© Heinz Wagner

Jostein Gaarder
11/21/2013

Nicht mein bestes, aber mein wichtigstes Buch

Klimawandel - eingepackt in eine spannende Story. Nora (fast 16) trifft ihre Urenkelin Nova im Jahr 2084. Interview des Autors Jostein Gaarder mit dem Kinder-KURIER.

von Heinz Wagner

Der Klimawandel wandelt seit Kurzem auch durch die Kunst. Nach vielen Sachbüchern und Dokus ist er auch Thema in Romanen, Filmen … „2084 – Noras Welt“ heißt das jüngste Werk des bekannten norwegischen Autors Jostein Gaarder auf Deutsch (warum nicht Anna wie im Original dazu später). Diese Nora feiert am 12.12.2012 ihren 16. Geburtstag. Der Großteil der Handlung spielt sich knapp davor ab und führt sie und damit dich als Leserin oder Leser immer wieder ins Jahr 2084 (im Original 2082) – meist in den Träumen Noras. Dort trifft sie als alte Frau auf ihre Urenklein namens Nova, die so alt ist wie sie in der Gegenwart. Tiere, Pflanzen, die meisten Lebensräume kennt sie nur mehr aus wunderbaren Dokus – und einem fahrenden Zoo, der letzte Exemplare einiger Arten durch die Lande karrt.

Nora fühlt sich verantwortlich – und sie bekommt von ihrer Nachfahrin eine zweite Chance: Jetzt was zu tun, damit ihre Urenkelin auch noch so viel Natur und Vielfalt auf der Erde erleben kann wie sie selbst.
Gaarder packt in die Story viele Fakten ein, „Wichtig war mir aber, eine Geschichte zu erzählen. Wir Menschen brauchen Geschichten – und merken uns Dinge auch viel leichter und besser, wenn sie in Storys verpackt sind“, erzählt er immer und immer wieder – auch im Interview mit dem Kinder-KURIER.

Herzensangelegenheit

„Es ist literarisch sicher nicht mein bestes Buch, aber eines, das mir sehr wichtig ist, am Herzen liegt“, meint Jostein Gaarder, der berühmte „Vater“ von „Sofies Welt“, einem Buch, das vor rund 20 Jahren zum Bestseller wurde – übersetzt in mehr als vier Dutzend Sprachen. Die Philosophiegeschichte in Geschichten „verpackt“ eröffnete für viele oft erstmals die Gedankengebäude großer Denker vergangener Jahrhunderte und Jahrtausende.

Von Anna zu Nora

Sein neuestes Buch, das im norwegischen Original schlicht Anna heißt, bekam im Deutschen einen ganz anderen Titel „2084 – Noras Welt“, weil der Verlag schon ein Buch „Anna und Anna“ im Angebot hat, vielleicht auch um an Orwells „1984“ zu erinnern. Und an „Sofies Welt“ anzuknüpfen. Und mit „Nora“ an Henrik Ibsens berühmtes Theaterstück. „ich war einverstanden, wenn der vielleicht auch ein bisschen zu viel Assoziationen enthält“.

Auf die Frage der „Verwandtschaft“ zwischen Sofie und Nora meinte Gaarder: „Als ich Sofies Welt geschrieben habe, war Klimawandel leider noch kein großes Thema, das wurde es aber bald danach. Und ab da war mir klar, das fehlt in Sofies Welt. Nur ganz kurz bei Spinoza kommt die Verbindung des Menschen mit dem Kosmos vor.“

Interview

Und dann war gleich klar, da muss ein neues Buch her?
Gaarder: „Irgendwie schon. Zuerst hab ich viel zum Thema recherchiert, auch mit führenden Fachleuten gesprochen, selber Artikel dazu verfasst und Vorträge gehalten, aber für ein Buch brauchte ich noch eine Geschichte. Die ist mir erst viel später eingefallen.“

Kennen Sie die Initiative „Plant fort the Planet“, die von Kindern ausgegangen ist und seit ein paar Jahren in den meisten Ländern der Welt von Kindern und Jugendlichen getragen wird und bisher schon fast 13 Milliarden Bäume gepflanzt hat – die „Maschinen“, die gegen Klimawandel helfen?
Leider nein.

Sie haben gesagt, Sofies Welt hätten sie nie schreiben können, wenn sie nicht davor ungefähr zehn Jahre lang als Lehrer Philosophie unterrichtet hätten, wieso?
Ich hab mir als Lehrer immer überlegt, wie ich die Themen vermitteln kann, Beispiele gesucht, die Inhalte in Geschichten verpackt. Das erst hat dieses Buch möglich gemacht.

Ist ihnen nach dem Wechsel zum Schriftsteller die Schule, das Unterrichten nicht abgegangen?
Vieles wurde leichter, ich musste nicht mehr jeden Tag in der Früh so zeitig aufstehen, aber sicher, ich war gern Lehrer, der Austausch mit den Jugendlichen war mir wichtig, ist es mir heute auch noch. Ich bin zum Glück viel bei Lesungen mit Kindern und Jugendlichen – oft in einer ähnlichen Situation wie als Lehrer.

In „Noras Welt“ kommt an mehreren Stellen vor, dass wir Menschen zu wenig oder fast nie an die späteren Generationen denken…
… ja, wir denken an unsere Kinder, Enkelkinder, vielleicht noch eine Generation weiter, aber kaum weiter. Dabei müssten wir uns einfach vornehmen, die Welt nicht schlechter zu hinterlassen als wir sie vorgefunden haben.

Felix Finkbeiner, Initiator von Plant fort he Planet, jetzt 16, schreibt in seinem kleinen Büchlein „Alles würde gut“, dass er Chief Shaw, den Häuptling eines Stammes amerikanischer Ureinwohner getroffen habe, der ihm erzählte, dass sie bei wichtigen Entscheidungen immer prüfen müssen, wie sich diese in der siebenten (7!) Generation auswirken.
Wir mĂĽssen auch sofort beginnen, zu handeln, um keine schlechtere Welt zu ĂĽbergeben, jetzt mĂĽssen wir Anfang, JETZT!!!
Bei dem Interview mit dabei zwei Jungjournalistinnen, Flora Feigl (14) und Melina Nicolussi (13). Aus ihren Fragen und Gaardners Antworten sowie zwei Fotos gestalteten sie eine Zeitungsseite, die du
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