Jubiläum junger "Kaot_innen"

Probenbesuch beim Circus Kaos

Wenige Minuten nachdem Verena dem Online-Kinder-KURIER gestanden hat, "ich hab Höhenangst" und noch angesichts des ungläubigen Reporterblicks ein "wirklich" nachschickt, klettert sie flink und geschickt eine der hohen Stangen des Trapez-Zick-Zacks hinauf - fast affenartig. Und kaum ist sie oben, turnt sie an der Querstange herum. "Ja, es stimmt, aber ich versuch sie eben zu überwinden... ... Der Zirkus ist urcool. Und ich muss das heuer besonders ausnutzen, weil's wahrscheinlich mein letztes Jahr ist." Im kommenden Jahr wechselt sie in eine anspruchsvolle, schwierige Höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Berufe "und da werd ich wahrscheinlich nicht mehr die Zeit haben, daneben noch regelmäßig zu trainieren", fürchtet sie. Sie ist schon eine langjährige Kaotin und auch in der Schreibgruppe, die die Story fürs diesjährige Programm entwickelt hat... ...  "Naja, eigentlich haben wir die Geschichte noch nicht fertig, aber das ist eh jedes Jahr das Gleiche", verrät sie rund zwei Wochen vor der Premiere.... ...  Zutaten der diesjährigen Geschichte sind vor allem Engeln - zeigt ein Foto-Shooting in einem anderen Teil der Halle, wo die Mitwirkenden der Reihe nach vor weißen, fedrigen Flügeln aufgenommen werden - fürs Programmheft. Passend zum Jonglieren, das natürlich nicht fehlen darf, wird's auch Wortspiele - also Jonglieren mit Gesagtem - geben. Angeblich kommt auch ein Magier vor und die Rettung der Welt… Und der 20. Geburtstag wird sich in "Wiedergeburten" von Figuren und Musik der vorangegangenen Programme wiederspiegeln. Auf der Kugel gehen in den von oben hängenden Tüchern turnen und Akrobatik - das wird die neunjährige Judith zeigen - "ich bin heuer das erste Mal in der großen Zirkusgruppe, die in der Show auftritt". Zuvor hatte sie an "kleineren" Kursen teilgenommen. "Das Turnen ist für mich nicht besonders anstrengend, das Gehen auf der Kugel schon, das ist nicht so leicht." Jonathan und Jesse legen gerade eine Pause ein, knotzen auf ihren Matratzen, lesen, beginnen dann gemeinsam ein Videospiel auf einer tragbaren Konsole und schwärmen davon, dass sie hier nun auch wohnen. Das Besondere am Jubiläum (wie bei den vorangegangenen runden Geburtstagen): Die Kids arbeiten hier nicht nur am jüngsten Zirkustheater, sie wohnen auch am Ort des Geschehens. Wenige Schritte von der Aufführungs-Halle entfernt, unterm selben Dach liegt ein abgetrennter Raum - voller Matratzen mit Schlafsäcken, dazwischen Rucksäcke, Bücher, Spiele… "Es gibt gar nichts besseres als die Tage hier zu verbringen", strahlt ihnen die Freude bei diesem Satz aus den Augen - nicht nur ihnen. Von hier aus fahren sie in ihre Schulen, haben aber nur wenige Schritte zum Training. Und sie proben auch immer wieder spontan das eine oder andere zusätzlich zwischendurch. Sie sind aber auch für alles zuständig, teilen Putz- und Hilfsdienste beim Essen ein. Und achten ganz von selber darauf, rechtzeitig schlafen zu gehen, weil der folgende Tag natürlich wieder nach der Schule Training bringt. Das Zirkus- ist somit alle fünf Jahre auch ein Projekt intensiven sozialen Lernens für ein paar Wochen.

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(kurier) Erstellt am
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