Lob für Außenseiter und Zusammenhalt

Exil-Literautr, Preisverleihung 2017
Foto: Heinz Wagner 5 der 15 HTL-Schüler aus Braunau (OÖ), die den Gruppenpreis gewonnen haben.

Gespräche mit Siegern der Jugendkategorien der „exil-Literaturpreise – Schreiben zwischen den Kulturen“ 2017.

„Ich BRAUCHE MEINEN KONTRABASS – er ist der einzige Freund, der zuhören kann – naja, eigentlich höre ich mir selbst zu, weil ich es ja bin, der spielt – aber indem die Töne vom Bass zu mir kommen, verstehe ich mich selbst besser. So, als ob ich plötzlich eine bessere Version von mir selbst sehen könnte – als ob ich im Spiegel den Menschen sehen könnte, der ich gerne wäre... und dann kommt ein falscher Ton dazwischen und alles zerrinnt – wie eine Spiegelung in einem Bergsee, wenn Einer einen Stein ins Wasser wirft.“ Das sind Sätze aus dem Text „Nicht einordenbar oder Der Kontrabass“ von Julian Shi-An Maximilian Ho, dem Preisträger der Jugendkategorie. Ihn sowie fünf Vertreter der beiden Klassen, die den Gruppenpreis gewonnen haben, traf der Kinder-KURIER am Rande der Preisverleihung auf der Buch Wien. Die erwachsenen Preisträgerinnen und Preisträger sollen nicht gering geschätzt werden, aber kommen hier nur kurz in der Bilderstrecke vor.

Bewusst Außenseiter

Exil-Literautr, Preisverleihung 2017 Foto: Heinz Wagner Julian Shi-An Maximilian Ho ist mit noch nicht ganz 15 Jahren der jüngste Gewinner der seit 21 Jahren vergebenen exil-Literaturpreise. Trotz seiner Jugend strahlt der Preisträger eine bereits starke, gefestigte Persönlichkeit aus – und das, obwohl – oder vielleicht ja sogar deswegen – er in vielerlei Hinsicht Außenseiter ist. Die Jury des Bewerbs, der im Untertitel „Schreiben zwischen den Kulturen“ heißt, formulierte in ihrer Begründung so: „Bereits mit wenigen Sätzen zeichnet der Autor einen Individualisten in voller Dreidimensionalität: Jemanden, der Latein, Alte Geschichte, Alte Musik und so ziemlich alles mag, was einen Jungen zu einem Außenseiter unter Gleichaltrigen macht. Der Leser/die Leserin kann aber nicht anders, als ihn zu lieben.“

Zum Außenseitertum gehört auch, wie der Jung-Autor und vor allem Jung-Musiker Musiker im Gespräch mit dem Kinder-KURIER meint: „Ich red wie mir der Schnabel gewachsen ist und nicht um den heißen Brei herum. Und das vertragen auch nicht alle Mitschülerinnen und –schüler“ – und meint damit vor allem seine vorherige Schule.

Musik als Angebot

Exil-Literautr, Preisverleihung 2017 Foto: Heinz Wagner Musik liegt bei der Familie des Preisträgers sprichwörtlich in der Luft, „es war und ist immer aber ein frei bleibendes Angebot“, nennt er die Art und Weise, wie die Eltern ihren Kindern – auch den beiden Schwestern Nica (9, die seit fünf Jahren Cello spielt) und Maya (12, die ihr halbes lebenlang Geige spielt) – dieses darbieten. Kein Zwang, kein Druck, aber immer die Möglichkeit zu musizieren. Und so kam es, dass Julian Ho „mit ungefähr vier, fünf Jahren auf dem Klavier herumzuklimpern begonnen“ hat. „Zielgerichteter habe ich dann ab sechs Cello gelernt und ein Jahr später auf Kontrabass gewechselt.“ Dieses Instrument prägt(e) ihn. „Ich sag immer, ich bin hobbylos, weil der Kontrabass ist mehr, er ist eigentlich mein Leben.“

Seit diesem Herbst besucht Julian Ho die 5. Klasse des Musikgymnasiums. Das Bestehen der Aufnahmsprüfung im Frühjahr liest sich in seinem preisgekrönten Text so: „Ich darf ins Musikgymnasium – in die fünfte Klasse! Ich darf als normaler Schüler mit anderen zusammen lernen – MIT ANDEREN ZUSAMMEN IM CHOR SINGEN UND IM ORCHESTER SPIELEN! Es fühlt sich an wie ein zweiter Geburtstag! Ich geh jetzt feiern – am Kontrabass!“

Schreiben

Exil-Literautr, Preisverleihung 2017 Foto: Heinz Wagner Und in der neuen Schule „fühl ich mich extremst wohl!“. Schreiben sei dann die Methode, „Dinge zu verdauen, wenn ich sie mit jemandem nicht ausdiskutieren, aussprechen kann. Ursprünglich wollte ich einmal regelmäßig Tagebuch führen, es ist anders gekommen, weil dann oft doch keine Zeit ist und so hab ich dann für diesen Text so etwas wie längere Tagebuch-Einträge geschrieben. Das Mitmachen beim Bewerb war schön, aber dass ich gewonnen habe, kam doch überraschend“, gesteht er dem Reporter. Und die nebenstehende Mutter wirft ein: „Julian war ganz aus dem Häuschen als die eMail von der Edition exil gekommen ist“.

Er selbst aber wälzt schon weitere Schreibpläne: „Ich arbeit an einem krimi-Thriller, mehr will ich aber noch nicht verraten!“

Gruppen-Preisträger

Exil-Literautr, Preisverleihung 2017 Foto: Heinz Wagner Der Preis für Gruppen bzw. Klassen ging in diesem Jahr an die Schreibwerkstätten zweier damals zweiten Klassen der HTL Braunau (OÖ). Zwischen Schulbeginn im Herbst und Weihnachten arbeiteten die 55 Schüler_innen – der Mädchenanteil in der ganzen Schule liegt bei knapp über 15 % - an „fantastischen Geschichten und Märchen“ zum Thema „Was uns zusammenhält“. Die 15 besten Texte wurden bei diesem – und einem weiteren Bewerb in Deutschland – eingereicht. In beiden Fällen wählten die Jurys die jeweils kurzen, knappen Erzählungen zu Gewinnertexten, die in den Büchern der Bewerbe veröffentlicht wurden – neben der „edition exil“ im Preistexte-Band 2017 auch in der Anthologie „FriedenLieben“ der 6. Berner Bücherwochen (übrigens der Gemeinde Berne bei Hamburg, nicht im Schweizer Bern).

Märchen auch für Jugendliche cool

Exil-Literautr, Preisverleihung 2017 Foto: Heinz Wagner Benjamin Stoiber, Andreas Reindl, Martin Schacherbauer, Daniel Auböck und Paul Lederbauer waren mit ihrer Deutschlehrerin, Evelyn Bernadette Mayr, zur Preisverleihung gekommen. Ob die Form von Märchen nicht für sie als Jugendliche „zu kindisch“ gewesen wäre, verneinten alle fünf Schüler deutlich. „gar nicht, ganz im Gegenteil, es hat mir gefallen, Fantasie ausleben zu dürfen. Sonst müssen wir eher so etwas wie Erörterungen und Ähnliches schreiben“, meint Andreas Reindl – und die vier Kollegen aus den nunmehrigen 3. Klassen der Abteilungen Mechatronik bzw. Elektrotechnik stimmen ihm sofort zu.

„Jede und jeder von uns hat zuerst ein Konzept – in der Deutschstunde – gemacht und dann haben wir als Hausübung für die wir länger Zeit hatten, den Text geschrieben“, erzählen die fünf fast im Chor. Einzeln hätten sie im Dialog mit der Lehrerin dann daran gefeilt, wie Martin Schacherbauer berichtet. „Und wir mussten ja den normalen Stoff auch durchmachen“, meint die Lehrerin später im KiKu-Gespräch.

Zwerge, Könige, mutiges Mädchen

Exil-Literautr, Preisverleihung 2017 Foto: Heinz Wagner Von verfeindeten König(reich)en, die natürlich wieder zu Frieden kommen über magische Kelche, einen bösen Zwerg, mutige Mädchen, Ritter bis zu einem Fingerfürsten spannt sich der Bogen der märchenhaften Figuren. In „Das Gleichgewicht“ – von Daniel Auböck – schaffen drei Richter, die es lange vor allen Planeten gab, zwecks Gleichgewichts im Universum vier Wächter in Form von Tod, Krieg, Schmerz und Wut. „Wenn der Mensch seine Aufgaben vernachlässigte oder gar anfing, den Planeten zu zerstören, wurden die vier Reiter immer mächtiger und brachten die Menschen in der Welt in arge Bedrängnis. Erfüllte der Mensch aber seine Aufgabe gut, hütete er die Natur sorgsam und brachte Harmonie und Frieden über die Welt, so zogen sie sich zurück auf ihr stilles Ross und galoppierten unsichtbar durch die Zeit...“

Ramo Jasarević stellte ein kleines Mädchen ins Zentrum seiner Geschichte. Als der Opa schwer erkrankte, mache sich das Mädchen, das die Wirkung vieler Heilkräuter kannte, ganz allein trotz Regens und Gewitters allein auf in den Wald, um genau das richtige Kraut zu holen.

Fotos...

... von der und rund um die exil-Literatur-Preisverleihung 2017

Stellvertretend für die 15 gemeinsamen Sieger-Texte aus zwei Baunauer HTL-Klassen hier ... ... Benjamin Stoiber, Andreas Reindl, Martin Schacherbauer, Paul Lederbauer und Daniel Auböck ... ... beim Stand der Edition Exil ... ... mit Exemplaren ... ... der Preistext-Bücher ... ... sowie der Anthologie ... ... der Berner Bücherwochen ... ... "FriedenLieben", wo die Jugendlichen mit ihren Texten auch gewannen. Julian Shi-An Maximilian Ho, der jüngste Preisträger ever seit es diesen Bewerb gibt. Julian Shi-An Maximilian Ho, der jüngste Preisträger ever seit es diesen Bewerb gibt. exil-Preise 2017 Julian Shi-An Maximilian Ho, der jüngste Preisträger ever seit es diesen Bewerb gibt, mit Ursula Berner, Vorsitzende der Kulturkommission der Bezirksvorstehung Neubau. Julian Shi-An Maximilian Ho, der jüngste Preisträger ever seit es diesen Bewerb gibt, mit Ursula Berner, Vorsitzende der Kulturkommission der Bezirksvorstehung Neubau. Julian Shi-An Maximilian Ho, der jüngste Preisträger ever seit es diesen Bewerb gibt, mit Ursula Berner, Vorsitzende der Kulturkommission der Bezirksvorstehung Neubau. Julian Shi-An Maximilian Ho, der jüngste Preisträger ever seit es diesen Bewerb gibt, mit Ursula Berner, Vorsitzende der Kulturkommission der Bezirksvorstehung Neubau sowie den Juror_innen Sina Tahayori (Autor und Exil-Literaturpreisträger 2004) und Jessica Beer (Residenz Verlag), die auch die Preisverleihung moderierte. Die fünf Vertreter der beiden Braunauer HTL-Klassen mit ihrer Lehrerin und der Laudatorin aus dem Bundeskanzleramt Lucy McEvil liest Auszüge aus preisgekrönten Texten Lucy McEvil liest Auszüge aus preisgekrönten Texten Lucy McEvil liest Auszüge aus preisgekrönten Texten Preisträgerin Helena Srubar - für den Text "Deutschkurs" - mit Laudator Peko Baxant (Mitglied des Kulturausschusses der Stadt Wien) ... ... und dem Jury-Duo Jessica Beer und Sina Tahayori Preisträgerin I)rene Diwiak mit Laudator Peko Baxant Preisträgerin Irene Diwiak - für den Text Hair - mit Laudator Peko Baxant Preisträger Gabriel Furmuzachi - für "Klick" - mit Laudatorin Ursula Berner bzw. dem Jury-Duo Sina Tahayori und Jessica Beer Preisträger Gabriel Furmuzachi mit Laudatorin Ursula Berner Preisträgerin Joanna Michalczuk - für den Text "rakugo" - mit Laudatorin Karin Pollak (Bundeskanzleramt) sowie dem Jury-Duo Sina Tahayori und Jessica Beer Preisträgerin Zdenka Becker - ihr Text: "Die Frau mit vielen Namen" - mit Laudatorin Karin Pollak Preisträgerin Zdenka Becker mit Laudatorin Karin Pollak Preisträgerin Zdenka Becker mit Laudatorin Karin Pollak und dem Jury-Duo Sina Tahayori und Jessica Beer Dramatiker-Preisträger Amirabbas Gudarzi - "Zwischen uns und denen liegt ..." - mit Hans Escher und Bernhard Studlar von den "Wiener Wortstaetten" Dramatiker-Preisträger Amirabbas Gudarzi mit Hans Escher und Bernhard Studlar von den "Wiener Wortstaetten" Dramatiker-Preisträger Amirabbas Gudarzi mit Hans Escher und Bernhard Studlar von den "Wiener Wortstaetten" sowie dem Jury-Duo Sina Tahayori und Jessica Beer Alle Preisträger_innen, Juror_innen und Unterstützer_innen samt dem Musik-Duo auf der Bühne Alle Preisträger_innen, Juror_innen und Unterstützer_innen samt dem Musik-Duo auf der Bühne Alle Preisträger_innen, Juror_innen und Unterstützer_innen samt dem Musik-Duo auf der Bühne Alle Preisträger_innen, Juror_innen und Unterstützer_innen samt dem Musik-Duo auf der Bühne Alle Preisträger_innen, Juror_innen und Unterstützer_innen samt dem Musik-Duo auf der Bühne Alle Preisträger_innen, Juror_innen und Unterstützer_innen samt dem Musik-Duo auf der Bühne Das Duo Andrej Prozorov sorgte für musikalisch beschwingte, anspruchsvolle akustische Umrahmung der Preisverleihung Das Duo Andrej Prozorov sorgte für musikalisch beschwingte, anspruchsvolle akustische Umrahmung der Preisverleihung Das Duo Andrej Prozorov sorgte für musikalisch beschwingte, anspruchsvolle akustische Umrahmung der Preisverleihung Erfinderin des Literaturpreises, Herz und Motor (nicht nur) der Edition Exil im Amerlinghaus: Christa Stippinger Erfinderin des Literaturpreises, Herz und Motor (nicht nur) der Edition Exil im Amerlinghaus: Christa Stippinger Erfinderin des Literaturpreises, Herz und Motor (nicht nur) der Edition Exil im Amerlinghaus: Christa Stippinger - mit Moderatorin und Jurorin Jessica Beer Julian Shi-An Maximilian Ho, der jüngste Preisträger ever seit es diesen Bewerb gibt, hier mit den Schwestern Nica, Maya und seinem besten Freund Julian Shi-An Maximilian Ho, der jüngste Preisträger ever seit es diesen Bewerb gibt, hier mit den Schwestern Nica, Maya und seinem besten Freund Julian Shi-An Maximilian Ho, der jüngste Preisträger ever seit es diesen Bewerb gibt, hier mit den Schwestern Nica, Maya und seinem besten Freund Julians Mutter als Fotografin und Filmerin Julians Mutter als Fotografin und Filmerin Ursula Berner von der Neubauer Bezirks-Kulturkommission fotografiert ... ... und postet gleich live von der Preisverleihung
Infos

Das Buch mit allen Preisträger_innen-Texten

exili-Literaturpeise, Texte 2017 Foto: Heinz Wagner Preistexte 17
Das Buch zu den Exil-Literaturpreisen - schreiben zwischen den Kulturen 2017
Mit Texten von: Helena Srubar, Gabriel Furmuzachi, Joanna Michalczuk, Zdenka Becker, Irene Diwiak, Amirabbas Gudarzi, Julian Shi-An Maximilian Ho und den SchülerInnen der HTL-Braunau (OÖ): Robert Mayr, Marcell Achreiner, Simon Ulmer, Benjamin Stoiber, Michael Frauscher, Andreas Reindl, Johannes Baischer, Martin Schacherbauer, Daniel Auböck, Simon Moharitsch, Fabian Reiffinger, Ramo Jasarević, Paul Lederbauer, Lukas Heinrich, Silvan Dörfler

Außer den preisgekrönten Texten beinhaltet das Buch Gespräche der Herausgeberin mit den Preisträger_innen - bzw. im Fall der Klassen mit der Lehrerin - sowie die Jury-Begründungen für ihre Entscheidungen.

Herausgegeben von Christa Stippinger
188 Seiten, broschürt
edition exil, wien 2017
15 €

www.zentrumexil.at/

(kiku) Erstellt am
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