"Sterne" am Theaterhimmel für ein junges Publikum

Die Preisträger_innen des Stella 2011

ENTE, TOD UND TULPE
u\hof: Theater für junges Publikum (Oberösterreich) Schauspiel/ ab 6 Jahren

Begründung der internationalen Jury:
“Solide. Wenn man das zu einem Theaterstück sagt, meint es meist Zurückhaltung. Solide. Aber ist das wirklich so schlecht? Zunächst: was solide ist, ist gut gebaut, hält was aus. Und eine Inszenierung im Kindertheater muß einiges aushalten. Kindervorstellungen morgens um 9.00 Uhr, Gastspiele in Mehrzweckhallen und Schaulas, laute Schulklassen, müde Schulklassen, laue Schauspieler, müde Schauspieler. Solide, gut gebaut heißt aber auch, da steckt Handwerk dahinter. Alle Elemente der Aufführung, das Spiel der Akteure, die Austattung, das Licht, die Musik greifen ineinander, stützen sich, alle Beteiligten geben ihr Bestes und die Regie führt es geschickt zusammen. Mehr als die Summe aller Teile. Gut gebaut heißt, es hat ein Fundament, ist stabil und bietet dem Zuschauer Raum, seltsame Figuren auf Ihrem Weg durch ihre Welt zu begleiten. Eine solide Aufführung kann über sich hinauswachsen, neugierig machen, ansprechen und das Publikum mitnehmen auf seine Reise. Die Inszenierung, die wir auszeichnen wollen, ist eine solche Reise, überraschend und rührend, zum Schmunzeln und Lachen, zum Erschrecken und Träumen. Und alles auf einem soliden Fundament. 

Zum Stück:
Ente erwacht, wie jeden Tag. Doch heute scheint irgendwie etwas verändert – bis sie bemerkt, dass jemand hinter ihr steht, ihr bei ihrem Morgenritual und Schwimmen zusieht. Es ist der Tod, der gekommen ist, um Ente zu holen. Doch Ente ist noch nicht bereit. Sie ist doch eine gesunde, junge Ente, sie hat so vieles noch nicht erlebt! Außerdem will sie dem Tod zeigen, dass es Dinge gibt, die Spaß machen – Gründeln beispielsweise. In der Zeit, die die beiden miteinander verbringen, lernt Tod so einiges, was er gar nicht wusste, dass es sogar ihm Spaß macht. Und als Ente eines Tages in den Armen des Todes entschläft, ist Tod traurig…

REGIE: Nora Dirisamer
DARSTELLER_iNNEN: Katharina Wawrik, Ralf Wegner
BÜHNE, KOSTÜME: Jan Hax Halama
DRAMATURGIE: Elisabeth Strauss

http://www.uhof.at HELDINNEN
t’eig und uniT  (Steiermark)
Schauspiel/ab 15 Jahren

Begründung der internationalen Jury:
“Schauspieler, die für Jugendliche spielen oder Jugendliche und junge Erwachsene, die selbst auf der Bühne agieren. Vieles davon haben wir sehen dürfen und schwer fiel es uns, die Ergebnisse dieser Arbeiten, die oftmals unterschiedlichen Ansprüchen gerecht werden wollen, in Wettbewerb zueinander zu setzen. Was uns schließlich überzeugte, ist ein starkes ästhetisches Konzept mit einer eigenwilligen visuellen Stilisierung, eine kaleidoskopische Erzählstruktur, große Spielfreude und eine starke Ensembleleistung und die aufrichtige Auseinandersetzung mit Themen wie Identität und Sinnstiftung. Das erfolgreiche Zusammenwirken all dieser Elemente, inszeniert mit jungen Menschen ohne schauspielerische Ausbildung, verdient die Auszeichnung „Herausragende Produktion für Jugendliche“ und somit geht der STELLA 11 an die Koproduktion von teig und uniT mit dem Stück HeldInnen”

Zum Stück:
Wir sind bereit. Wir sind verdammt bereit. Jetzt ruft die Welt. Ruft nach uns. Wir sind an unseren Ressourcen. Wir sind scharf. Heut regnet’s Feuer. Heut brennt das Wasser. Die Welt geht unter und am Horizont steigen neue Planeten auf. Neue Titanen. Wir. Wir Helden.

Judith und David haben alles und von allem genug. Im postideologischen Vakuum „engagieren“ sich die beiden Geschwister gegen die pseudoliberale Attitude ihrer ewig-jugendlichen Eltern und gegen die Wohlstandsmüdigkeit der eigenen Generation – um endlich rauszukommen aus dieser Schaumstoffzelle, raus „aus dieser emotionalen Umlaufbahn um sich selber“. Die 5 DarstellerInnen spielen nicht nur „helden“, sondern auch sich selbst: In welcher Realität lässt sich das Leben besser faken? Welche Skills bremsen und welche braucht man, um die Welt zu coachen? Ein sprachakrobatischer Rundumschlag gegen die zwangsharmonische Kernfamilie. // Ein revolutionärer Akt im Schlaraffenland. // Ein explosives Doku-Theater über die Suche nach dem politischen Begehren und der Wut. // Ein Spiel an der Grenze zwischen Theaterwirklichkeit und Non-Fiktion. // Ein vertikaler Kampf gegen den Theaterbetrieb und eine horizontale Schlacht gegen Eitelkeiten und innere Schweinehunde.

REGIE: Thomas Sobotka
DARSTELLER_iNNEN: Eduard Haberl, Peter Harter, Mona Kospach, Gerhard Prossliner, Anna Wagner
BÜHNE, KOSTÜME: Markus Boxler
LICHT: Eugen Schöberl
DRAMATURGIE: Alexandra Rollett

http://www.theater-teig.at ZHENG HE - Als die Drachenschiffe kamen 
Karin Schäfer Figuren Theater

Zum Stück
Drei halbkreisförmige Segel, fast wie ein flaches Bild von Iglu-Zelten. Ein Mensch mit ein bissl übergroßer Maske. Mit Pinsel malt sie/er chinesische Schriftzeichen auf ein großes Blatt Papier. Die werfen ihren Schatten auf das dahinter stehende „Hauptsegel“. Dieses Projektion des Zeichens für Chuán (zu Deutsch Schiff) beginnt sich aufzulösen. Die einzelnen Balken der Schriftzeichen schwirren über die seidige Fläche – und setzen sich neu zusammen – zum Unterteil eines Bootes. Auf gleiche Weise passiert’s mit den Zeichen für Segel, „rot“ (hóng) und „long“ (Drache). Aus letzteren wird „nur“ ein Auge – Drachenaugen bekam jedes der 300 großen Schiffe aufgemalt. In China gilt der Drache als Glückssymbol“. Und rot – färbten sich die Segel aus Seide ein. Mit 300 bis zu 120 Meter langen und mit 9 Masten und 12 Segel bestückten Booten, vielmehr megagroßen Schiffen (auf manchen wurde „nur“ Gemüse angebaut oder wurden Tiere gehalten, um die ganze Flottenbesatzung verpflegen zu können), segelte der – in China legendäre – Zheng He auf insgesamt sieben Expeditionen. Entdeckung, Erforschung fremder Länder, Leute und Sitten sowie Handel zu betreiben war das Ziel.
Eine dieser Reisen griff das Karin-Schäfer-Figurentheater auf und machte daraus ein multimediales Theaterstück, das eingangs schon ein bisschen beschrieben wurde. Schäfer spielt – jeweils mit übergroßen Masken – erst den chinesischen Schreiber Ma Huan, der Zheng Hes Geschichten festhielt. Später schlüpft sie in die Rolle/Maske des arabischen Gelehrten Ibn Ben Sina. Er und Ma Huan versuchen sich vor allem über Krankheiten und deren heilung mit Kräutern und anderem zu unterhalten – der eine auf Mandarin (der am verbreitetsten Sprache Chinas), der andere auf Arabisch.  Mit Händen und Füßen reden ist eine der Methoden. Eine andere: Zeichnen. In dieser Region sind die Erzählungen und Abenteuer der Reisen des Entdeckers Zheng He – übrigens etliche Jahrzehnte vor Columbus – auch sehr bekannt, hier unter Sindbad, was sich aus Zehng Hes  Geburtsnamen Ma Sanbao ableitet, bekannt.

Erzählt wird die Reise, die später an die Küste Ostafrikas und bei der Rückreise auch nach Siam (Thailand) führt, jeweils aus der Sicht eines/einer aus diesem Kulturkreis. Nach dem Gelehrten Ibn Ben Sina in Arabien trifft die Flotte den afrikanischen Fischer Mabele, der für die Chinesen für sie seltene Tiere wie Zebras und Giraffen einfängt, die diese dann in ihre Heimat importieren. Auf einem der Märkte Siams handelt Ma Huan mit Anchali. Während er mit einem hölzernen Abakus rechnet, reichen ihr ihre zehn Finger und dazu die zehn Zehen.
Auch Anchali und Mabele sprechen in ihren ihren Sprachen – Thailändisch und Kisuaheli. Worte werden ohnehin wenig gewechselt. Und wenngleich diese Sätze für den/die jeweils andere/n – ebenso wie für den Großteil des Publikums nicht zu verstehen sind, so ergibt sich ihre Bedeutung oft schon aus den Gesten, der Körperhaltung bzw. dem jeweiligen Zusammenhang der Szenerie.
Eine höchst interessante, streckenweise sehr langsam und poetisch erzählte/gespielte Geschichte mit Schauspiel, Masken, Trickfilm-animationen – und nicht zuletzt toller Musik, die versucht neben der Melodie der Sprachen Rhythmus und Klangsprache der Regionen zu transportieren.

Hintergrund
Zwischen 1405 und 1433 leitete der chinesische Admiral Zheng He sieben Expeditionen über den Pazifik und den Indischen Ozean bis weit in den Westen. Seine Seefahrten führten ihn über Indonesien, Indien und die arabische Küste bis nach Afrika - und das fast 100 Jahre vor Christoph Columbus.
Die chinesische Flotte war so gewaltig, dass die Boote der Europäer daneben wie Nussschalen ausgesehen hätten: mehr als 300 „Drachenschiffe", bis zu 120 Meter lang, kündeten mit roten Segeln von der Macht des chinesischen Kaisers und brachten sogar die ersten Giraffen und Zebras von Afrika nach China.
Die Geschichten von den Reisen Zheng Hes kennt in China jedes Kind, auch im arabischen Sprachraum ist er durch seinen Geburtsnamen „Ma Sanbao" als „Sinbad" (der Seefahrer) in den Schatz der Erzählungen eingegangen.
Das Karin Schäfer Figuren Theater erzählt die Geschichte von Zheng He, dem großen chinesischen Entdecker, als Geschichte derjenigen Menschen, die ihm begegnet sind. In jedem der Länder, die er bereist hat, hat er eine Erzählung oder Anekdote hinterlassen, die von je einer Figur verkörpert wird - ein indonesischer Schattenspieler, ein Gelehrter aus Arabien, ein afrikanischer Fischer und eine Händlerin aus Siam. Sie alle begleiten uns mit wenigen Worten aber vielfältigen visuellen Eindrücken durch diese fantastischen Abenteuer - in einer vollkommen neuartigen Form der Kombination von Figurentheater, Trickfilm und Musik.

Besetzung
Regie, Figuren, Dramaturgie, Darstellerin: Karin Schäfer
Musik: Gernot Ebenlechner
Bühne: Karin Schäfer, Peter Hauptmann
Technik, Lichtdesign: Peter Hauptmann Herausragende Musik:
Matthias Jakisic / "Diktator" & "Sand" / DSCHUNGEL WIEN / Wien sowie "Bonny und Clyde" & "Parzifal/Short Cut" / Burgtheater - Junge Burg Spezialpreis der nationalen Jury:
20 Jahre Mezzanin Theater - Experimentelles Kinder-, Jugend- und Erwachsenentheater / Graz (Steiermark) POPCORN
DSCHUNGEL WIEN
Tanztheater mit Livemusik/ ab 2 Jahren

Aus der Begründung der Jury:
Gerüche spielen definitiv eine Rolle, und es sind die feinen Gerüche, die in der Kindheit entdeckt werden, wie Popcorn, Schokolade, Orangen, Zuckerwatte. Was dieses Zusammenspiel von Ausdruckstanz, Akrobatik, Clownerie mit  Live-Musik und mit Live-Kamera hervorhebt, sind die  Analogien: das hüpfende Popcorn im Topf übertragen auf die wunderbaren Tänzer Adriana Cubides und Arnulfo Prado, die in Sprüngen und Breakdance zu lebenden Popcorn mutieren. Oder Bilder, wie die Schokoladerippen, die zu Walrosszähnen werden und die zerschmolzene Schokolade zur Gesichtsbemalung. Aus Alltäglichkeiten werden ästhetische und haptische Erfahrungen für kleine und ehemalige Kinder.

Zum Stück:
Was schmeckt mir im Leben?
Popcorn, am besten noch mehr davon. Am liebsten im Kino, vor dem Fernseher, zwischendurch. Aber wie viel Salz dazu? Oder Zucker?

Was ist das für ein Geschmack, wenn ich Popcorn zum ersten Mal esse, wenn ich es rieche, welches Geräusch macht es? Und Schokolade? Orangen? Zuckerwatte? Welche Bewegungen gehen dann durch mein Gesicht, meinen Körper? Was fühle ich? Was schmeckt mir im Leben?

All diese ersten Sinneswahrnehmungen führen die drei Freunde Adriana, Arnulfo und Matthias durch eine Welt voller Abenteuer. Sind sie zu Hause, im Wohnzimmer, im Kino? Wollen sie einen Film sehen, einen Film machen? Oder einfach nur den Gerüchen der Welt folgen, den Geschmack der Welt erleben?

REGIE: Stephan Rabl
CHOREOGRAPHIE: Adriana Cubides, Arnulfo Ravagli, Stephan Rabl
MUSIK: Matthias Jakisic
DARSTELLER_iNNEN: Adriana Cubides, Arnulfo Ravagli, Matthias Jakisic
VIDEO: Clelia Colonna
LICHT: Stefan Enderle Sonderpreis des Vorstands der ASSITEJ Austria:
Stephan Rabl (u.a. künstl. Leiter SCHÄXPIR Festival und DSCHUNGEL WIEN)

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