Einüben für eine Szene

© Heinz Wagner

Kinder der Medea
11/01/2016

Schimpfen zur Einstimmung

Probenbesuch bei Kindern der Medea für die Grillparzer-Version im Wiener Volkstheater.

von Heinz Wagner

„Du willst uns wieder führen auf dein Schiff/Wo's schwindlich ist und schwül.“ Immer und immer wieder üben Phillip, Niko und Simon diesen Zweizeiler auf einer Probebühne nahe dem Volkstheater. Alles mögliche stellen sie sich vor, was sie da hineinlegen wollen/sollen. Immerhin will sie ihre Mutter Medea aus dem königlichen Palast mit all seinen Spiel-Möglichkeiten auf das Schiff verfrachten – um die beiden Jungen nicht ihrem Ehemann Jason, der sie verstoßen hat, zu überlassen.

Grillparzers gereimte Medea

Medea“, ein vielfach gespielter von verschiedenen Blickwinkeln geschriebener antiker Stoff wird gegen Ende November im Wiener Volkstheater in der gereimten Version Franz Grillparzers, inszeniert von der Direktorin des Hauses, Anna Badora, aufgeführt. Medea, die erst hat nachdem sie ihre eigene Familie verraten hat, um Jason zum magischen Widderfell, dem Goldenen Vlies, zu verhelfen, wird nun als Fremde hier in Korinth von ihrem Mann verstoßen. Und rächt sich u.a. indem sie die beiden gemeinsamen Buben tötet.

Und die Kinder?

Ob böse Kindsmörderin oder eher selber Opfer des fremdenfeindlichen Mobs – wie auch immer – in (fast) allen Versionen des Medea-Stoffes spielen die Kinder praktisch keine Rolle, ja meist haben sie nicht einmal Namen. Lediglich in einer schwedischen Version „Medeas Barn“ von Suzanne Osten und Per Lysander wird die Geschichte aus der Sicht der beiden Kinder erzählt.

Einstimmung

Zurück nach Wien: Die Rolle der beiden Knaben, die auch hier wie in den meisten Versionen namenlos bleiben, werden abwechselnd von fünf Buben gespielt. Drei durfte der Kinder-KURIER bei einer Probe am letzten Oktobertag beobachten – und befragen. Phillip Bauer, Nikolaus Baumgartner und Simon Stadler-Lamisch. Hin und wieder lassen einige der drei Buben richtige Schimpfwort-Kanonaden vom Stapel, um sich in jene Stimmung zu versetzen, in der sie die zitierten Sätze sagen (sollen).

Bissi schwierig und bissi leicht

Ein wahres Springinkerl ist der erst sechsjährige Phillip. Immer aktiv, immer auf den Beinen, stets lustig und für Schabernack gut. Aber als es wirklich ernst wird und er gemeinsam mit den anderen beiden auf der roten Treppe des Palastes die Sätze zur – nicht vorhandenen Mutter – sagen soll, da sitzen sie dann doch mit der richtigen Emotion. Für ihn ist es „das erste Mal, dass ich im Theater mit spiele, bisher war ich aber oft mit meinem Papa im Theater und in der Oper., hab oft zugeschaut.“ Er hat sich die Geschichte von Medea, dem goldenen Vlies usw. „auf YouTube angeschaut, damit ich weiß, worum’s geht. Es ist schon ein bissi traurig, dass wir umgebracht werden, und ein bissi schwierig, wenn wir dann so über der Schulter hängen müssen. Aber es ist nicht so schwierig.“

Auch für Niko (8) ist es sein erstes Stück. „Vor der Premiere werde ich sicher schon aufgeregt sein, danach wird’s dann glaub ich leichter. Bei den Proben kann ich die Umstellung auf die verschiedenen Gefühle schon ganz gut, auch wenn das nicht immer leicht fällt. Weil ich weiß, dass alles ja nur gespielt ist, hab ich auch nicht wirklich Angst davor, dass unsere Mutter (im Theater) uns tötet, obwohl ich’s irgendwie schon schade finde.“
Nikos Hobby liegen im Sport. „Ich spiel Fußball in einem Verein, in der Verteidigung oder Tormann, am liebsten im Tor. Und ich geh gern schwimmen und klettern.“

Im Gegensatz zu Philipp und Niko ist Simon (8) fast schon ein Bühnenprofi. „Ich bin seit ein paar Jahren, drei oder vier, im Sommer immer zwei Wochen bei einem Workshop und am Ende haben wir dann eine Aufführung. Das Schwierig dort ist nur, wenn ich Solo singe. Hier ist es nicht so leicht und doch auch nicht so schwierig.“
Und was ist wie?
Der Text ist nicht so schwierig zu lernen, aber das wie wir’s sprechen müssen, das ist auch wieder nicht so leicht.“
Theater ist für Simon ein nettes Hobby, der ansonsten gerne Rad fährt und schwimmt.

Außer den dreien spielen noch Oskar Salomonowitz und Johannes Brandweiner die beiden Knaben. Sarah Pritchard-Smith bzw. Luana Otto schlüpfen in die Rolle der jungen Medea.

www.volkstheater.at/stueck/medea/

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