Protest gegen Abschiebung

© Ruth Lesigang

Drohende Abschiebung
10/06/2016

Jugendliche wollen ihren Mitschüler nicht verlieren

Bestens integrierter syrischer Familie aus Aleppo droht Abschiebung. Jugendliche und Pfarre engagieren sich für Bleiberecht!

von Heinz Wagner

„Bleib bei uns!“ Jugendliche des Gymnasiums St. Ursula in Wien-Liesing verfassten Donnerstag Mittag in der Pfarre Erlöserkirche Plakate mit diesem Spruch und ähnlichen Wünschen/Forderungen. Sie wollen ihren Mitschüler Njteh nicht verlieren. Der 13-Jährige besucht die 3. Klasse. Seine 25-jährige Schwester ist Englisch-Arabisch-Dolmetscherin, hat mittlerweile für Deutsch den B1-Kurs absolviert („selbstständige Sprachverwendung“). Sie sind mit dem Vater (62) im Vorjahr nach der Flucht aus dem bombardierten syrischen Aleppo in Wien gelandet. Und hier bestens integriert. Njteh in seiner Klasse. Aber nicht nur. Allein am Donnerstag unterschrieben 350 Kinder und Jugendliche des Gymnasiums eine Petition, in der sie verlangen, dass ihr Mitschüler hier bleiben kann. Außerdem ist er Teil eines Fußballteams.

Ehrenamtliches Engagement

Außerdem engagiert er sich sowie seine Schwester und der Vater, der in Syrien eine T-Shirt-Fabrik betrieben hatte, ehrenamtlich in und rund um die Pfarre. „Die Familie ist bestens integriert, will immer auch viel für die empfangene Hilfe zurückgeben. Obwohl sie orthodoxe Christen sind, waren sie in den vergangenen Monaten immer bei uns in der katholischen Messe. Es war ihnen zu mühsam, immer nach dem Stand ihres Asylverfahrens gefragt zu werden“, schildert Ruth Lesigang, Flüchtlingskoordinatorin in der Pfarre, die sich um die Familie kümmerte.

Blaulicht

Mittwoch Früh wurden die drei aus ihrer von der Pfarre zur Verfügung gestellten Wohnung mit Blaulicht von der Polizei abgeholt und in Schubhaft genommen, Handys wurden ihnen abgenommen. Ihre Betreuerin durfte sie nur wenige Minuten sehen. Kriegsflüchtlinge behandelt wie Schwerverbrecher. Die drei sollen am Freitag nach Kroatien abgeschoben werden, weil sie auf ihrer Flucht über die Balkanroute gekommen waren. Es sei denn, so die Hoffnung der Mitschüler_innen, der Menschen in der Pfarre und vieler anderer: Österreichische Behörden zeigen in letzter Minute, ja fast schon Sekunde, ein Einsehen und setzen die Abschiebung aus. Immerhin läuft hier ja das Asylverfahren.

„Jetzt ist der Vater am Ende“, berichtet Lesigang dem Kinder-KURIER gegenüber. Die Ehefrau und Mutter konnte aus gesundheitlichen Gründen die Flucht nicht mitmachen, fristet ihr Dasein im eingeschlossenen, umkämpften Aleppo „und der Vater sagt, er könne nicht noch einmal von Null auf anfangen, da würde er sogar nach Syrien zurückgehen!“

Kein Einzel„fall“

Natürlich wissen alle Beteiligten, dass es sich bei Njteh, seiner Schwester und einem Vater um kein Einzelschicksal handelt, sondern laut der Diakonie über gut Tausend Schutzsuchenden diese Damoklesschwerter schweben. Und dennoch hoffen alle Beteiligten mit ihrem Wunsch, ihrem Protest Erfolg zu haben und dem Trio zu ermöglichen in Österreich bleiben zu dürfen, wo sie neue Freund_innen gewonnen und die Sprache schon gelernt haben.
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