Ein Drittel der Kids zugewanderter Türken studiert...

Mats Ekholm und Barbara Herzog-Punzenberger
Foto: heinz wagner

... in Stockholm. Auch ein Bildungsvergleich Schweden-Österreich

Ein Drittel der zweiten Generation zugewanderter Türken studiert an den Universitäten - in Stockholm. In Deutschland, der Schweiz und Österreich liegen diese Anteile bei rund einem Zehntel. Diese ersten Trends der TIES-Studie (The Integration of the European Second Generation), die erst Mitte dieses Jahres veröffentlicht wird, bestätigte eine der Co-AutorInnen dem KURIER. Barbara Herzog-Punzenberger, Migrationsforscherin und Leiterin des österreichischen Teils dieser Untersuchung gewährte erste Einblicke in das große internationale Grundlagenforschungsprojekt, das in sieben Ländern die Lebenssituation Erwachsener, deren Eltern aus der Türkei zugewandert waren, untersucht(e). Detaillierte Zahlen dürfen erst mit Veröffentlichung der Studie (Frühsommer 2011 in der Amsterdam University Press, Herausgeber Maurice Crul) bekannt gegeben werden.

Früh im Kindergarten, muttersprachlicher Unterricht

Etliche Faktoren begünstigen den Bildungsaufstieg in Schweden, wie sie Mats Ekholm, Generaldirektor im Bildungsministerium kürzlich bei einer Diskussionveranstaltung der Initiative Bildung grenzenlos nannte:

Bereits vier von zehn Kindern besuchen ab dem zweiten Lebensjahr die erste Bildungseinrichtung (Kindergarten).

Seit Jahrzehnten gibt es eine gemeinsame Grundschule für alle bis zum 16. Lebensjahr - die ersten sieben Jahre übrigens ohne Noten!

93 Prozent setzen ihre Bildungslaufbahn anschließend in einem Gymnasium fort.

Das ist aber noch nicht alles, wie Ekholm ausführt. Zusätzlich erhalten drei von vier Kindern, deren Eltern aus einem anderen Land nach Schweden kamen, Unterricht in der Muttersprache. Mindestens durch drei Jahre hindurch, 60 bis 120 Minuten pro Woche.

Und in Österreich?

Beschränken wir uns hier auf den zuletzt genannten Punkt: Da kommt nicht einmal eines von fünf Kindern in den Genuss ergänzenden Unterricht in der Muttersprache zu erhalten. Übrigens wird er hierzulande in diesem Schuljahr erst zum allerersten Mal auch auf Kurdisch angeboten - und dies obwohl ein hoher Prozentsatz der zugewanderten Menschen aus der Türkei aus dem mehrheitlich kurdischen Ostanatolien stammt! Im Übrigen eine bisher weitgehend vernachlässigte Erkenntnis. Diese Familien haben also schon zwei Sprachbrüche hinter sich, bevor sie Deutsch lernen soll(t)en. Mit Kurdisch eine in ihrer Heimat verbotene, mit Türkisch eine zwangsweise aufoktroyierte Sprache.
In Schweden erscheinen übrigens Jahr für Jahr mehrere Dutzend Kinderbücher der aktuellen Produktion in verschiedensten Sprachen von Zugewanderten - und dies nicht nur großer Sprachgruppen. In Österreich ist das Erscheinen von Mira Lobes klassischer "Das kleine ich bin ich" (Verlag Jungbrunnen) in Türkisch, Bosnisch, kroatisch, Serbisch fast schon eine Sensation.
Heinz Wagner

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(kurier) Erstellt am
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