Tiefsinnige Gedanken und die obendrein spannend, gekonnt, meisterhaft formuliert. Manche mit viel Sprachwitz, andere voller interessanter Bilder, die in den Köpfen der Lesenden – und bei der Gala im Kasino des Burgtheaters auch Zuhörenden – entstehen. Humorvoll die einen, fast schockierend andere – das sind die Finaltexte des diesjährigen Preises für junge Literatur. Die Rangfolge der Finaltexte ergibt sich stets aus der Kombination eines Online-Votings und der Meinung einer fachkundigen Jury. Das diesjährige Bewerbsmotto „Hals über Kopf“ geht auf den Text der Siegerin des Vorjahres, Helene Kratky, zurück. Das war neu.

Von Gute-Nacht-Geschichten für den Bruder bis zu Neuland

Die Siegerin Julia Lückl (16) inmitten anderer schreibender Jugendlicher und von Freund_innen © Bild: Roman Picha

Der Text „Neuland“ der Siegerin Julia Lückl (16) aus dem Wiedner Gymnasium/Sir-Karl-Popper-Schule wird hier - weiter unten - in voller Länge veröffentlicht. Sehr poetisch nähert sich die junge Autorin dem Thema Grenze – dies- und jenseits einer solchen – mitunter samt aller Härte. Und der Einengung auch der eigenen Seite. Zu Schreiben begonnen hat die 16-Jährige „in der Volksschule, da habe ich Gute-Nach-Geschichten für meinen kleinen Bruder geschrieben“, vertraut sie dem Kinder-KURIER nach der Preisverleihung an. „Später hab ich dann alles mögliche geschrieben – als Freizeitbeschäftigung, um meine Gedanken festzuhalten. Das hab ich oft gemacht, immer, wenn ich Zeit gehabt habe.“

Seit ein bis zwei Jahren schreibt sie regelmäßig, „was mich bewegt, meine Gedanken dazu. Diese Texte lasse ich dann oft Freundinnen und Freunde lesen. Dieses Feedback ist mir wichtig, ich überarbeite Texte dann.“ Das war auch beim nunmehrigen Sieger-Text so. Die Workshops führten dazu, „was Neues auszuprobieren. Bei dem Text hab ich am Anfang gar nicht gewusst, wie er enden wird. Das hat sich erst beim Schreiben ergeben.“ Und Schreiben ist „etwas, das ich sehr gerne weitermachen möchte“.

Vielfalt

Veronika Hantschel, deren Text "Zugesagt" für eine Vertonung durch die Schulband vorgeschlagen wurde, mit Petra Morzé © Bild: Heinz Wagner

So unterschiedlich die Themen sind, so verschieden ist auch die Art der Texte – von eher realitätsnaher Prosa über fantasievoll „verpackte“ ernste Themen bis hin zu einer Reihe von Gedichten. Sehr rhythmisch fiel jenes von Veronika Hantschel aus der HTL Mödling aus. „Zugesagt“, das die Drittplatzierte, „meinem Bruder verdankt, weil der oft zusagt und dann nicht kommt, so wie auch heute Abend“, veranlasst Jurymitglieder dazu, spontan anzuregen, die Schulband der AHS Haizingergasse, die den Galaabend rockte, möge dieses doch für das kommende Jahr vertonen.

Mut zum Anders-Sein

Pauline Tagwerker hinterfragt, was denn schon normal wäre © Bild: Heinz Wagner

Ihr Plädoyer für den Mut, eigenwillig zu sein, mit außergewöhnlichen Bildern, brachte Pauline Tagwerker ( Uni Innsbruck) Platz 2. In „gerade nicht normal“ stellt sie sich auf den Kopf – mit verblüffendem Effekt: „Aber ich werde ihnen so schnell auch nichts mehr abkaufen, weil sie lügen mir in den Fuß, nicht ins Gesicht. Füße bleiben unbeeindruckt.“

Schirm der Fantasie

Jonathan Otte drehte Struwwelpeter-Geschichten um © Bild: Heinz Wagner
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