© Bettina Frenzel

König Lear
05/20/2016

So a depperte Frog

"frau franzi" spielt wieder genial einen neuen "Schäggsbia", nämlich "könig lear" im Wiener Kosmos-Theater.

von Heinz Wagner

Mittlerweile ist den meisten Besucher_innen von Anfang an klar, dass die kleine Frau im Schürzenkleid mit groß-kariertem Kopftuch im Foyer des Theaters nicht die Putzfrau, sondern DIE Frau Franzi ist, deren neuestes Stück sie dann auf der Bühne erleben wollen. Marika Reichhold, so heißt „frau franzi“ spielt derzeit im Wiener Kosmos-Theater „könig lear“, es ist ihr fünftes Einzelstück nach William Shakespeare oder wie sie ihn nennt Schäggsbia.

Fetzen-Puppen

Ihre Spezialität: In einer Art Alltagssprache – in Mundart, gespickt mit manch schönen oft fast schon in Vergessenheit geratenen Dialektausdrücken – die Geschichten aufs Wesentliche zu konzentrieren, den Kern sozusagen heraus zu schälen. Und über die Art der einfachen Erzählung mit wenig Requisiten oder gar Kostümen die Aufmerksamkeit aufs Wesentliche zu lenken. Da lenkt nichts ab, da ist die pure Spiellust der Theaterfrau, die in alle vorkommende Rollen schlüpft – mit Veränderungen in der Stimme, Fetzen, Tüchern und Stöcken, die Lears Töchter Goneril, Regan und Cordelia darstellen. Das höchste der Gefühle an Verkleidung ist die Art clownesker Krone mit Bart, Brille und Nase für die Hauptfigur. Später als er alt ist, abgedankt hat und von den beiden erstgeborenen Töchtern vertrieben wurde, die dritte hat er ja selbst verjagt, allein in der Pampa unterwegs ist, bleibt von der glänzenden Krone eine Art Strohkranz.

Mit Grusellust schildert „frau franzi“ blutrünstige Ab- und Augenausstechereien (Graf Gloucester), um auch sogenannte Heldentaten auf das Wesentliche derselben runterzubrechen.

Liebe messen?

Ausgangspunkt für König Lear, den sie – wie viele andere ihrer Stücke – eher so nebenbei beginnt „woar die depperte Frog.“ Ja sie wisse schon, es sei die Meinung verbreitet, dass es keine blöden Fragen, sondern lediglich solche Antworten gebe. Aber, ... und dann beginnt sie in ihrer erdigen Art die Shakespeare’sche Tragödie zu erzählen. Für sie ist der Kern der Geschichte eben der Moment, als Lear des Regierens und Herrschens müde abdankt und das Reich unter seinen drei Töchtern aufteilen will. Die „saudepperte Frog“ an Goneril, Regan und Cordelia, wie sehr ihn seine Töchter lieben.

Die beiden ersteren schmeicheln ihm – aus Berechnung und schildern ihre Zuneigung in höchsten Tönen. Die dritte, eigentlich seinen Liebling, verstößt er, nachdem sie nicht übertreibt, nicht schmeichelt, sondern nur meint, so wie eine Tochter eben ihren Vater liebe.

Die Frage war der Kern

Diese Frage sei es auch gewesen, die für sie der Dreh- und Angel-, ja Ausganspunkt gewesen sei, sich das Stück herzunehmen. „Ja und dann beginnt die intensive Arbeit mit dem Originaltext. Aus der einen oder anderen Szene, oft nur aus einem Satz hab ich dann Ideen, wie ich das für mich übersetzen und spielen kann...“ Das alles schreibe sie sich auf und am Ende „muss ich vieles weglassen, weil es sonst sehr, sehr viel zu lang wäre“. Mit einem roh konzipierten Stück beginne dann die Arbeit mit dem Regisseur... Und am Ende steht wieder eine runde, mit sehr viel Humor gespickte, erdige – down to earth – Version eines Shakespeare, pardon Schäggsbia.

Was? Wer? Wann? Wo?

König Lear – eine Welturaufführung!
Koproduktion frau franzi & KosmosTheater

Dramaturgie & Spiel: Marika Reichhold
Regie: Christian Suchy

Bis 21. Mai 2016, jeweils 20 Uhr
21. Bis 23. Juni 2016, jeweils 20 Uhr

KosmosTheater
1070 Wien, Siebensterngasse 42
Telefon: (01) 523 12 26
www.kosmostheater.at

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