort, wie es auch heute Menschen in solchen Lagern ergeht. Zum untertänigen Waaaaaarten verdammt. Nichts tun dürfen. Angefeindet...

In 130 bisherigen Vorstellungen - hauptsächlich wie konzipiert in Schulklassen – habe, so die Darstellerin, die Inszenierung (Regie: Markus Steinwender) meist „funktioniert“. Im Theater scheint sie trotz direkter Ansprache nicht immer das Publikum, das dadurch ja zu den Akteur_innen im Kopf werden soll, zu erreichen.

Komödiantische Umtriebe

So eine Weltreise ist nicht einfach. Immer irgendwo Grenzen. Stellvertretend für derartige Hindernisse wird in der recht freien Version von Jules Vernes „Um die Welt in 80 Tagen“ vom Theater R.A.B (Deutschland) eine zelebriert – bis hin zur Persiflage auf US-Einreise-Inquisition. Hier werden der britische Gentleman mit viel Tagesfreizeit Phileas Fogg und sein so ziemlich alles checkender Diener Passepartout – mit französischem Akzent – gefragt: „Sind oder waren sie je Mitglied einer komödiantischen Vereinigung...?“

Vor, manchmal rundum oder fast mitten in einer Anordnung von metallen wirkenden hölzernen Zahnrädern, die das „Laufwerk“ alter Uhren darstellen, spielt sich die bekannte in einem vornehmen Londoner Club geschlossene Wette ab, ob eine Umrundung der Erde in nicht einmal drei Monaten möglich wäre. In einem spannenden Mix aus Schau- und Masken-, sowie kurzzeitig auch Puppenspiel, manchmal ergänzt durch Schattentheater wird trotz der langen Dauer (zwei Stunden) die klassische Reise kurzweilig gespielt – immer wieder mit humorvollen, witzigen Brückenschlägen zur Gegenwart, wenn in Amerika gewarnt wird vor einem möglichen Präsidenten mit Hamster auf dem Kopf. Und immer und überall lauern die fiesen Geschäftemacher_innen.

Ein wunderbares Bild ist die Szene, wo das Zahnräderwerk in einen großen Elefanten verwandelt wird. Eine fast lebensgroße Stoffpuppe scheint unter den Händen der Spieler lebendig zu werden. Hier in Indien wird überhaupt ein Wendepunkt in der Geschichte gesetzt. Die Rettung der parsischen Witwe Aouda, die nach einem alten Brauch nach dem Tod ihres Ehemanns verbrannt werden soll, legt den Grundstein dafür, dass Fogg nach und nach aus seiner entdeckten Lust am Reisen nun auch Gefühle zu verspüren beginnt. Aus dem eher aus Langeweile Wettenden wird nun ein Liebender. Die schon kurz beschriebene Elefantenszene wird noch vom Schlussbild übertroffen. Alles Holz ist verheizt, um den an der US-Küste gekauften Schrott-Kahn zu befeuern, damit der den Atlantik überquert. Aber außer einer Klomuschel, auf die sich Fogg, Aounda und Passepartout retten und einem kleinen metallenen Küchenquirl, der als „Antrieb“ dienen soll, bleibt nichts. Auch egal. Dafür ist die Liebe nun ausgesprochen. Schräges Ende.

Power-Schauspielerin verkörpert starkes Ghetto-Mädchen

Diese Frau ist eine Wuuuuucht. Anežka Rusevová allein mit zwei Wänden und einer Handvoll loser Kisten für Mineralwasserflaschen. Vom ersten bis nach dem letzten Moment ist die Bühne erfüllt von Kraft und Spiellust. Volle Power.

Die Schauspielerin aus Prag spielt mit dem Nürnberger Gostner Hoftheater einen Monolog der 17-jährigen Sascha aus Alina Bronskys Roman „Scherbenpark“ (veröffentlicht 2008). Plattenbau – das symbolisieren die Kistenwände super -, Jugendliche mit dem was heute so angeblich aufgeklärt als „Migrationshintergrund“ umschrieben wird, diesfalls Russendeutsche. Armut, Familientragödie, Mutter vom Stiefvater ermordet, weshalb die Jugendliche die Mutterrolle für ihre beiden jüngeren Geschwister übernimmt. Das – und dazu noch eigene Gewalterfahrungen würden viele Menschen zerbrechen lassen. Nicht Sascha. Die 17-jährige Hauptfigur des Romans und hier des Monologs will sich selbst aus dem Sumpf ziehen und ist wild entschlossen, weg zu gehen. Es gibt wohl kaum jemanden, der all das genauso stark, wütend, herzhaft, überzeugend verkörpern könnte wie Anežka Rusevová. Sie ist für eine Stunde lang genau diese Sascha.

Was wollte die Bolte?

Bolte heißt die gute Auguste möglicherweise, weil sich das so gut auf „wollte“ reimt. Das Theater Wagabunt aus dem Vorarlberger Dornbirn inszenierte für die Heimatstadt eine mehrteilige Installation rund um das Dada-Gedicht von Kurt Schwitters. Auf Tour fällt die Installation weg, es bleiben zwei weiße plastikverschweißte eckige Sockel. Dort stehen Wolfgang Pevestorf und Robert Kahr, der eine im rosa Tütü, der andere als rosa Hase – Figuren aus Alice im Wunderland, die jeweils nur einzelnen Zahlworte zu sagen haben – was aber exaktes Timing erfordert. In der Mitte rezitiert Anwar Kashlan besagtes Gedicht „Auguste Bolte“. Das ist eine gar schräge viel- oder auch nichts-sagende (der Dadaismus setzte teilweise in seiner grundsätzlichen Kritik an gängigen Kunst- und Kulturformen auf sogenannte „Sinnfreiheit“) Geschichte. Die Bolte sieht eins, zwei, drei, vier – fünf, sechs, sieben, acht, neun – zehn Männer die Straße entlang gehen. Das könne kein Zufall sein. Da müsse was passiert sein. Drum geht sie ihnen nach. Die teilen sich, also geht sie der einen Hälfte nach, eilt zurück und dann der anderen... Zwanglerin sozusagen. Oder Kontrollfreak. Oder eben nur sinnfrei die Gedichtform und -struktur aufs Korn genommen. Oder?!Jedenfalls eine witzige Textlawine. In der (unge-)wollt (?) der Hauptprotagonist zwei Mal bei einem Hänger den Regisseur um „Text!“ anhaut.

„Der Mensch musste sich entscheiden. Und er musste sich entscheiden, nicht weil er sich entscheiden musste, sondern gerade weil es an sich gleichgültig war, ob er sich entschied und wie er sich entschied.“ (O-Ton Kurt Schwitters)

Sehr zügig durch Langsamkeit

Für DIE Überraschung des Festivals sorgte das abschließende Stück „Höchste Eisenbahn“ vom Theater Handgemenge (Deutschland). Die Kurzbeschreibung im Programmheft: „Zwei Männer spielen mit der Modelleisenbahn und erzählen dabei eine Geschichte von Hans Fallada, über kleines Unglück und großes Glück.“ Doch was sollte das schon werden. Seufzer. Eine Geschichte über zwei verklemmte Spießer?

Doch dann erwies sich das Spiel der beiden Darsteller, die die Geschichte auch in einem sehr langen, komplizierten Prozess entwickelt haben, trotz oder vielleicht sogar wegen ihrer Langsamkeit und Detailverliebtheit als spannend, intensiv, kurzweilig erzähltes Stück über große Gefühle.

Als lupenreine Spießer beginnen die beiden ihre an vielen Stellen mit weißen Tüchern zugedeckte Gartenbahnanlage (Maßstab 1: 22,5) auch wirklich freizulegen, samt exakt zusammengefalteten Abdecktüchern... Nach und nach versinken sie aber in wirkliches Spiel mit perfekt nachgeahmten praktisch unverständlichen Stationsansagen, mit der Etablierung eines Feldes mit Kühen, wo der eine die Aufstellung des anderen immer leicht verändert...

Das alles, ein sehr amüsantes Eintauchen in eine für viele wahrscheinlich fremde Welt der Modellbauer – eine weitgehend männliche Welt -, ist aber „nur“ Rahmenhandlung für die Erzählung von Hans Fallada (meist bekannt für den Roman „Kleiner Mann, was nun?“) „Hoppelpoppel, wo bist du?“

Dieser Hoppelpoppel ist ein Stoffhund auf Rädern, deren Achsen nicht in der Mitte liegen. Darum hüpft er auf und ab, wenn er fährt/gezogen wird. Diesen „Hoppelpoppel“ lassen die beiden Schauspieler über die Konstruktion der große Eisenbahnbrücke rollen und spielen Falladas Erzählung. Der Hund, Lieblings-Kuscheltier des Buben Thomas geht bei einer Zugfahrt verloren – weshalb es eine Mini-Mini-Ausgabe des Hoppelpoppel braucht, um die Figürchen von Thomas, seiner Tante und dem Hündchen in den leibhaftigen Gartenzügen unterzubringen. Nach einigem hin und her als Mutter und Vater, die den tief-traurigen Sohn beruhigen wollen, der sich aber nicht billig abspeisen lassen will, macht sich der Vater aus dem kleinen Kaff auf in die Großstadt Berlin. Nun beginnt es auf einmal in der sonst sehr, sehr langsamen, ruhigen Szenerie recht hektisch zu werden, dunkle und hellblitzende Farbwechsel, riesige Schatten, Berliner S-Bahn, Begegnung mit Kaufleuten, die den „Vater“ von da nach dort und fast nach jwd (janz weit draußen) schicken. Endlich ein Hund, ein praktisch baugleicher. Glück. Rückfahrt. Und im Zugabteil ein Onkel – der natürlich wie alle anderen Personen immer von den beiden Spielern gesprochen, oftmals verkörpert wird -, der völlig verständnislos mit seinem Neffen umgeht. Der lässt sich erst beruhigen, als er vorübergehend mit dem Hoppelpoppel spielen darf und wird ganz unrund, als er ihn wieder hergeben soll. Hin und her gerissen, überlässt der „Vater“ dem fremden Jungen schweren Herzens doch den fahrenden Hund. Zu Hause: Die Überraschung: Der vergessene Hund aus dem Zug nach Warschau, ist in der Zwischenzeit ange„hoppelt“ gekommen. Die beiden Spieler, Bastler und so weiter – sie sind für so ziemlich alles zuständig – haben nehmen das Publikum in eine andere fast kitschig-harmonische Welt mit, ohne auch wirklich je kitschig zu werden. Sie spielen zwischen , unter und über den Schienen und Zügen, die (nicht nur) für sie in dieser knapp mehr als einen Stunde die Welt bedeuten, die nicht zuletzt durch die Musikauswahl immer wieder auch humorvoll gebrochen wird – „It’s a men’s world“, Sonderzug nach Pankow (Udo Lindenbergs Version von Glenn Millers „Chattanooga choo choo“).

Infos

Luaga und Losna (auf Hochdeutsch: Schauen und hören) Internationales Theaterfestival für junges Publikum 21. bis 25. Juni 2016 Nenzing, Vorarlbergwww.luagalosna.at

Hier findest du Kritiken zu den meisten der Stücke - verfasst von zwei jungen Kritikerinnen in Workshops u.a. mit dem KiKu - auf Deutsch bzw. Englisch: www.luagalosna.at/nenzing-2016/kritiken/

Stück-Infos

Traumkreuzung Eine Produktion des Ensemble Materialtheater Stuttgart & Théâtre Octobre Brüssel in Koproduktion mit dem FITZ! Zentrum für Figurentheater Stuttgart

ab 7 Jahren

Regie: Alberto García Sánchez Spiel: Annette Scheibler, Daniel Kartmann, Sigrun Kilger Musik: Daniel Kartmann Figuren & Objekte: Ensemble Ausstattung & Bühne:
 Ensemble Licht:
 Luigi Consalvo

www.materialtheater.de

Hands up Lejo / NL

Handpuppenspiel von und mit Leo Petersen ab 4 Jahren

www.lejo.nl

Wo der Wind wohnt

Theater Mali / Russland

Geschichten aus weiter Ferne

Ein Stück ohne Worte von Nadezhda Alexeeva ab 3 Jahren

Regie: Nadezhda Alexeeva Spiel: Kristina Mashevskaya, Alexey Korshunov, Oleg Zverev Spielassistenz: Elena Fedotova, Anastasia Alexeeva Bühne und Videos: Igor Semonov Licht Design: Larisa Deduhhttp://eng.kingfestival.ru/maly/

Grenzen-los K/ein Flüchtlingsmärchen

Theater Traumbaum / D ab 9 Jahren

Idee, Spiel und Realisation: Birgit Iserloh und Ralf Lambrecht Musik: Klaus Jochmann Regie-Assistenz: Anna Lotta Iserloh

www.theater-traumbaum.de

Krieg. Stell dir vor, er wäre hier

nach dem Essay von Janne Teller

Übersetzung aus dem Dänischen von Sigrid C. Engeler

ab 12 Jahren

Regie/Bühne: Markus Steinwender

Mit: Elisabeth Nelhiebel Kostüm/Bühne: Leonie Reese Dramaturgie/Bühne (Fotobilder): Peter Malzer

www.mazab.at

Scherbenpark von Alina Bronsky Gostner Hoftheater / D ab 14 Jahren Regie: Tilmann Seidel Spiel: Anežka Rusevová & DJ-live-set Vegas House Bühne/Ausstattung: Simona Fenyves Bearbeitung: Thomas Richhardtwww.gostner.de

Höchste Eisenbahn Männer und ihr Hobby - ein Welttheater Theater Handgemenge/ D Eine Co-Produktion mit dem Hans Otto Theater Potsdam und dem Figurentheater Stuttgart ab 6 Jahren Idee: Peter Müller Autor: Team Regie: Markus Joss Geschichte: Hans Falllada Spiel: Pierre Schäfer/Peter Müller Ton, Licht: Peter Müller Ausstattung: Christian Werdinwww.handgemenge.com

Um die Welt in 80 Tagen Abenteuer frei nach Jules Verne Theater R.A.B / D ab 14 Jahren Regie: Brian Lausund Dramaturgie: Dr. Manfred Jahnke Spiel: Franziska Braegger, Jonas Schütte & Len Shirts Musik: Ro Kuijpers Masken/Puppen: Len Shirts Bühnenbild: Werner Klaus Kostüme: Susanne Kloiberhttp://umdieweltin80tagen.de

Auguste Bolte von Kurt Schwitters Theater Wagabunt/ A ab 14 Jahren Regie: Stephan Kasimir Mit: Anwar Kashlan, Robert Kahr, Wolfgang Pevestorf Ausstattung: Caro Starkwww.theaterwagabunt.at

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