Kiku
15.12.2011

Jazz, Pferdekopfgeigen und Obertöne

Mongolisches Ensemble aus China und Wiener Jazzer_innen im "Kaisersaal"

Von außen ein unscheinbares Haus in der Wiener Kaiserstraße nahe dem Westbahnhof. Durch einen kleinen Hof hinein ins Erdgeschoßlokal mit dutzenden Klavieren, vorbei an diesen, die Steige hinauf in den ersten Stock – und du stehst in einem kleinen, aber feinen Konzertsaal. Mit ausgeklügelter Akustik. Dahinter in einer Ecke ein hochprofessionelles kleines Aufnahmestudio. Aber zurück zum Konzert- der Adresse entsprechend Kaiser-Saal genannt. Hier fand dieser Tage eine höchst ungewöhnliche musikalische Begegnung statt. Das WuLanMuQi-Ensemble reiste aus der zu China gehörenden Vorderen/Südlichen (von manchen auch Innere genannten) Mongolei an. Und zeigte traditionelle, beeindruckende Tänze, Gesänge und Pferdekopfgeigennummern. Den ersten Teil des Abends gestaltete das JAM Music Lab des Konservatoriums für Jazz und Popmusik in Wien. Bei drei Songs spielte die mongolische Studentin an dieser Wiener Hochschule Aoen Aoen das schon erwähnte weltbekannte Saiteinstrument. Der Pferdekopf, ursprünglich aus Knochen, heute längst aus Holz geschnitzt bildet das obere Ende der Geige mit eckigem  Resonanzkörper. Der Bogen bestand – zumindest früher – aus Pferdeschwanzhaaren.

Schweben und fliegen

Die jazzigen und Wiener Lieder erhielten durch die ungewöhnliche zusätzliche Instrumentierung mehr als einen Hauch schier unendlicher Weiten der Steppe.

Diese Impressionen wurden im zweiten Teil durch Tänze und Gesänge (Soli von XuRenQiMuGe und BaTeEr) verstärkt. Langtongesänge – und dazu Tänze, bei denen die Akteure über die Steppe zu schweben und fliegen schienen. TuBuXinBuHe, WuLiJiMengKe, NaMuLa, NaShunJiRiGaLa und NaShunWuLiJi spielten in Teufelsgeigermanier in der Folge Qi Bai Li Gaos Komposition „Das Galoppieren der zehntausenden Pferde“.

Schüsseltanz

Bei einem anderen, weit weniger wilden Tanz jonglierten die Tänzerinnen mit etlichen Schüsseln, teils sogar auf dem Kopf.

Diese musikalischen Eindrücke aus dem fernen Osten wurden aber noch durch den HuMai, auch Oberton-Gesang von WuLiJiMengKe und NaShunWuLiJi getoppt. Dabei schaffen es die Sänger gleichzeitig zwei verschiedene Töne zu Gehör zu bringen.

Mehrstimmig, vielschichtig und eine spannende Gemeinsamkeit ergab noch der gemeinsame Auftritt von AnDai und JAM.