Adriana Salles in Nemomyi im Salzburger Toihaus Theater

© Ela Grieshaber/Toihaus Theater Salzburg

Toihaus Theater Salzburg
02/06/2014

Staunend die Welt erschaffen

Tanz, Theater, Performance, Gesang, Masken und Akrobatik - vielseitiges Stück "ÑEMOMYI – Legenden vom Werden" im Salzburger Toihaus Theater - für Kinder und Erwachsene ebenso.

von Heinz Wagner

Magisch. Ein kreisrunder großer Teppich. Am äußeren Rand bunte handbemalte Muster. Danach blaue Kissen, wo eins das andere jeweils ein Stück überlappt. An manchen Stellen liegt im Inneren des Polsterkreises ein bisschen geheimnisvoll wirkendes Zeugs. In der Mitte ragen drei Stangen schräg nach oben, wo sie einander treffen. Von dort hängen weiße lange Tücher runter – wie sie im Zirkus verwendet werden, um daran zu turnen. Hier sind sie kunstvoll ineinander verschlungen. Etwas gar nicht so leichtes scheint drin zu hängen. Ganz verborgen.

Geburt... von wem oder was?

Ist es auch, das „Etwas“ beginnt sich zu bewegen, uäh, uäh, uäh... dringt draus hervor. Ein Baby? Dafür ist's zu groß und schwer.
Richtig, Adriana Salles, die Darstellerin, Schauspielerin, Tänzerin, Performerin ist ja noch gar nicht da.
Hier schon, aber noch nicht zu sehen. Sie wird’s sein.
Ist es auch. Stellt vielleicht die Geburt dar. Hier allerdings ragt erst die eine, dann die andere Hand heraus, dann ein Fuß... Bevor sie sich artistisch aus den Tüchern „schält“, kopfüber nach unten hängen lässt... Schon davor stößt sie – in Manier junger Kinder, die Wörter entdecken - Lllll...uft, Llll...icht, Eee...rde, W....asser aus. Es geht also nicht nur um die Geburt eines Menschen. Nein, des gesamten Universums. Oder „nur“ einer Geschichte?!
Und wie!

All-seitig

Getanzt, gespielt, akrobatisch, verkleidet – vor allem mit Masken, die wie aus Stoff wirken, aber aus ganz leichtem, weichem, dünnen Holz sind – fast ohne Worte, außer gesungenen, erzählt die am Rande von Rio de Janeiro geborene Theaterfrau im Toihaus Theater SalzburgLegenden vom Werden“. Dabei bedient sie sich unterschiedlicher Bilder und Mythen. Wobei sie schon in ihrer Familie mit afrikanischen, europäischen und brasilianisch-indigenen Wurzeln schöpfen kann, aber darüber hinaus noch viel weiter recherchierte. Irgendwo an der Seite liegt auch ein Maske aus Bali.

Ein Guarani-Wort kennst du sicher

Die Masken von Jaguar, Tukan und schon zuvor die einer indianischen Gottheit, die spannenderweise von ihren Gesichtszügen her sowohl männlich als auch weiblich sein könnte, entnimmt sie der Kultur der Guarani, einem 4- bis 5-Millionen Menschen zählenden Volk mit gleichnamiger Sprache, das in Paraguay, Argentinien, Bolivien und Brasilien (hier im Südwesten) lebt. Wir kennen übrigens ein Guarani-Wort: Jaguar.
In dieser Sprache besingt Adriana Salles auch das Wasser und die Göttin des Meeres, Yemanjá.

Eine Stunde des Staunens

Hier gibt es so viel zu sehen, zu staunen, zu hören, zu entdecken – so wie sie können's am ehesten junge Kinder. Und in ihrer Universalität lässt Salles alle im Publikum gleichzeitig daran teilhaben. Sie erzählt nicht vorgefertigte Geschichten. Die Storys über die Erschaffung - des Lebens, des Universums oder „nur“ der Vorstellung(en) darüber – entstehen live vor unseren Augen und Ohren. Wobei junge Kinder (das Stück ist ab 3 bzw. 4 Jahren) hier wahrscheinlich gegenüber den meisten älteren Zuschauer_innen im Vorteil sind, obwohl Adriana Salles es auch schafft, diesen Staunen (wieder) nahe zu bringen: Sie sind (noch) nicht zugeschüttet mit mehr oder weniger schlauen Erklärungen über die Welt und ihr (mögliches) Werden, erschaffen sie sich gerade erst. Oft tagtäglich und noch viel öfter neu. Denken und malen sich häufig noch spannende, aufs erste vielleicht auch einmal verrückt erscheinende, Geschichten darüber aus, warum das eine oder andere so ist wie es ist.

Wie kam's wie's ist?

Das taten und tun auch die Guarani. Zur Einführung erzählt etwa eine Theaterpädagogin des Toihauses die Legende dieses indigenen Volkes, wie die Kröten zu ihren Pusteln kamen. (Versteckt in einem Instrument des Geiers kam die Kröte zum Fest der Vögel. Auf dem Rückweg entdeckte der seine Freundin, ließ sie aber fallen, weil er sich hintergangen fühlte. Damit sie nicht stirbt, richtete einer der indianischen Götter die Steine so, dass sie aufgefangen wurde und überleben konnte. Ihre Haut wurde allerdings in Mitleidenschaft gezogen.)

Erst gegen Ende der magischen Stunde wird die Darstellerin, die mit Körper, Bewegung, Gesang, Artistik und nicht zuletzt ihren wunderbaren Augen, erzählt zum „ICH“, um gleich im nächsten Moment zwei der langen weißen Tücher zu einer Art Tür zum Publikum hin zu öffnen und „WIR“ zu hauchen – sie und das Publikum. Die Menschen, Tiere, Pflanzen...

Compliance-Hinweis: Die Fahrtkosten wurden vom Salzburger Toihaus Theater bezahlt.

ÑEMOMYI – Legenden vom Werden
Tà Pánta Rheî + Toihaus Theater

Schauspiel, Tanz, Gesang: Adriana Salles
Regie: Andreas Simma
Musik: Hüseyin Evirgen
Bühnenbild, Kostüme: Irene Edenhofer
Licht: Adrian Andiel
Technik: Robert Schmidjell

Toihaus Theater
5020 Salzburg
Franz-Josef-Straße 4
Telefon: (0662) 87 44 39

www.toihaus.at

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