© Holger Schober

Kiku
06/14/2012

Leises, vielstimmiges Spiel einer harten Geschichte

"Zigeuner-Boxer" erzählt eine wahre Geschichte aus der Sicht eines Mitläufers

Boxen – ein eher lauter, schlagkräftiger Sport. Die Story eine harte, brutale. Sie baut auf der wahren Geschichte Johann Trollmanns, genannt „Rukeli", auf. Und sie wird mit so vielen leisen, sanften, streckenweise auch musikalischen, Tönen von Michael Pöllmann in einem Boxring erzählt. Trifft vielleicht genau deswegen noch viel härter.

Aber zunächst zur – sicher viel zu wenig bekannten Historie. Trollmann war fantastischer Boxer in Deutschland. Der Sinto durfte zwar noch boxen, sein Trainer, ein Jude, hatte schon Auftrittsverbot. Aber als er eindeutig den Kampf um die deutsche Meisterschaft gewonnen hat, wird ihm der sie nicht zuerkannt, er hätte zu „undeutsch" gekämpft. „Undeutsch ist es, auszuweichen, anzutäuschen, schneller, beliebter zu sein, schwarze Locken zu haben..."

Freunde nennen mich nicht Zigeuner

Diese Grundgeschichte verpackte Autorin Rike Reiniger in eine fiktive. Ihre Hauptfigur ist Hans, ein erfundener Freund Trollmanns, der bei ihr Wilhelm Weiss, heißt. Und von Hans am Zug ins Konzentrationslager mit „Mach`s gut, Zigeuner-Boxer" verabschiedet wurde.

Der antwortet: „Mach`s auch gut, Hans! Im Übrigen heiße ich Wilhelm Weiss. Meine Freunde nennen mich Ruki, Zigeuner nennen sie mich nicht."

Hans war dies extrem peinlich. Am liebsten hätte er vieles, alles und vor allem noch kommendes Schlimmeres, vergessen.

Die Haltung des Freundes, eines Mitläufers, der den Verfolgten nicht nur „Zigeuner" nennt, sondern ihm auch praktisch nie beisteht – das stellt dieses Stück ins Zentrum.

Viele Stimmungen und Gefühle

Und der Schauspieler, die ganze Zeit allein im Ring, verkörpert sowohl diesen Hans als auch in manchen Szenen, wo er über den tollen Boxer erzählt, diesen in all seinen verschiedenen Stimmungen und Gefühlen: Vom jubelnden Sieg über den K.O.-Schlag, als der bessere nicht Sieger sein darf, die Freude von Hans, der als 12-Jähriger, auf dessen Geburtstag die eigene Familie vergessen hat, von Wilhelm einen Apfel geschenkt bekommen hat bis zu jenen Momenten, wo er allerdings den Freund verrät, sich aus Feigheit nicht zu ihm bekennt. Und genau deswegen über erinnern und vergessen philosophiert.

Und ganz leise, aber sehr hart endet. So dass – trotz großartiger Leistung – das Applaudieren schwer fällt. Lieber ruhig da sitzen, nachwirken lassen geht`s durch den eigenen Kopf.

Infos

Zigeuner-Boxer
Guerilla Gorillas & DSCHUNGEL WIEN

Autorin: Rike Reiniger (Aufführungsrechte: Theaterstückverlag, München)
Inszenierung: Holger Schober
Darsteller: Michael Alexander Pöllmann

Mi. 28. Nov. 19:30
Fr. 30. Nov. 19:30
EXTERNER VERANSTALTUNGSORT
mo.ë / pica pica e.V.,
1170 Wien, Thelemangasse 4/1

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