Die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler des Vereins SchauSpielWerk spielen einen Henning Mankell

© Gerhard Deutsch

Kinder und Jugendliche
08/30/2015

Moch ma a Theater?!

Jugendliche spielten Henning Mankells "Der gewissenlose Mörder..."* im Wiener WuK. Der KiKu interviewte die neun Schauspieler_innen zwischen 12 und 14 Jahren.

von Heinz Wagner

Der gewissenlose Mörder...." (*) des bekannten schwedischen Krimi-Autors Henning Mankell – gespielt von neun Jugendlichen im Wiener Werkstätten- und Kulturhaus. 12- bis 14-Jährige schlüpfen in über weite Strecken düstere, durch mitunter sarkastischen Humor aufgelockerte Rollen. Auch wenn es gegen Ende des knapp mehr als einstündigen Stücks mit einem mordsmäßig langen O-Titel (*) tatsächlich um die Schuld am Tod eines Menschen geht, dreht es sich die meiste Zeit vor allem um eine Grundfrage: Mach ich wo mit, nur damit ich nicht alleine, ausgeschlossen bin, eine Freundschaft aufs Spiel setze? Ist mir die Anerkennung, Zuneigung wichtiger und ich setz Handlungen, die ich selber gar nicht für richtig finde?

Gar nicht langweilig

Der KURIER traf die jungen Bühnen-Akteurinnen und -akteure des Vereins SchauSpielWerk unmittelbar nach ihrer letzten Aufführung zum Gespräch – noch in Kostümen und der Kulisse des Stücks.

Der 14-jährige Camillo Bauer ist erst seit einigen Monaten dabei. Dazu gekommen ist er über seinen Bruder, der schon vorher in der Gruppe gespielt hat. „Ich hab zugeschaut, obwohl ich sonst nie ins Theater gegangen bin, weil ich dachte, es sei langweilig.“ Das war’s dann doch nicht und er wechselte von der Publikumstribüne auf die Bühne.

Zoe Estermann (13) hat schon mehr als ihr halbes Leben lang Bühnenerfahrung, „seit ich 6 bin. Da hab ich auch angefangen Klavier zu spielen, auswendig lernen ist mir auch leicht gefallen. Am Theater macht mir alles Spaß, vor allem die Proben, das Lernen in der Gemeinschaft.“

Flora Burger, die sogar so überzeugend spielt, dass du ihr bei ihrem ersten Auftritt die gebeugte, alte Frau abnimmst, hatte schon drei Brüder als Vor„kämpfer“ auf der Bühne erlebt. Sie selber kommt eher vom Tanzen „das mach ich schon lange und sehr viel. Als Besucherin bin ich oft schon ins Theater gegangen. Es ist ganz anders wie bei einem Film und es macht mir total Spaß. Erstens, weil ich da neue Leute kennen lerne, es lustig ist, mit den anderen die Texte zu lernen. Und weil es mir taugt, wenn ich von der Bühne aus die Zuschauer zum Lachen bringen kann.“
Sie hat in diesem Stück nicht so besonders viel Text, „ich war aber trotzdem zufrieden, weil ich ohnehin sehr viel für die Schule zu tun hatte und am Wochenende mag ich‘s schon, wenn ich meine Ruhe habe.“
Leon Carvalho, ebenfalls erst 12, überzeugt vor allem durch seine Doppelrolle als Jan und Aurelia – in der er nicht leicht zu erkennen ist. Auch er ist erst seit einigen Monaten in der jungen Theatergruppe. „Meine Schwester hat da angefangen und ich wollt’s auch einmal ausprobieren.“ Und es hat ihm sichtlich gefallen. Nur mit Mantel und Perücke in die Rolle der Aurelia zu schlüpfen „war eh o.k. Trotzdem hab ich den Jan lieber gespielt, weil ich da mehr zu tun hatte und auch mit der Posaune spielen durfte.“

In ganz gegenteilige Rollen schlüpfen

Magdalena Weinbub (14) spielt „seit zwei, drei Jahren regelmäßig. Vorher hab ich aber schon mit 6 Jahren als ich mit meinen Eltern auf Urlaub war, zum ersten Mal Theater gespielt.“ Auch in ihrer Schule besucht€ sie Theaterkurse. „Ich liebe es, mich in Rollen zu versetzen, die ganz anders sind wie ich selber bin, zum Beispiel in eine extreme Tussi oder so. In echt bin ich laut und asozial aber seltsamerweise nur zu Leuten, die ich liebe.“ Sogar in ihrer Freizeit steht sie mitunter drauf, sich ganz zu verstellen, gesteht sie dem Kinder-KURIER, „schon auch mal zickig zu sein“.

Die 13-jährigeBianca Kobaldist seit zwei Jahren beim SchauSpielWerk, „aber ich hab vorher schon immer wieder in der Schule bei Aufführungen gespielt. Es hat mir immer gefallen und ich hab dann bewusst eine theatergruppe gesucht, auch wenn ich sonst viel tanze – Ballett, Jazzdance, Zumba, Hip-Hop. Ich hab aus Spaß beim SchauSpielWerk reingeschnuppert und es hat mir sehr zugesagt. Ich liebe es, aus meinem Leben raus zu treten und in andere Rollen reinzuschlüpfen. Das geht bei mir mit dem ersten Satz auf der Bühne. Da bin ich dann voll drinnen. Und mit dem Applaus ist’s sofort aus! Da bin ich wieder ich.“ Die Bühne „war schon eine Zeitlang mein Traumberuf. Aber jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher, weil es halt schon schwer ist, davon leben zu können.“

Franziska Kruschinski hat „mit 12 Jahren mit Impro-Theater begonnen. Das war lustig und hat allen Leuten gefallen. Ich erinner mich zum Beispiel, dass ich einmal eine sprechende Kerze spielen sollte, die eine Oper singt.“ Die 14-Jährige schaut sich auch gern Theaterstücke an. Das Spielen eines Stückes „find ich jetzt sogar besser als Improvisationstheater“.

Liebe Teamwork

Carmen Öller(14) spielt „seit Herbst 2014 so richtig, vorher hab ich schon auch in der Schule in einer Theatergruppe mitgemacht, in kleinen Sketches gespielt, aber das hat mir nicht mehr gereicht, ich wollte mehr, hab gesucht und dann diese Gruppe gefunden, wo es mir von Anfang an gefallen hat. Ich hätte es lustiger gefunden, einen der harten Typen zu spielen, aber auch meine Rolle als Mutter find ich ganz cool, weil ich viel Text hab und auch schreien darf, weil sie ihrem Kind was beibringen will. Das kann ich mir auch gut vorstellen, wie es ihr so geht.“
Vor allem aber „liebe ich es, in der Gruppe zu arbeiten, dieses Teamwork macht mir richtig Spaß. Es sind daraus auch echte Freundschaften entstanden.“
Hugo Weidinger(14) hat „mit 8 oder 9 Jahren angefangen in dieser Gruppe Theater zu spielen. Schon in der Volksschule war ich in einem Theaterkurs und das hat Spaß gemacht. Ich mochte einfach die Bühne. Während des Stücks steck ich ganz drinnen, davor aber geht‘s mir manchmal trotz aller Proben ein wenig schlecht. Danach aber ist’s eine Erleichterung, ein Gefühl, das richtiggehend süchtig macht.“ Jede Aufführung empfindet er „immer anders, es kann ja immer was sein, das Publikum reagiert ja auch nicht immer gleich. Aber wenn ich ein Stück dann schon sehr gut kenne, geh ich’s schon gelassener an.“

(*) Der Originaltitel lautet: Der gewissenlose Mörder Hasse Karlsson enthüllt die entsetzliche Wahrheit, wie die Frau über der Eisenbahnbrücke zu Tode gekommen ist

Etliche Theaterhäuser und Gruppen bieten Spielklubs an, wo Kinder und Jugendliche selber Bühnenerfahrung sammeln können, teilweise eigene Stücke entwickeln

SchauSpielWerk bezeichnet sich selber als „Verein für Kunst Kultur und Architektur. Arbeit an zeitgenössischen generationsübergreifenden Themen“
www.das-schauspielwerk.at/

Spiel-Clubs des Theaters der Jugend (Wien): www.tdj.at

10 Theater- und Tanzclubs im Dschungel Wien: Ab Oktober; 6 bis 22 Jahren unter Anleitung von KünstlerInnen des Theaterhauses für junges Publikum im MuseumsQuartier; 60 € (fünf Nachmittage) bis 260 € für 28 Einheiten (ca. 2 Stunden)
www.dschungelwien.at

Volkstheater, Wien
Gemeinsam mit SchauspielerInnen, RegieassistentInnen und TheaterpädagogInnen begebt können Jugendliche ab 14 Jahren sich bis 15. Oktober für Spielklubs im Volkstheater bewerben. Alle entstandenen Produktionen werden auf dem Spieltriebe-Festival im Mai 2016 auf der Bühne des Volx/Margareten gezeigt.
junges@volkstheater.at

Junge Burg: Sechs verschieden Spielklubs von „Die Spielwütigen“ bis „Rambazamba“; wöchentliche Proben und Intensivproben in den Ferien oder an verschiedenen Wochenenden; 230 € Jahresbeitrag
www.burgtheater.at

Theaterstudios mit Recherche, Diskussionen, Entwicklung, Spielen am uhof: des Linzer Landestheaters: www.landestheater-linz.at

Das Landestheater Niederösterreich in St. Pölten bietet ab 12 Jahren von Oktober bis Mai einmal wöchentlich einen Theaterclub an: Schauspieltechniken, Atemübungen, Improvisation, Textentwicklung, Dramaturgie, Bühnenbild, Kostüm, Maske, Licht- und Tontechnik; offene Gruppe, regelmäßige Teilnahme sehr erwünscht; Clubkasse, in die regelmäßig 2 bis 4 Euro pro Monat eingeworfen werden
Anmeldung: Nehle Dick; nehle.dick@landestheater.net

Theater am Ortweinplatz, Graz bietet einen ganzen Stundenplan mit fast täglichen Werkstätten für „spielwütige“ Kinder und Jugendliche in verschiedenen Altersgruppen ab 8 und bis über 27 Jahre
www.tao-graz.at

Spielclubs im Next Liberty in Graz
pia.weisi@nextliberty.com

Toihaus Salzburg: Workshops und Vermittlungsangebote
http://toihaus.at/workshops/kinder-jugendliche/

Schauspiel-Club und Musical-Club des Salzburger Landestheaters
theaterpaedagogik@salzburger-landestheater.at

Zwei Spielclubs und Schnupper-Workshops dafür bietet das Stadttheater Klagenfurt
Susanne Peyha; s.peyha@stadttheater-klagenfurt.at

Das Vorarlberger Tanztheater (Brigitte) Walk erarbeitet quer durchs Land mit Jugendlichen ambitionierte Theaterprojekte
www.walktanztheater.com/projekte/jugend

In Bregenz bietet das Junge Landestheater Spielclubs für 10+, 13+ und 16+
http://landestheater.org/junges-landestheater/theaterclubs.html

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