Kiku
11.02.2014

So lieb mich doch, biiiiitte!

Janoschs berühmtes Duo "Frosch und Tigerente" als extremes Gegensatzpaar im Dschungel Wien.

Liebe ist… die Anziehungskraft von Gegensätzen. Aber ist sie’s wirklich? Für beide Seiten? Oder doch nur für den Frosch. Und wir wissen gar nicht, wie’s für die Tigerente ist. Das vielleicht weltbekannte Paar aus Janoschs Universum ist nun in einer – ganz widersprüchlichen – Bühnenfassung im Dschungel Wien zu sehen.

Quirlig contra starr

Da ist die das fast einstündige Stück völlig dominierende, wild, ausufernd, fantasievoll, ver-rückt agierende Nele Van den Broeck in der Rolle des Frosches/Kindes (?). Und viel weniger auffallend, wahrscheinlich aber in dem Fall die härtere/stärkere Rolle – im Hintergrund : Marieke Breyne. Die ganze Zeit kein Wort, auch praktisch keine Bewegung. Von Anfang bis Ende hockerlt Breyne auf ihrem Rollbrett, lässt sich ziehen, schubsen, umkippen, aufrichten… Selbst ihr Gesicht bleibt die meiste Zeit starr – eben wie das einer hölzernen Tigerente.

Liebe?

Der Frosch (die Fröschin) springt und hüpft und ratscht und ratscht – eine Geschichte nach der anderen sprudelt aus ihr heraus, dazwischen fängt sie die eine oder andere Fliege, denkt sich schon die nächste Story aus, vielmehr bricht diese aus ihr heraus. Wobei Frosch ein Hauptthema hat, dem sich die Tausenden kleinen Geschichterln unterordnen: Die Liebe.

„Darf ich dich ein bisschen küssen?“, fragt sie die Tigerente.
Und wartet natürlich keine Antwort ab.
Kann sie/er ja nicht. Würde ja ewig dauern. Wie soll denn das Holztier antworten?
Anfangs zögerlich die Schnur, an der die Tigerente hinterhergezogen wird, busselnd, überfällt Frosch seinen/ihren Spielgefährten, beinahe niederschmusend. Und Hochzeit.
Samt Hochzeitsreise – hier wären die doch sehr platt geratenen Klischeebilder von Paris über Moskau bis Japan leicht entbehrlich. Auf sie könnte auch ersatzlos verzichtet werden, schleicht sich doch ungefähr zu dieser Zeit (etwa in der Mitte) Langeweile bei Kindern ein.

Mein Reich komme...

Spannend geht’s hingegen weiter, wenn Frosch als Halb-Wassertier die Tigerente ins eigene Reich/Traumland unter Wasser zieht – ohne es zu verraten herrliche Momente, wenn auch das Publikum sich unter Wasser wiederfindet.

Erstmals zeigt die Tigerente Ansätze von Aufbegehren, wenigstens Widersetzen/stand. Will nicht in der von Frosch vorgegebenen Position verharren. Was beim quicklebendigen Kompagnon beinahe verzweifelte, jedenfalls hektische Wiedergutmachungs-Versprechen auslöst. Also raus aus dem Wasser. Aber wenigstens nahe beim Wasser ein schmuckes Häuschen. Bemühen, Bemühen, Bemühen.
Aber ob das (noch) reicht?

Frosch und Tigerente
nach „Die Tigerente und der Frosch“ von Janosch
motschnik - Verein für feine Kunst

Konzept: motschnik
Regie: Melika Ramić
Darstellerinnen: Marieke Breyne (Tigerente), Nele Van den Broeck (Frosch)
Dramaturgie: Theresa Unger
Ausstattung: Reinout Dewulf, Lisa Koller, motschnik
Produktion: Sophie Schmeiser
Regieassistenz: Klara Rabl
Lizenziert durch Janosch film & medien AG, Berlin

Bis 14. Februar
3. bis 6. Juni
ca. 50 Minuten

Dschungel Wien
1070, MuseumsQuartier
Telefon: (01) 522 07 20-20

www.dschungelwien.at