Farben-, Creme- und andere Experimente

Foto- & Text-Reportage über den Auftakt der Wiener Kinderuni on Tour 2011

Jasmina, Natalia, Halim und Tunahan sitzen, hockerln, knotzen um einen Teller. Drauf ein wunderschönes Farbmuster. Mit klaren Grenzen zwischen dem blauen, grünen und roten Bereich. „Wir haben die färbige Tinte zuerst auf Zuckerwürfel gegeben“, erläutern sie dem (Online-)Kinder-KURIER-Reporterduo. Der Zucker hat begonnen, sich im Wasser aufzulösen und rasch verbreitete sich das bunte Zuckerwasser hinein in den durchsichtigen Bereich. Als es auf andere bunte Flüssigkeit traf, stoppte es. „Was passiert, wenn man noch einen Zucker reingibt?“, will wer aus der Runde wissen. „Probier’s aus!“, ist der Tipp der Betreuerin von der Kinderuni. Ein Stück Würfelzucker, diesmal ohne bunter Tinte landet vorsichtig in der Mitte des Tellers. Und? Rund um ihn bildet sich ein Kreis durchsichtigen Wassers, das die Farbflächen ein wenig verdrängt. Die sich im Wasser auflösenden Zuckermoleküle suchen sich ihren Platz – und alle suchen nach einer Art Ausgleich. Alle dieser kleinsten physikalischen Teilchen sollen ihren Platz haben. So und nun zum schon in der Story vorne angekündigten „Wunder“, nach dem blau plus gelb rot ergeben.
Doch bevor verschiedene Farb-Flüssigkeits-Versuche hier durchgeführt werden können, kommt Schritt 1: Blaukraut-Blätter werden zerschnipselt, kommen in eine Schüssel, ein bissl Wasser dazu und reihum geht der Mörser, eine nach dem anderen zerstampfen und zerquetschen das Gemisch, bis blaue Flüssigkeit abgeseiht werden kann. Und nun geht’s los.
In kleine Becherchen kommt immer ein bisschen Blaukrauftsaft und immer was anderes dazu: Essig, Zitronensaft, Duschgel, Haarshaampoo, Seife, Waschpulver.
Und echt, der gelbe Zitronensaft und der blaue Krautsaft zusammengeschüttet – ergeben rot. Kein Schmäh.
Und deswegen kann der Blaukrautsaft als Testmittel eingesetzt werden. Was sauer ist, wird durch ihn rot. Bei den verschiedenen Waschmitteln wird’s unterschiedlich stark oder schwach grün. „Basisch“ heißen diese – Nicht-Säuren. Gemessen wird das übrigens im sogenannten ph-Wert (sollte zum Beispiel auf Seifen, Duschlotions usw. drauf stehen). Ein solcher von 5,5 gilt als gut hautverträglich. Apropos Haut. Zum Glück hat sich der Sommer ja wieder zurückgekämpft. Also passte auch dieser Versuch ganz gut. Wir dürfen Aldiana, Francesco (Foto  oben), Isabell und Linda über die Schulter schauen, als sie selber Sonnencreme herstellen. Die Zutaten – von Wasser über Mandelöl, Lysolecithin, SofiTix-Breitband-Pulver und ein paar Tropfen Paraben K – haben die Leute von der Kinderuni in der dazugehörigen Experimente-Box mit. Unser Test-Quartett mixt und rührt das Gemisch. Fertig ist die Sonnencreme. Eigentlich. Doch noch richtig sie – fast nach nix. Also stehen auch noch Duftöle zur Verfügung. Zwischen „Grünem Tee“ und Lavendelöl liegt die engere Auswahl, manche probieren gleich beide rein zu mischen. Im Vordergrund steht eher das experimentieren als der Geruch. Apropos Geruch. Der steigt bei so manchen bei einer anderen Station auf, auch wenn er gar nicht da ist. In ein Papierstanitzl kommt – natürlich saubere – Katzenstreu. Ein bissl. Und dann leert eine aus der Runde ein bissl Wasser rein. Es tröpfelt durch. Ein wenig warten. Und nochmaliger Versuch, Wasser reinzuleeren. Und siehe da: Nix kommt durch. Die Jungwissenschafter_innen begutachten den Inhalt des Stanitzls, spüren mit den Händen durchs Papier: „Das ist hart geworden!“, stellen einige fest. Genau das ist es. Das Gemisch aus Katzenstreu und Wasser hat sich verklumpt und lässt nun nix mehr durch. Bei einer anderen Station üben sich die Park-Uni-Studierenden in der Kunst des Tarnens. Ein schwarzes Blatt Naturpapier bemalen sie mit weißen unregelmäßigen Flecken. Schneiden aus einem weiteren Stück schwarzen Papiers eine Tierform aus – Flora fabriziert einen Fisch. Dieses wird ebenso weiß betupft und dann aufs erste, große Blatt gelegt. Ziemlich schwer, das Tier zu sichten. Fast unmöglich wird’s, als der Kinderuni-Betreuer das jeweilige Blatt in eine – durchsichtige –Kunststofffolie reinlegt. Da verschwimmen Vorder- und Hintergrund dermaßen, dass … gut getarnt!

Nebenan (rechts im Bild) „zaubert“ Linda. Ohne Pumpe, ohne Motor bringt sie Wasser von unten nach oben. Rund um eine Kunststoffflasche ist ein durchsichtiger Schlauch gewickelt. Aus der unteren Schüssel bringt sie das Wasser nach oben! Und das geht so: Wird das untere ende des Schlauchs ins untere Becken eingetaucht, rinnt Wasser rein, durch die Drehung, rinnt es immer zum tiefsten Punkt. Und der ist ja durchs Drehen nicht mehr die untere Öffnung. Ein „Trick“, der nach seinem Entdecker, dem alten Griechen Archimedes benannt ist. Rund 2300 Jahre alt somit. Aber was sind schon diese paar Jährchen. Nun geht’s auf in den im Hauptartikel schon beschriebenen mobilen Hörsaal der Kinderuni on Tour. An diesem Tag steht Geologie auf dem Programm. Steine, Wasser, die Erde schallen der Lehrenden Monika von aufgeweckten Kids entgegen. Insbesondere Eldi weiß da schon ziemlich viel. „Das meiste aus dem Fernsehen, manches hat sich auch in der Schule wiederholt“, wird er später dem Online-KiKu „verraten“. Ja, und echtes Anschauungs- und hier natürlich auch Angreifmaterial macht die Runde. Zum Beispiel ein Fossil, eine versteinerte Schnecke. Die ist, so die Vortragende: „Ungefähr 20 Millionen Jahre alt“. Ein paar „pfauh“ sind die Folge, bevor sie dieses Alter gleich wieder als recht jung preisgibt. Der nächste Stein mit Abdrucken von Pflanzen ist fast 15 Mal so alt (290 Millionen Jahre). Ein Stück frisches Farn hat sie draufgeklebt – auch der Abdruck stammt von einer solchen Pflanze. Lava, Granit, gehen reihum. an manchen sind deutlich Spuren von ihrer Entstehung zu sehen - Faltungen. Und auch hier Verblüffendes: Was kaum wer glaubt: Es gibt auch Steine, die schwimmen können - die Wasserschüssel zeigt den Beweis.
Bimssteine heißen die übrigens. Can zückt sein Handy, aktiviert die Kamera und filmt live – unter anderem die alten Trümmer – mit. Nach der Vorlesung sind die Experimente-Stationen wieder in Betrieb. Auch jene, bei der aus Draht Schlingen gebogen werden können, um unterschiedlich große Seifenblasen zu fabrizieren. Pro Station gibt’s auch Sammelkarten, wo die Versuche – samt Erklärung – einfach und übersichtlich beschrieben und gezeichnet sind. Für ein paar Sammelkarten gibt’s beim Infopoint ein Kinderuni-T-Shirt mit dem Spruch „Wir stellen die Uni auf den Kopf“ und heuer auch Give-aways von einem Sponsor der diesjährigen Tour. Beliebt sind die großen aufblasbaren gelben Hände... ...Die nutzen etliche Kids, um sich beim spontan entstehenden Ballspiel vor dem Abschießen zu schützen.

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(kurier) Erstellt am
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