Mit den Stimmmzetteln ab in die Wahlkabinen

© Heinz Wagner

Probewahl
09/29/2015

Hier durften alle Jugendlichen wählen

Probewahlen für Jugendliche auf einem Wiener Platz - und andere Aktionen der Wiener Jugendarbeit, um zu informieren und motivieren.

von Heinz Wagner

Wahlkabinen auf dem Wallensteinplatz in Wien-Brigittenau. Am Dienstag - vom späten Vor- bis zum Nachmittag - fand eine von der Wiener Jugendarbeit organisierte Probe-Wahl statt. Gekommen waren vor allem Schülerinnen und Schüler aus dem nahe gelegenen Gymnasium Karajangasse, einem Hauptschulabschlusskurs der Volkshochschule, dem TGM, dem Poly sowie von SpaceLab - und natürlich Vorbeigehenden.

Wie funktioniert's?

Das Ergebnis - siehe unten - war aber auch nicht das wichtigste. Jugendzentren und andere Einrichtungen der Wiener Jugendarbeit wie "back bone" informieren in ihren Häusern – und bei einigen öffentlichen Aktionen – Erstwählerinnen und -wähler zunächst einmal darüber, wie der Wahlvorgang an sich abläuft, wie ein Stimmzettel aussieht, was zur Wahl mitgenommen werden muss. Dass beispielsweise eine Stimme ungültig ist, wenn die eine Partei angekreuzt, aber eine Vorzugsstimme für Kandidat_innen einer anderen wahlwerbenden Gruppe vergeben wird...

„Reicht ein Schüler-Ausweis bei der kommenden Landtags- und Gemeinderatswahl?“, fragt Tuğba mit einer ganzen Mappe voller technischer Wahl-Informationen. Die Jugendlichen, die rund um sie am Tisch sitzen beginnen zu überlegen, tendieren eher zu nein. „Genau, das ist zwar ein Lichtbildausweis, aber kein amtlicher.“

Nachdem die technischen Infos durchgenommen sind, machen sich die Jugendlichen auf zu einem Tisch, der so ähnlich aufgebaut ist wie am 11. Oktober im echten Wahllokal: Wahlbeisitzer_innen, Stimmzettel, Kuverts, Wählerverzeichnis – hier ein fiktives, Wahlurne – und im Hintergrund zwei Wahlkabinen.

Hier dürfen alle

Noch eine Ausnahme: Hier dürfen alle Jugendlichen wählen. Auch jene, die in weniger als zwei Wochen ausgeschlossen bleiben, weil sie eine „falsche“ Staatsbürgerschaft haben. Als solche gelten auch jene, die vielleicht schon seit der Geburt in Wien leben, nicht die österreichischen Staatsbürgerschaft haben oder ihre Eltern aus einem Land kommen, das nicht zur EU gehört (EU-Bürger_innen dürfen die Bezirksvertretung wählen). All das betrifft bei den kommenden Wahlen immerhin mit 24 Prozent fast ein Viertel. 24 Prozent, die im Wahlalter sind, aber nicht mit(be)stimmen dürfen.

Inhaltliche Diskussionen

Neben den technischen Infos gibt es bei der Aktion am Wallensteinplatz auch Möglichkeiten für inhaltliche Beschäftigung. Eine lange weiße Linie reicht von 0 bis 100 Prozent. Der Reihe nach werden einige Fragen gestellt, die Jugendlichen können sich entscheiden, wo sie sich mit einer Zustimmung einreihen wollen. Mehr davon – so die Info – gibt es aufwww.wahlkabine.at– sozusagen als Entscheidungshilfe für den 11. Oktober. Die programmatischen Antworten der wahlwerbenden Gruppen sind auf dieser Plattform eingespeist. Im Hintergrund stehen Plakate mit Logos der Parteien, die am 11. Oktober kandidieren. Darunter viel Platz für Kommentare der Jugendlichen.

Interviews

Der KiKu befragte einige Jugendliche. Benny Wizani und Mateo Wadl, beide 14 und damit noch nicht wahlberechtigt, kamen mit ihrer Klasse und der Lehrkraft für Geschichte und politische Bildung. „Wir haben im Unterricht viel über Wahlen gelernt und diskutiert, über die Basics. Wenn wir schon wählen dürften, würden wir uns vielleicht noch mehr Infos im Internet holen.“

An inhaltlichen Diskussionen gäbe es vor allem viel über FP und Aslywerber. Wizani hat auch persönlich Kontakt mit Flüchtlingen. Er kommt aus Klosterneuburg "und da helfen viele im Ort den in der Kaserne untergebrachten Flüchtlingen. Mein Vater hat zum Beispiel ein Fußballturnier organisiert und da war ich auch dabei“, meint der Schüler. So wie er würde auch sein Kollege „jedenfalls sicher wählen gehen, wenn wir schon 16 wären.“

Ausgeschlossen

Gächa Samedova aus der 6. Klasse wäre zwar alt genug, „aber ich darf nicht wählen, ich gehöre zu den 24 Prozent, die wegen der Staatsbürgerschaft ausgeschlossen sind. Meine Familie kommt aus Aserbaidschan. Und ich engagiere mich deswegen sehr stark für ein Wahlrecht für alle. Und vor allem gegen Rassismus. Ich finde, es sollte schon ab der 5. Schulstufe, als dem ersten Gym (oder NMS) politische Bildung geben, weil sich dann viel mehr für Politik interessieren würden, jetzt hab ich oft das Gefühl eine der wenigen zu sein, die sich dafür engagiert.“

Hier kommst du zum Ergebnis dieser Probewahlen.

Und hier zur Wahlkabine mit kompakten inhaltlichen Infos der kandidierenden Parteien

... der Wr. Jugendzentren

Wiens Jugendzentren laden auch zu vielfältigen weiteren Aktionen - in ihren Einrichtungen sowie im öffentlichen Raum, um Jugendliche zu informieren und sie - so sie dürfen - zu motivieren, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Ob beim Quiz oder Wahlquartett zur Gemeinderatswahl, bei der Wahl-Schnitzeljagd im Jugendzentrum Großfeldsiedlung, bei der die Teilnehmer_innen Selfies mit allen Spitzenkandidat_innen machen, oder beim Polit-Kochen mit Bezirkspolitiker_innen im Jugi Alt Erlaa.

Wieso ich? #InitiativeWahlrecht

24% der Wiener_innen über 16 Jahre dürfen am 11. Oktober nicht wählen. Das sind über 320.000 Menschen – darunter mehr als 32.000 Jugendliche und junge Erwachsene. Die Wiener Jugendzentren setzten sich mit der #InitiativeWahlrecht dafür ein, dass alle in Wien lebenden Menschen wählen und politisch mitbestimmen dürfen.

Willkür sichtbar machen

Im Jugendzentrum Meidling bietet eine paradoxe Intervention in der Woche vor der Wahl Anlass, sich mit willkürlichen oder unfairen Ausgrenzungen auseinander zu setzen. Beim Betreten des Jugendzentrums erhalten die Jugendlichen eine Karte in schwarz oder weiß. An diesem Abend dürfen nur die Jugendlichen mit der weißen Karte Billard spielen, Brettspiele ausborgen, Getränke an der Bar kaufen usw. Diese willkürliche Maßnahme liefert Diskussionsstoff, warum eine Gruppe von Menschen ausgeschlossen wird. Wie werden Regeln aufgestellt? Wer darf was in einer Demokratie? Was ist in der Politik oder im Jugendzentrum verhandelbar? Welche Regeln braucht es dafür? Ein spannendes Experiment!

Politik & Medien

Medienarbeit hat in den Jugendzentren lange Tradition. Daher gibt es zum Schwerpunkt Politische Bildung auch einige medienpädagogische Angebote. Im Jugendtreff SOVIE können die Besucher_innen ihre eigenen Kurzfilme zur Wahl drehen: Sie erfinden sich als SpitzenkandidatIn, texten eigene Wahlslogans, gestalten einen Filmclip. Dabei lernen sie nicht nur, wie politische Werbung funktioniert, sondern setzen sich auch damit auseinander, was ihnen selbst wichtig ist und was sie selbst wollen.

Spaß am Wählen

Im Jugendtreff ELEVEN gibt es Politik mit Humor. Die politischen Inhalte der Parteien recherchieren die Jugendlichen anhand der Parteihymnen von Christoph & Lollo. Mitarbeiter_innen des ELEVEN repräsentieren zudem je eine Partei und sie dürfen von den Jugendlichen mit Fragen gelöchert werden. Eine sehr lustvolle Einstimmung auf die Wahl am 11. Oktober.

www.jugendzentren.at

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