Kleine Einblicke auf das European Union Youth Orchestra

Einige Bilder - und Interviews mit jungen EUYO-Musiker_innen

Die rund 150 Musiker_innen kommen aus 27 verschiedenen Ländern, den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. Das ist Bedingung des European Union Youth Orchestra. Es basiert – wahrscheinlich als einziges Orchester der Welt – auf einem Parlamentsbeschluss. Ins Leben gerufen hatte es das britische Ehepaar Joy und Lionel Bryer. Die Idee: Ein emotionales, lebensfrohes, künstlerisches Symbol von Völkerverständigung, Frieden, soziales und kulturelles Verständnis zu schaffen. Es gelang Claudio Abbado als ersten musikalischen Direktor dieses EU-Jugend-Orchesters zu gewinnen. Und klar war mit dem EU-Parlamentsbeschluss auch, wächst die Union, dann auch das Orchester. Mitunter werden künftige, fixe Erweiterungen auch langsam vorweggenommen. So führte die diesjährige Frühjahrstournee zwischen Polen und der Schweiz unter anderem auch nach Zagreb und zwei junge kroatische Musiker_innen wurden dabei ins Orchester integriert. Integriert – in alle Proben (und das erste Konzert) sind auch nicht ganz ein Dutzend jugendlicher Musiker_innen, die für die Summer School aufgenommen wurden. Mit ihnen sprach der Online-KiKu über ihre musikalischen Werdegänge. Dazu gesellten sich auch noch zwei junge erwachsene Musiker_innen, die im Vorjahr die Summer School mitmachen konnten und heuer die Audition fürs reguläre Orchester, das im Sommer, vor allem aber im kommenden Frühjahr, tourt. Der 17-jährige Geiger Alexandru Mihai aus dem rumänischen Ploesti hatte mit acht Jahren erstmals die Saiten der Violine gestrichen. Der Vater spielt Gitarre, „meine Mutter hat einen starken Charakter und sie unterstützt mich, sie zwingt mich nicht, aber sie gewährt mir jede Hilfe bei meiner musikalischen Laufbahn“, erzählt Mihai dem Kinder-KURIER. Zufällig sie er in dieses Orchester gekommen, Sei Geigenlehrer habe ihm davon erzählt, „ich ging zur Audition. Und wurde genommen. Es ist eigentlich das erste Mal, dass ich so wirklich in einem Orchester spiele, bisher hab ich fast nur solistisch gegeigt. Aber es ist einfach großartig hier!“ Ana Filipa Oliveira Lima aus Porto spielt Querflöte „seit ich zehn Jahre bin. Mit vier hab ich Blockflöte begonnen, später andere, auch die Piccolo. Mein Vater spielt Saxophon und hat mir alle Blasinstrumente gezeigt und ausprobieren lassen. Zuerst hab ich mit meinem Vater geprobt, dann bei einem eigenen Lehrer. Die Audition fürs EUYO fand bei uns in der Schule statt. Da war ich dann nicht so nervös.“

Ihr 17-jähriger Landsmann Miguel Àngelo Coutinho Pais spielt zwei Drittel seines Lebens schon Trompete. „Mit sechs hab ich angefangen, mein Bruder spielt Saxophon, er hat mit Klavier begonnen. Bei uns in Portugal spielen viele Kinder Trompete“, entkräftet er skeptische Blicke ob des scheinbar jungen Alters für den Trompeten-Start. Im gleichen Alter begann Eszter Aliz Nauratyill aus dem ungarischen Zalaegerszeg die Geige zu spielen. Die Eltern spielen in einem Orchester, die Schwester Klavier und die kleine Eszter durfte auf der Gegie der Großmutter probieren. Es war eine Liebe auf den ersten Zupfer, „am Anfang hab ich einige Monate nur Pizicatto (mit den Fingern zupfen, statt mit dem Bogen streichen) gespielt. Da kannst du schneller und besser Töne erzeugen. Das hab ich sehr gemocht. So richtig zu spielen begonnen hab ich dann erst in der Schule.“
Das EUYO findet sie – wie alle anderen eine Wucht. „Nur mein Englisch ist nicht so gut, drum brauch ich für die Verständigung immer wen aus Ungarn zum Übersetzen. Mavroudes Troulloas aus dem griechischen Teil Zyperns hat „mit fünf Jahren angefangen, Klavier zu spielen, aber mit 13 hab ich dann auf Fagott gewechselt. Meine Eltern sind auch Musiker. Mein Vater sagte immer, ich solle einfach möglichst alles ausprobieren. Ja, und mit 13 hab ich’s dann mit dem Fagott probiert. Und bin seither dabei geblieben.“ Und das sind nun immerhin auch schon sechs Jahre. Dennoch ist er nicht darauf fixiert. „ich mag auch Computern, Kunst, bin eigentlich offen für alles. Das ist manchmal auch ganz schln anstrengend. Am Ende der High-School war ich richtig fertig. Jetzt kann ich mich auf die Musik konzentrieren, ab September werde ich in Leipzig (an der Felix-Mendelssohn Bartholdy-Hochschule für Musik und Theater) studieren.“ Die Dänin Matilde Zeeberg spielt Kontrabass. „Angefangen hab ich mit sechs Klavier zu spielen, auf den Kontrabass hab ich mit 14 gewechselt. Ich liebe dieses Instrument, ich mag es, mit anderen in einem Orchester zu spielen und der Kontrabass ist so was wie ein Basis-Instrument, du kannst sofort fühlen, wenn er fehlt. Und ich mag es, wichtig zu sein. Und das bin ich mit dem Bass!“ Vilém Petras aus der tschechischen Hauptstadt Prag spielt die größere Schwester der Geige, das Cello. Auch er ist elterlich musikalisch vorbelastet, was für ihn aber nicht notwendigerweise in dieser Schiene landen hätte müssen. „Ich wollte als Kind eigentlich mehr Sport betreiben. Ich mein, ich hab schon auch gern Cello gespielt. Und Tennis. Aber irgendwann musste ich mich entscheiden, worauf ich mich mehr konzentrieren wollte. Und da war mir dann das Musikgymnasium doch lieber, als noch zwei Mal am Tag neben der Schule Tennis zu trainieren.“ Der Hornist Paul Barth ist mit 16 einer der Jüngsten des Orchesters. Internationalität ist ihm in die Wiege gelegt – mit Deutsch und Französisch von den Eltern aufgezogen lebte er zuletzt in dem kleinen multikulturellen Luxemburg. Vater Gitarrist, spielt die Mutter Oboe und Klavier. Klein-Paul begann auch früh die weißen und schwarzen Tasten zu spielen, profitierte vor allem aber von einem Allround-Musik-Programm in den ersten Schuljahren. „Das hieß Soulfish. Da haben wir alles mögliche ausprobiert – Instrumente aber vor allem Rhythmus-Übungen gemacht und gesungen. Und beim Probieren hat mir das Horn besonders gut gefallen.“ Eine damals begonnene Leidenschaft, die nun gut zehn Jahre anhält. „Die Proben hier beim EUYO sind hart, aber sehr spannend. Und es ist super, dass du mit lauter jungen Leuten zusammen bist, die alle in einem Punkt dasselbe wollen: Musik machen!“ Die Schwedin Minna Svedberg, zählte im Vorjahr noch zu den Summer-School-Studierenden, in diesem Jahr ist die Bratschistin ordentliches Mitglied des EUYO. Dabei war sie zu diesem Instrument gar nicht freiwillig gekommen. „Ich hab mit Geige begonnen. Da war ich fünf. Gebettelt hab ich schon als ich zweieinhalb war. Aber da sind die Finger noch zu unkontrolliert und die winzig-kleinen Geigen geben auch keinen guten Klang, drum haben mich meine Eltern, mein Vater ist Musiker, vertröstet. Mit fünf bekam ich dann meine erste Geige. Zehn Jahre später wurde in einem Orchester eine Bratschistin gebraucht und dringend gesucht. Man hat mich gefragt. Eigentlich wollte ich gar nicht, die Bratsche hat mich einfach nicht interessiert. Sie ist zwar ähnlich, hat statt der E- aber eine C-Saite, und wird auch anders gehalten, es ist daher schon eine ziemliche Umstellung, aber … na ja, dann hab ich’s doch probiert. Und seither spiel ich sie...“

Wie sie wurde auch Victor Koch-Jensen ins Orchester aufgenommen. Das ergab ebenfalls sein überzeugendes Spiel bei der neuerlichen Audition. Der Trompeter (seit ich acht bin) freut sich über die Auszeichnung vor allem, „weil ich die Atmosphäre hier liebe. Da verbindet sich das musikalische und das soziale – du kannst den ganzen Tag machen, was du liebst, nämlich Musik. Und triffst lauter junge Leute, für die das genau so ist!“ Vater und Bruder sind auch Bläser, Klarinette spielt ersterer Fagott der Bruder.

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(kurier) Erstellt am
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