Witziges Kippen von Schubladen

Kopie von Aus "Ein Känguru wie Du" von Theater ISKRA im Dschungel Wien
Foto: Max Gruber/ISKRA Aus "Ein Känguru wie Du" von Theater ISKRA im Dschungel Wien

„Ein Känguru wie du“ - nach dem gleichnamigen Kinderbuch – als Theaterstück nun auch im Dschungel Wien nimmt Vorurteile humorvoll auf die Schaufel.

Die Prinzessin ist eine alte Schachtel, düst aber gern mit einem Motorrad umher. Die beiden Raubkatzen sind ganz und gar nicht wasserscheu, sondern nur dann, wenn ihr Trainer ihnen sagt, dass sie es seien - „ach ja, hab ich vergessen“. Ihren – namenlosen – Trainer halten weißer Tiger und schwarzer Panther für schwul, weil er sich so oft kämmt, einparfümiert, seltsame Kleidung trägt und scheinbar keine Frau/Freundin hat. Dafür ist das boxende und äußert „männliche“ Känguru schwul – und stolz drauf.

Mit Live-Musik

Aus "Ein Känguru wie Du" von Theater ISKRA im Dschungel Wien Foto: Max Gruber/ISKRA Klischees und Vorurteile werden über den Haufen geworfen – und das nie krampfhaft, sondern stets organisch in die erzählte Geschichte eingebaut – und obendrein mit viel Humor. „Ein Känguru wie du“ heißt das von Ulrich Hub im Vorjahr erschienene rund 90-seitige Kinderbuch (ab 8 Jahren, Verlag Carlsen, Illustrationen Jörg Mühle). Daraus haben verschiedene Theatergruppen Stücke gemacht, unter anderem die Gruppe ISKRA. Deren Version – mit Live-Musik - ist nun im Dschungel Wien (MuseumsQuartier) zu erleben.

 

Schubladen

Aus "Ein Känguru wie Du" von Theater ISKRA im Dschungel Wien Foto: Max Gruber/ISKRA Vor, neben, hinter und rund um einen Hauch von Zirkusvorhang spielen Pascha, der weiße Tiger mit schwarzen Streifen (Christian Krall) und der schwarze Panther Lucky (Zeynep Alan) samt ihrem Trainer (Franziska King) und dem -hier Saxofon spielenden Känguru Django (Mathias Krispin Bucher) in der Regie von Nika Sommeregger. Das Stück hält sich – nur mit klitzekleinen Abänderungen – ans Buch, verdichtet es natürlich in den 50 Minuten, fügt mit dem Live-Musiker als Känguru eine weitere Dimension hinzu. Und mit einer Frau als Trainer – Trainerin würde die Story mit dem vermeintlichen Schwulsein weswegen die beiden Raubkatzen abhauen, verunmöglichen – wird noch eine weitere Schublade ausgeleert.

 

Wandlung

Aus "Ein Känguru wie Du" von Theater ISKRA im Dschungel Wien Foto: Max Gruber/ISKRA Gut nachvollziehbar spielen die beiden Raubkatzen-Darsteller_innen ihre Wandlung: Erst hauen sie ja ab, weil sie ihren Trainer für schwul halten – mit so einem wollen sie nichts zu tun haben. Als aber alle Menschen – aus Angst vor ihnen, was sie gar nicht mitkriegen – vor ihnen flüchten, finden sie in Django einen wirklichen Freund. Und als der einfach so nebenbei erwähnt, schwul zu sein, beginnen sie ihr Vorurteil zu hinterfragen. Erst sprechen sie nur scheinheilig davon, damit kein Problem zu haben. Doch nach und nach meinen sie dies auch echt.

Die Regisseurin – und ihr Team – will mit dem wahrhaftig sehr unterhaltsamen Stück, das Vorurteile witzige auf die Schaufel nimmt, aber auch Gespräche und Diskussionen in Gang setzen – eben die Auseinandersetzung mit – Zuschreibungen und Diskriminierungen. Egal ob Buben oder Mädchen, Einheimische oder „Zuagraste“, homo- oder hetero-sexuell, In- oder Ausländer_in, oder was auch immer – sieh den Menschen dir gegenüber! Und weil dieses miteinander darüber reden, das diskutieren, das argumentieren eine wichtige Basis für Demokratie ist, hat auch diese Stückversion ein demokratischen Ende eingeplant: Wenige Minuten vor dem echten Ende – in der Zirkusmanege nach einem überraschenden Erfolgsauftritt wird das Publikum gefragt, ob es eine Version mit/ohne Auftritt der Prinzessin oder ohne/ohne sehen will.

 

Troubles

Aus "Ein Känguru wie Du" von Theater ISKRA im Dschungel Wien Foto: Max Gruber/ISKRA Übrigens: Im deutschen Baden-Baden musste das Stück vom Spielplan abgesetzt werden, weil Lehrer_innen und Eltern ihren Kindern das Thema nicht zumuten wollten. In Köln wurde Kindern das Erlebnis nicht verwehrt und Interviews (ARD) mit Kindern am Rande von Lesungen des Autors zeigten, dass Kinder kein Problem damit haben. Vielleicht führt das Stück ja dazu, dass die eine der der andere „schwul“ künftig einmal weniger oder gar nicht als Schimpfwort gebraucht.

Und: Vor rund zehn Jahren gab es in Wien noch große Aufregung, als der Dschungel Wien das Stück „König und König“ - in dem sich ein Prinz in den Bruder einer als heiratswillig bewerbenden Prinzessin verliebt – spielte. So nebenbei: Keiner jener, die sich aufgeregt haben, hatte zu diesem Zeitpunkt das Stück kennen können – der Protest kam Wochen vor der allerersten Aufführung ;)

 

Fotos aus dem Stück

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Infos

Was? Wer? Wann? Wo?

Aus "Ein Känguru wie Du" von Theater ISKRA im Dschungel Wien Foto: Max Gruber/ISKRA Ein Känguru wie Du
von Ulrich Hub
teater ISKRA
Schauspiel mit Livemusik, 50 Minuten, ab 8 J.

Schauspieler_innen: Zeynep Alan, Mathias Krispin Bucher, Franziska King, Christian Krall
Regie: Nika Sommeregger

Ausstattung: Peter Ketturkat, Karin Bayerle

Aufführungsrechte: Verlag der Autoren, Frankfurt/Main

Aus "Ein Känguru wie Du" von Theater ISKRA im Dschungel Wien Foto: Max Gruber/ISKRA Wann und wo?
Bis 11. November 2017
10. bis 14. Jänner 2018
Dschungel Wien, 1070, MuseumsQuartier
Telefon: (01) 522 07 20-20
www.dschungelwien.at

Das Buch

Buchcover: Ein Künguru wie du Foto: Verlag Carlsen Ein Känguru wie du
Autor: Ulrich Hub
Mit Bildern von Jörg Mühle
ca. 90 Seiten

Verlag Carlsen
Hardcover: 13,40 €
eBook: 8,99 €

(kiku) Erstellt am
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