„Echte Helden sind anders“

Setfotos von den Jugendfilmen "Echte Helden sind anders"
Foto: Andrea Klem Setfotos von den Jugendfilmen "Echte Helden sind anders"

Jugendliche drehten mit Profis drei Filme gegen Abwertung, Extremismus und Ausgrenzung

Die Tochter bringt ihren Freund mit, um ihn ihren Eltern vorzustellen. Bemüht und doch ignorant spielt die Mutter auf freundlich. „Und, habt ihr in Sirien (so spricht sie’s aus) auch Straßenbahnen?“ Der Vater im Ripp-Unterleiberl und mit mächtigem Kreuz um den Hals schlurft mehr abwesend ins Wohnzimmer.

„Und, welche Regierung hast du?“ – und meint dabei offenbar Religion, wenn er auf die erstaunte Nachfrage des jungen Mannes, dann meint: „Ich bin Christ!“ Dessen „Moslem“ quittiert er mit „Du basst nich!“ Das zieht sich mit Schweinsstelze und Vodka weiter... – mit letztlich doch überraschendem Ende.

Der rund siebenminütige Film ist einer von dreien unter dem gemeinsamen Projekttitel  „Echte Helden sind anders“. Diese entstanden in Zusammenarbeit von rund einem Dutzend Jugendlichen und mit Profis verschiedener Sparten – von Drehbuch bis Schauspiel. Die Jugendlichen brachten eigene Erfahrungen und Geschichten ein. Auch die eingangs geschilderte Familienszene beruht – wie am Beginn aller drei Filme eingeblendet wird – auf einer wahren Begebenheit. Eine Erfahrung von Ausgrenzung und Abwertung, deren Opfer mitunter Beute von Radikalisierern werden können. Die jahrelange immer wieder leider erfolgreiche Rekrutierung des IS setzte oft auf (Online-)Videos. Auch deswegen wurde in diesem Projekt gegen Extremismus auf das Medium Film gesetzt – alle drei sind nun online zu sehen – Link siehe unten.

Dem IS entkommen

Stills aus den Jugendfilmen "Echte Helden sind anders" Foto: Echte Helden sind anders Zurück zu den Filmen. Selbst die schier unfassbare Folterung eines vermeintlichen Rauchers durch IS-Kommandanten in Rakka im Film „Haram“ gab es tatsächlich. Diesem syrischen Jugendlichen gelang letztlich doch noch die Flucht und er landete am Ende in Österreich – und dann in diesem Projekt. „Es war in Wirklichkeit noch viel ärger, drum hab ich das gar nicht selber spielen können“, meinte der Betreffende, dessen Name aus Sicherheitsgründen nicht genannt sein soll bei der Offline-Filmpräsentation im Wiener Filmcasino.

Setfotos von den Jugendfilmen "Echte Helden sind anders" Foto: Mateusz Wiglinzki Diesen „Quasai“, wie er im Film heißt, spielte Aleksandar Vasić, der sich – wie auch die Schauspiel-Coaches meinten – durch besondere Begabung auszeichnete. „Ich hab als Kind schon gern Szenen aus meinen Lieblingsserien im Fernsehen nachgespielt“, erzählt er dem Kinder-KURIER von seiner Leidenschaft, in andere Rollen zu schlüpfen. Später stand er im Rahmen der offenen Jugendarbeit (Back-on-Stage 16/17) „immer wieder auf der Bühne. Aber bei diesem Filmprojekt hat sich so etwas wie ein Traum von mir erfüllt, aber es war auch eine Herausforderung.“ Insbesondere eine Szene nennt er als Beispiel, „wo ich die spätere Begegnung mit meinem Folterer in Wien ohne ein Wort nur mit den Augen ausdrücken sollte“.

Zu wenige Mädchen

Stills aus den Jugendfilmen "Echte Helden sind anders" Foto: Echte Helden sind anders Der dritte Film „Click Live“ (ca. 4 Minuten) widmet sich dem Thema (Cyber-)Mobbing. Es ist der einzige, in dem auch einige Mädchen mitspielen - ein Manko des Projekts: Mädchen waren die absolute Minderheit. Dafür sind hier die Rollen umgedreht: Die beiden Mädchen Laura und Kathie mobben den Buben Achuyt, filmen ihre Attacken auf den Jungen – die Situation eskaliert, andere Jungs greifen ein und ...

Eine der beiden Schauspielerinnen im Team war Michelle Damla Kök (spielt Laura). Das sei für sie aber kein Problem gewesen, alle Burschen hätten sie voll auf Augenhöhe akzeptiert. „Aber es war echt schwer, aber doch auch wieder cool, so eine böse Rolle zu spielen.“ Eine zweite, Parisa Zahedi, wollte schon als kleines Mädchen im Iran auf die Bühne. In Wien besucht sie - im zweiten Jahr - eine Schauspielschule und setzte ihr Talent, in andere Rollen zu schlüpfen, beim Filmprojekt vor der Kamera ein. Jetzt im Herbst spielt sie mit vier Schauspielschulkolleg_innen im "jungen theater im ersten Stock" in einem Theaterstück namens "40 Tage ohne Handy - eine Challenge".

Geschichten Jugendlicher

Stills aus den Jugendfilmen "Echte Helden sind anders" Foto: Echte Helden sind anders In Workshops wurde zunächst zwischen den beteiligten Jugendlichen - die unter anderem aus Österreich, Nepal, Pakistan und Syrien stammen - Unterstützung von Schauspiel-Coaches und Drehbuchautor_innen, um eigene Erfahrungen kreativ umzusetzen. Zwischen den Jugendlichen und den Profi-Coaches wurde rasch eine große Vertrauensbasis hergestellt. Die Jugendlichen öffneten sich und erzählten ihre erlebten Geschichten von Ausgrenzung, Mobbing und sogar Folter. Gemeinsam mit den Profis wurden daraus spielbare Drehbücher erarbeitet. Dann ging’s daran, diese auch vor der Kamera spielen zu können. Viele der Rollen wurden selbst von ihnen gespielt. Für viele war dies eine neue Erfahrung. Für einige hat sich aus dem Projekt vielleicht auch eine berufliche Perspektive – vor, hinter und rund um die Kamera ergeben. Manche der insbesondere erwachsenen Rollen wurden von Gast-Profis wie beispielsweise Claudia Kottal verkörpert.

Hintergrund

Offline-Präsentation der Filme "Echte Helden sind anders" Foto: Heinz Wagner „Wir wollten das Identitätsbild von Jugendlichen stärken. Nicht nur indem sich die Filme an diese Zielgruppe richten, sondern auch weil sie von ihnen mitentwickelt und umgesetzt wurden”, meint Projekt-Erfinder und -Leiter Mahir Yildiz.

„Radikalisierung findet unter anderem im Internet statt. Videos sind dabei eine wichtige Quelle der Beeinflussung, gerade auf Jugendliche. Mit dem Projekt „Echte Helden sind anders“ wird bewusst auf ein Gegenkonzept gesetzt, das bei der Stärkung von Jugendlichen und ihren Identitäten ansetzt. Wir setzen damit eine wichtige Maßnahme gegen Radikalisierung und für Prävention“, meinte (Noch-)Staatssekretärin Muna Duzdar. Das Staatssekretariat für Diversität, Öffentlichen Dienst und Digitalisierung im Bundeskanzleramt hat das Filmprojekt ebenso unterstützt wie die Wiener Kinder und Jugendanwaltschaft.

Setfotos von den Jugendfilmen "Echte Helden sind anders" Foto: Andrea Klem Bei der filmischen Umsetzung wurden die Jugendlichen von einem professionellen Team unterstützt. Viele der Rollen wurden selbst von ihnen gespielt, wodurch die meisten erstmals in Kontakt mit der Schauspielerei sowie den Abläufen vor und hinter der Kamera kamen. Für einige hat sich aus dem Projekt somit auch eine berufliche Perspektive ergeben.

Link zu den Filmen: https://vimeo.com/echteheldensindanders

Infos

Die Beteiligten

Echte Helden sind anders

Du basst nich
Haram
Click Live

Idee, Konzept, Projektleitung,
Produktionsleitung, Regie:              Mahir Yildiz

Konzept, Workshop-Leitung,
Aufnahmeleitung:                            Aleksander Studen-Kirchner

Schauspiel Coaches:                        Alev Irmak, Aleksander Studen-Kirchner
Drehbuch Coaches                          Ibrahim Amir, Fero Zboray

Drehbücher/Schauspieler_innen:
Die Jugendlichen: Abhinab Sapkota, Ahmad Alhommada, Aleksandar Vasić, Ali Ahmad, Arben Kica, Asim Ali Shafia, Delwar Anz, Michelle Damla Kök, Parisa Zahedi, Paul Sammy Chinoris, Soliman Alhommada

Kamera:                                            Michael Rottmann
Kamera Assistenz:                          Phillip Habenicht
Oberbeleuchter:                             Gottfried Schmelzer, Michael Weitz
Ton:                                                   Sebastian Brötzner, Axel Schlögel
Schnitt:                                              Wolfgang Auer

Produktionsassistenz:                    Mateusz Wiglinzki
Musik:                                                Nejla Melike Atalay
Farbbearbeitung:                            Daniel Hollerweger
Tonbearbeitung,
Sound Design:                                 Sinan Ilhan
Continuity/Script:                            Sarah Bernhardt
Kostümbild:                                      Özlem Oktan, Sonia Shaieb
Szenenbild:                                       Çagdaş Yılmaz, Reha Refik Tasci
Maskenbild:                                      Nina Peters

(Profi-)Gast-Schauspieler_innen
Du basst nich (ca. 7 Minuten)
Oktay Güneş, Claudia Kottal, Asail Alhommada

Haram (ca. 11 Minuten)
Khaled Moubaid, Alev Irmak, Maylin Kretzschmar, Aleksander Studen-Kirchner,

Fotos (1)...

... von Dreharbeiten und den Sets

Setfotos von den Jugendfilmen "Echte Helden sind anders" Setfotos von den Jugendfilmen "Echte Helden sind anders" Setfotos von den Jugendfilmen "Echte Helden sind anders" Setfotos von den Jugendfilmen "Echte Helden sind anders" Setfotos von den Jugendfilmen "Echte Helden sind anders" Setfotos von den Jugendfilmen "Echte Helden sind anders" Setfotos von den Jugendfilmen "Echte Helden sind anders" Setfotos von den Jugendfilmen "Echte Helden sind anders" Setfotos von den Jugendfilmen "Echte Helden sind anders" Setfotos von den Jugendfilmen "Echte Helden sind anders" Setfotos von den Jugendfilmen "Echte Helden sind anders" Setfotos von den Jugendfilmen "Echte Helden sind anders" Setfotos von den Jugendfilmen "Echte Helden sind anders" Setfotos von den Jugendfilmen "Echte Helden sind anders" Setfotos von den Jugendfilmen "Echte Helden sind anders" Setfotos von den Jugendfilmen "Echte Helden sind anders" Setfotos von den Jugendfilmen "Echte Helden sind anders"
Fotos (2)

Die Mitwirkenden bei der Filmpräsentation

Filmcrew und Unterstützer_innen samt Filmplakat Filmcrew und Unterstützer_innen samt Filmplakat Filmcrew und Unterstützer_innen samt Filmplakat Filmcrew und Unterstützer_innen samt Filmplakat Filmcrew und Unterstützer_innen samt Filmplakat Filmcrew und Unterstützer_innen samt Filmplakat Filmcrew und Unterstützer_innen samt Filmplakat Fast alle Jugendlichen und anderen Mitwirkenden waren zur Präsentation ins Filmcasino gekommen Fast alle Jugendlichen und anderen Mitwirkenden waren zur Präsentation ins Filmcasino gekommen Fast alle Jugendlichen und anderen Mitwirkenden waren zur Präsentation ins Filmcasino gekommen Fast alle Jugendlichen und anderen Mitwirkenden waren zur Präsentation ins Filmcasino gekommen Fast alle Jugendlichen und anderen Mitwirkenden waren zur Präsentation ins Filmcasino gekommen Fast alle Jugendlichen und anderen Mitwirkenden waren zur Präsentation ins Filmcasino gekommen Fast alle Jugendlichen und anderen Mitwirkenden waren zur Präsentation ins Filmcasino gekommen Staatssekretärin Muna Duzdar schafft's fast immer alle auf ein Selfie draufzukriegen Staatssekretärin Muna Duzdar schafft's fast immer alle auf ein Selfie draufzukriegen Staatssekretärin Muna Duzdar schafft's fast immer alle auf ein Selfie draufzukriegen Staatssekretärin Muna Duzdar schafft's fast immer alle auf ein Selfie draufzukriegen Staatssekretärin Muna Duzdar schafft's fast immer alle auf ein Selfie draufzukriegen Staatssekretärin Muna Duzdar schafft's fast immer alle auf ein Selfie draufzukriegen
(kiku) Erstellt am
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