reBC, HTL Mödling, NÖ: Kristof Mlečka, Robin Bartmann, Stefan Worlitschek, Jakob Korosec und Lukas Großeibl

© Heinz Wagner

Junior-Firma
06/16/2016

Neues „Leben“ für alte Ölfässer – als Griller

Kreative Geschäftsideen Jugendlicher im Finale des Bewerbs der Junior-Firmen.

Schüler der HTL Mödling verschaffen alten, ausrangierten Ölfässern ein zweites Leben. Ging es dabei nicht so heiß her, würde sich der Begriff cool so was von aufdrängen. Große und kleine Fässer dienen nach dem Umbau durch zehn Jugendlichen des Zweigs Wirtschaftsingenieurwesen in Österreichs größter Schule zum Grillen. Die großen Fässer lassen sich dann im liegenden Zustand aufklappen, darunter verbirgt sich der Griller – und das auf einem eigens dafür angepassten Metallgestell mit Rollen – und seitlichen hölzernen Ablageflächen. Kleinere Fässer kriegen „nur“ ein paar Löcher, innen drinnen wird Feuer gemacht – ein leicht transportierbarer Tonnen-Grill, der noch dazu im Winter mit einer anderen Platte zum Maroni braten verwendet werden kann. Dieser kommt auf 40, der große auf 300 Euro.

reBQ – für Recyling-Barbecue – nannten die Schüler aus Niederösterreich ihre Junior-Firma. Und gewannen in diesem Jahr damit den österreichweiten Bewerb. Der ist – wie auch Platz 2 und 3 nicht mit einem Geldpreis verbunden bringt aber fünf Teilnehmern – samt einer Lehrkraft – die Reise zum Europabewerb ein. Gegen Ende Juli werden sich die Öltonnen-Grill-Bauer mit 38 anderen Teams in Luzern beim „Junior Company of the Year Competition“ matchen.
Weil sie schon beim Feuermachen waren, kamen die Schüler auf noch ein paar andere „brennende“ Ideen, wie beim Finale Kristof Mlečka, Robin Bartmann, Stefan Worlitschek, Jakob Korosec und Lukas Großeibl dem KiKu erzählten und zeigten. Per Lasercutter „brannten“ sie ihre eigenen Konterfeis – und natürlich die der fünf anderen beteiligten Kollegen in Holzplatten. Aus anderen Holzplatten formten sie Ordner. „In der Mitte haben wir immer einige Fasern wegge-lasert“, wodurch die Mappe auch eine biegsame Mitte hat. Und ein rollbares Jausenbrett haben die Jungs auch noch entwickelt – aus schmalen zusammenhängenden Leisten.

Business plus Non-Profit-Zweig

Offenbar auf zweite Plätze spezialisiert zu sein scheint die Junior-Company Welcome-Bag der Junior-Company InnoMotion aus dem B/R/G Stainach in der Steiermark. Schon bei Jugend Innovativ hatten sie sozusagen Silber in der Kategorie Young Entrepreneuers geholt. Nun landeten die 20 Jugendlichen – diesmal vertreten von Anna Reisinger, Johann Keil, Marco Seebacher, Sasha Goll und Michael Reiter - mit ihren wasser- und schmutzabweisenden Stirnbändern, Armbänder, in denen sich auch Kleinigkeiten verstauen lassen sowie kleinen Rucksäcken auch im Junior-cc-Finale auf diesem Platz. Allerdings räumten sie hier noch einen weiteren Preis ab, den „Signature“-Award der Firma accenture, der 500 Euro einbringt. Von Anfang an bauten sie übrigens neben dem Geschäftszweig auch einen Non-Profit-„Ableger“ auf: Solche Rucksäcke mit den genannten Utensilien sowie weiteren werden als „Welcome-Bag“ an Flüchtlingskinder verschenkt.

Salz-Mischungen

Platz 3 holten sich Jugendliche aus der Handelsakademie Hallein in Salzburg mit regionalen Produkten. Die Stadt und das Land verdanken ihre Namen dem Salzabbau. Die Schüler_innen stellten in ihrer Firma verschiedenste Salzmischungen her und füllten sie in kleine von Marmeladen bekannte Gläser. 3500 Stück dieser 50 ml-Gläser haben die Jugendlichen schon verkauft. Der Renner ist das Pommes-Salz – mit Pfeffer, Paprika, Cayenne-Pfeffer...
„Wir haben insgesamt 16 verschieden Mischungen hergestellt und viel mehr ausprobiert, aber einige haben sich leider nicht bewährt“, schildern Samuel Sampl, Sonja Ramsauer, Lisa Treml, Magdalena Weingrill und Eric Mitterlechner dem Kinder-KURIER.“

Trauben-Gelee mit Schoko-Überzug

Trauben-Gelee mit einem Zartbitter-Schoko-Überzug – das verkaufen Jugendliche der W@lz (Wiener Alternatives LernZentrum) in der von ihnen gegründeten Junior-firma Winey. Ausgangspunkt für Laurenz Gregor, Theo Hertenberger, Anna Vivien Wimberger, Chiara Zoubek, Jürgen Spusta und Laurenz Heinrich „war Traubensaft, den wir von einem Weinbauern, dem Vater eines Mitschülers, zur Verfügung gestellt bekommen haben. Wir hatten“, so die Jugendlichen, „viele Ideen, aber schon der Winzer sagt, dass der Traubensaft oft billiger ist als die Flasche, in die man ihn füllt.“ Also musste was anderes her. „Es gab die Idee, Weingummi herzustellen, das ist was altes, aber kaum mehr bekannt.“ Von diesem Grundgedanken ausgehend wurde weiter getüftelt. „Es sollte ein hochwertiges Gourmet-Produkt werden.“ Und so war dann die Gelee-Idee auf einmal da, „wobei wir nicht mit Gelatine, sondern mit Piktin arbeiteten, unser Produkt ist also vegan“. Gut, die Gelee-Würfel waren nach einigen Versuchen schmackhaft, „aber sehr pickig, drum sind wir auf einen Schoko-Überzug gekommen. Wir hatten zuerst zwei Kreationen – eine mit Milch- und eine mit Zartbitter-Schokolade. Die haben wir dann in der Schule abgetestet. Die Wahl ist auf Zartbitter gefallen.“
Neun Würfel – in Summe 80 Gramm - kommen nun in eine geschmackvolle Schachtel, die um 4 € verkauft werden. 1000 Euro bekam diese Junior-Company übrigens für den Signature-Award von Microsoft.

Die Latte lag für Wineys übrigens hoch, „seit drei Jahren macht unsere Schule beim Junior-Projekt mit, in den beiden vergangenen Jahren kam immer eine Firma aus der W@lz ins Bundesfinale“, schildern die Jugendlichen aus der Tao – die Jahrgänge in dieser vor allem projektorientiert unterrichtenden alternativen Oberstufenschule nennt ihre Klasse dem griechischen Alphabet folgend. Im dritten Jahrgang stehen die Junior-Firmen auf dem „Stundenplan“. Zwei andere Gruppen produzierten Schmuck - mit einem 3D-Drucker -, bzw. Socken und Taschen.

Beute(l)schema

„Unsere bedruckten Stofftaschen sind bio & fair“, darauf legen Verena Mischitz und Stefan Rabinig aus der Kärntner HAK Völkermarkt großen Wert. Stolz sind sie auch auf das Wortspiel ihres temporären Unternehmens, das sie gemeinsam mit zwei weiteren Jugendlichen „als unser Maturaprojekt gemacht haben“. 700 Stück davon haben sie schon von den Siebgedruckten Stofftaschen verkauft.

KannWas

Ebenfalls Taschen – allerdings aus oben Baumwolle unten Kunstleder – produzierten Jugendliche der HTL Dornbirn (Vorarlberg). „KannWas“ nannten die zehn Schülerinnen der 4AMP (Mode und Produkte) ihr Unternehmen. Und setzten den Firmennamen mit dem Werbespruch „- hat was“ fort. Mittlerweile haben sie 80 – von 100 produzierten – GymBags à 25 Euro verkauft. In Wien vertraten Sandra Jauk, Chiara di Giusto, Jasmin Dallabrida, Valentina Angeli und Nina Stadelmann.

Ha(c)k sugo

Die aus dem Tiroler Reutte von der dortigen HAK kommende Junior-Company „ha(c)k-sugo“ hackte Basilikum, Paradeiser (Tomaten), Chili, Paranüsse und andere Zutaten klein, um für Sugo mit ganz eigenen Geschmäckern herum zu experimentieren. Nicht alle Variationen fanden großen Anklang. Aber nach und nach kamen Andreas Hofherr, Frederik Dirr, Simon Schwarz und Deniz Ruepp drauf, was sich gut verkaufen lässt. Von den drei Sugos Basil Pesto, Brazil Nut und Pesto Rosso konnten sie 300 Gläser à 85 ml absetzen.

Softlodn

Nicht wie der Name ihrer Junior-firma vielleicht nahelegen würde, Säfte, sondern schicke Verpackung dafür verkaufen die Jugendlichen von der Modeschule Ebensee (OÖ). Zum einen ließen sich die 13 Jugendlichen der 4. Klasse – in Wien vertreten durch Teresa Eppenschwandtner, Ida Wührer, Sabrina Bauer, Sophie Dostal und Kristina Reikersdorfer – formschöne Halbliter-Flaschen einfallen, in die sie verschiedene Sprüche oder Bilder eingravierten. Zum anderen schneiderten sie aus alten und meist überholten Schul-Landkarten kleine Tascherln, in die die Flaschen reinpassen. Zur Polsterung fürs Glas füllen sie Zirbenholzspäne in das Täschen als Goodie gibt’s dazu einen Teebeutel – „aus biologischem Anbau“.
Zur Auswahl stehen Falschen mit einem gezeichneten Hirschen, dem Spruch: „I hob so an Hunger, owa Duascht hob i mehr“ oder der doch recht heftige: „I drink, because your are boring“ (Ich trink, weil du langweilig bist). Als „Ausgleich“ ziert jede Flasche, egal welches Design, ein Hinweis auf die Suchthilfe.

Alle Final-Firmen mit ihren Vertreter_innen in Wien

Junior-Bundesfinale 2016

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Junior-Bundesfinale 2016

Praxisnahes Lernen

„Learning by doing“ ist die Idee der Juniorfirmen – ab der 9. Schulstufe. Jugendliche gründen Firmen, die im Gegensatz zu den meisten der verpflichtenden Übungsfirmen in Handelsakademien und -schulen real wirtschaften: Sie fertigen Produkte an oder lassen sie nach eigenen Ideen herstellen und verkaufen sie. Oder sie bieten Dienstleistungen an – vom Babysitten bis zu PC-Support.

Das Projekt, das 1919 in den USA erfunden wurde, gibt es in Österreich seit 1995, angesiedelt bei den Volkswirtschaftlichen Gesellschaften (VWG). Derzeit beteiligen sich rund 2300 Schüler_innen in etwa 200 Junior-Firmen jährlich. Seit Beginn haben etwa 30.000 Jugendliche in rund 2400 Junior Companies teilgenommen.

Ende Juli werden sich die die diesjährigen Österreich-Sieger reBQ mit 38 Länder-Teams beim Europa-Bewerb („Junior Company of the Year Competition“)

in Luzern (Schweiz; jedes Jahr in einer anderen europäischen Stadt) matchen.

www.junior.cc