Kiku
08.03.2014

Zwei arme Hunde auf der Suche nach dem großen Glück

Wahre Spielfreude zweier Performerinnen im gesellschaftskritischen Stück "Dog Stories" des chinesischen Autors Meng Jinghui im Dschungel Wien.

Ein wahrhaftes Feuerwerk an Schauspielkunst, Comedy, mitreißender Performance mit sehr deutlich und kraftvoll zu spürender riesengroßer Spielfreude und -lust, streckenweise sehr trashig, absurd und doch mit so manchen stillen, nachdenklich machenden Momenten – das ist die wunderbare Umsetzung von „Dog Stories“ des chinesischen Autors Meng Jinghui (孟京辉) durch Yap Sun Sun und Suse Lichtenberger in der Regie von Michael Alexander Pöllmann.

"Blühender Reichtum" und "Glück kommt"

Zwei Hündinnen auf der Suche nach dem Glück. Wie so oft stehen sie eher für Menschen. Und für die beiden trifft eher das geflügelte Wort vom „armen Hund“ zu. Die Grundstory des chinesischen Autors geht von den beiden Wanderarbeitern Wang Cai (ausgesprochen wie das russische Wort für Tee; zu Deutsch „blühender Reichtum“) und Lai- Fu („Glück kommt“) aus. Die machen sich in die große Stadt auf, um dort dem armseligen dörflichen Dasein zu entkommen und das große Glück zu suchen. Stars wollen sie werden. Damit spielen sie von Anfang an, das heißt eigentlich schon davor. Bereits vor dem Eingang zum Saal 1 im Dschungel Wien starten sie mit Ukulele und Gesang den Versuch, Zuschauer_innen zum Mitsingen des Beatles-Songs „A hard day's night“ zu animieren.

Mitreißende Show

Drinnen haben sie ihr Publikum von Anfang an in der Hand – nehmen es mit auf die Reise von der Perspektivlosigkeit zur Suche nach dem großen (Bühnen-)Traum. Mit allen Höhen und vor allem Tiefen. Und dem Versuch, sich aus Rückschlägen wieder raus zu strampeln. Meist gemeinsam – aufgrund der Notsituation fast zwangsweise zusammengeschweißt, manchmal getrennt – superreich die eine, beschissen arm die/der andere, im Krankenhaus die/der eine, im Häfen (Gefängnis) der/die andere. Viele absurde, schräge Momente, wildes, oftmals scheinbar sinn-los reines (Schau-)Spiel entpuppen sich in the long run des nicht ganz eineinhalb stündigen Stücks zu einer weit über China hinausgehenden Auseinandersetzung mit Kritik an globalisiertem Turbokapitalismus und Suche wenigstens nach Nischen, in denen noch sinnvolles Leben und Handeln (vielleicht) stattfinden könnte. Was sie jedoch mehr als die Suche nach Erfolg am Leben erhält ist ihre Freundschaft, wenngleich mitunter eher aus der Not. Aber immerhin.

Nach „Cubus“ von „daskunst“ ist „Dog Stories“ innerhalb kürzester Zeit ein weiteres Stück lustvoller grundsätzlicher Gesellschaftskritik im Theaterhaus für junges Publikum im Dschungel Wien.

Dog Storieswerk89Kein Weg ist lang, mit einem Freund an deiner Seite!

Autor: Meng Jinghui (孟京辉) Regie: Michael Alexander Pöllmann Darstellerinnen: Suse Lichtenberger, Yap Sun Sun Musikalische Leitung: Martin Hemmer Ausstattung: Sebastian Pöllmann Licht: Claus Zweythurm Künstlerische Assistenz: Christine Beinl Produktion & Kommunikation: Simon Hajós Hospitanz: Marija Jociūtė Aufführungsrechte: Drei Masken Verlag, München

Bis 11.März Dschungel Wien 1070, MuseumsQuartier Telefon: (01) 522 07 20-20www.dschungelwien.at