12-Jährige gab Anstoß für Bestseller

„Ein Brief für die Welt“: „Übersetzung“ der Papst-Enzyklika zum Umgang der Menschen miteinander und der Erde in (kinder-)verständliche Sprache.

Autor, Hubert, seine Enkelin Caro sowie Cousine Livia mit Büchern und einigen der Bilder Autor Hubert Gaisbauer liest aus dem Buch Caro zeigt dem Kinder-KURIER ihr Lieblingsbild aus dem Buch Autor Hubert Gaisbauer liest aus dem Buch Caro spielt auf der Klarinette Klezmerlieder

„Warum schreibt der Papst keinen Brief an die Kinder?“, fragte Caro (12) ihren Opa, den Autor Hubert Gaisbauer. Der begann die Grundsatzschrift von Papst Franziskus, die Enzyklika „Laudato si“ in anschauliche Kapitel zu „übersetzen“. Buchvorstellung mit der Enkelin in Wiener Innenstadt-Buchhandlung.

Krieg und Frieden

"... der Krieg fängt an, wenn irgendwo auf der Welt, sei es in einer großen Stadt oder auf einer ganz kleinen Insel, zu einem Kind niemand Guten Morgen gesagt hat...“

Gegenfrage: Wann und wo fängt der Friede an? „Das Lächeln einer Familie ist in der Lage, diese Wüste in unseren Städten zu besiegen. Wo es Familien mit Liebe gibt, sind sie fähig, das Herz einer ganzen Stadt aufzuwärmen.“

Der fiktive Dialog ist eine Montage in dem Buch „Ein Brief für die Welt“. Hubert Gaisbauer hat diesen „Brief“ geschrieben, Leonora Leitl spannend, künstlerisch illustriert, „nein nicht illustriert, die Künstlerin hat die Texte in ihren Bildern fortgesponnen“ wie der Autor bei der Buchpräsentation in der Wiener Tyrolia-Buchhandlung am Stephansplatz zu der die Malerin nicht kommen konnte, sagte.

Liebe Caro...

Ein 'Brief für die Welt, Buchpräsentation Foto: Heinz Wagner Das knapp 100-seitige Buch (Verlag Tyrolia) „übersetzt“ die jüngste Enzyklika (Laudato si) von Papst Franziskus in allgemein verständliche Sprache. Der Autor kleidet diese „Übersetzung“ in die Form eines Briefes an ein Mädchen: „Liebe Caro, erinnerst du dich, wie du mich gefragt hast, warum der Papst eigentlich keinen Brief an die Kinder schreibt?...“ Weil, so die weitere Erklärung, eine Enzyklika sei eigentlich nichts anderes als ein Brief des Oberhauptes der katholischen Kirche an die Gläubigen und darüber hinaus im Grunde genommen an alle Menschen.

 

Und diese Caro – das stellte sich bei der Vorstellung des Buches heraus – gibt es wirklich. Sie ist 12 und die Enkelin des Autors. „Es ist wirklich so, wie's im Buch steht. Wir sind vor dem Fernseher gesessen und haben gehört, dass der Papst eine neue Enzyklika geschrieben hat. Ich hab den Opi gefragt, was das überhaupt ist. Als er dann gesagt hat, dass ist so eine Art Brief an die Menschen, hab ich ihn gefragt, warum er keinen Brief an die Kinder schreibt, wenn's um die Erde, die Natur und alles geht. Das betrifft ja auch uns“ - und in der Zukunft vor allem die heutigen Kinder, wie etwa immer wieder die von Kindern, namentlich Felix Finkbeiner, vor fast zehn Jahren gegründete weltweite Initiative „Plant for the Planet“ betont.

Skeptisch

Caros Fragen und Anregungen veranlassten Opa Hubert, die Enzyklika in ca. zwei Dutzend anschauliche Kapitel aufzubereiten. Immer wieder, so der Autor und die Inspiratorin, sei letztere skeptisch gewesen, ob es auch wirklich zum versprochenen Buch käme. „ich hab mir beim schreiben immer die Caro vorgestellt, würde sie das interessieren, gelangweilt drein schauen oder der Text sie gar nicht erreichen“, meint der Autor zum KiKu. Nur, wenn er überzeugt gewesen sei, dass er sie – und damit auch andere Kinder – erreichen könnte, war Gaisbauer mit den Texten zufrieden.

Lesen und schreiben

Ein 'Brief für die Welt, Buchpräsentation Foto: Heinz Wagner „Als das Buch dann da war, haben wir – meine Cousine Livia (15) und ich uns dann Kapitel daraus vorgelesen“, freut sich Caro. Zur Buchprsäentation spielte sie auf ihrer Klarinette Klezmerlieder von Abraham Goldfaden. „Früher hab ich auch selber Geschichten geschrieben“, verrät sie dem Kiku, „aber jetzt hab ich nicht mehr so viel Zeit: Schule, Schule und noch einmal Schule. Und wenn ich dann nach Hause komm, hab ich noch Hausaufgaben.“ Die meisten ihrer früherer Geschichten „waren Kurzgeschichten, erfundene, die hab ich in ein Buch reingeschrieben, manche auch auf Zettel, da hab ich aber einige verloren. Aber für Lesen hab ich schon noch Zeit, am liebsten Detektivgeschichten und oft auch in der Bibel.“ Die ältere Cousine schreibt zwar nicht, „aber ich lese auch gern und viel. Spannend muss ein Buch sein“, das sie gerne liest.

Caro hat übrigens im Bild – nach längerem Nachdenken ein Lieblingsbild und zeigt auf jenes vom „gemeinsamen Haus“ - ein Wortbild das der Papst verwendet, um immer wieder darauf hinzuweisen, dass wir alle mehr Rücksicht nehmen müssen, um diesen Planeten, dieses gemeinsame Haus, nicht (weiter) zu zerstören.

Zweite Chance

Auf Anhieb fällt Caro hingegen eine Lieblingsgeschichte ein, „die vom Radio“. Im Kapitel „Gib den Dingen eine zweite Chance“ erinnert sich der Autor an ein seltsames Phänomen in jungen Jahren. Die Familie mit wenig Geld bekam von einem guten Onkel ein von diesem repariertes altes Radiogerät. Eines Tages gab es den Geist auf. Nach einem kleineren Erdbeben funktionierte es wieder. „Vermutlich ist durch die Erschütterung des Sturzes ein Kontakt in seinem Inneren wiederhergestellt worden“, schreibt dazu Hubert Gaisbauer. Und am Ende dieses Kapitels zitiert er aus der päpstlichen Enzyklika: „Die Erde, unser haus, scheint sich immer mehr in eine unermessliche Mülldeponie zu verwandeln.... Diese Probleme sind eng mit der Wegwerfkultur verbunden, die sowohl die ausgeschlossenen Menschen betrifft als auch Dinge, die sich rasch in Abfall verwandeln... Etwas aus tiefen Beweggründen wiederzuverwerten, anstatt es schnell wegzuwerfen, kann eine Handlung der Liebe sein, die unsere eigene Würde zum Ausdruck bringt.“

Zitate aus der Enzyklika

Ein 'Brief für die Welt, Buchpräsentation Foto: Heinz Wagner Die zweite Enzyklika des aktuellen Papstes dreht sich um die Zukunft der Menschheit und der Erde insgesamt. Das Buch will so manches, das in nicht gerade einfacher Sprache geschrieben ist, nicht nur ent-komplizieren, sondern auch gleich in anschauliche Geschichten verpacken – am Ende der Kapitel sind dann jeweils ein, zwei (auf Deutsch übersetzte) Zitate aus der Original-Enzyklika angeführt.

Erklärt wird auch ziemlich am Beginn des Buches, weshalb diese Enzyklika (aus dem Griechischen: „einen Kreis bildend“ – ein schreiben, das die große Runde macht...) „Laudato si“ heißt. Dies ist der italienische /sei gelobt) Anfang des „Sonnengesangs“, eines großen Gedichts von Franz von Assisi. Und der wiederum ist sozusagen der Namenspatron des jetzigen Papstes. Der heilige Franz hat vor rund 800 Jahren gelebt und nach seiner Gefangenschaft im Krieg zwischen Assisi und Perugia außerhalb der Stadtmauern Aussätzige (an Lepra erkrankte Menschen) gesehen, stieg vom Pferd, umarmte – der Legende nach – einen von Geschwülsten und Geschwüren übersäten Mann, schenkte ihm all sein Geld – und empfand dabei noch nie gekanntes Glück. Statt als Kaufmann im Stoffgeschäft seines Vaters zu arbeiten, war er sich eine hässliche, braune Kutte um und verbrachte fortan die Zeit mit Armen, Kranken, ... legte auch Wert auf den sorgsamen Umgang mit Tieren, Pflanzen, ja sogar auf verschüttete Wassertropfen wollte er nicht mit schmutzigen Füßen oder Schuhwerk treten – so die Geschichte...

Katholischer Heiliger, Rabbi und islamischer Sheik

Ein 'Brief für die Welt, Buchpräsentation Foto: Heinz Wagner Um den sorgsamen Umgang mit Mitmenschen, Tieren und den Ressourcen unserer Erde, den Klimawandel usw. dreht sich die ganze Enzyklika, also der „Brief an die Welt“ von Papst Franziskus. Dazu gibt’s die Geschichte einer coolen Jeans und die Enzyklika-Sätze darüber, dass „Kaufen nicht nur ein wirtschaftlicher Akt, sondern immer auch eine moralische Handlung ist“...

Ach ja, der eingangs zitierte fiktive Dialog wurde zusammengestellt aus einem Zitat von Rabbi Shlomo Carlebach, der sich auch für Arme eingesetzt hat, am Ende eines Konzerts. Die Antwort über den Beginn des Friedens stammt vom Papst.

Das Buch stellt übrigens in einem der letzten Kapitel einen weiteren Menschen vor, der nicht unähnlich dem Franz von Assisi bzw. dem eben genannten Rabbi Shlomo handelte: Ali Al-Khawwas, Sheik von Ägypten, der vor rund 500 Jahren wie Franz von Assisi freiwillig in Armut lebte, nicht nur Geld mit Armen teilte, sondern auch die Menschen davon zu überzeugen versuchte, auf die Natur zu achten, da er in ihnen die Spuren Gottes sah – wie Franz. Auch wenn beide an jeweils einen anderen Gott glaubten, der eine an den christlichen, der andere an Allah, den Gott im Islam. Und dazu der zuvor erwähnte Rabbi als Vertreter des Judentums – sozusagen eine andere Form von Lessings Ringparabel „Nathan, der Weise“.

Ein 'Brief für die Welt, Buchpräsentation Foto: Heinz Wagner Von Ali Al-Khawwas stammen die folgenden Sätze: „Es liegt ein feines Geheimnis in jeder Bewegung und in jedem Laut in dieser Welt. Die Eingeweihten gelangen dahin zu erfassen, was der wehende Wind, die sich biegenden Bäume, das rauschende Wasser, die summenden Fliegen, die knarrenden Türen, der Gesang der Vögel, der Klang der Saiten oder der Flöten, der Seufzer der Kranken, das Stöhnen der Betrübten uns sagen...“

Die erinnern doch sehr stark auch an den Franz von Assisi. Die eben zitierten Sätze baute Papst Franziskus als Anmerkung in seine Enzyklika, also den Brief an die Welt, wahrscheinlich zum ersten Mal Sätze eines Moslems in einer katholischen Enzyklika!

Infos

Das Buch

Hubert Gaisbauer, Leonora Leitl
Ein Brief für die Welt
Die Enzyklika Laudato Si von Papst Franziskus für Kinder erklärt
ca. 100 Seiten
Verlag Tyrolia
14,95 Euro

Video

Caro spielt Klarinette

(kiku) Erstellt am
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