© heinz wagner

Standpunkt-Diskussion
03/15/2013

Diskriminierung bei der Jobsuche

Jugendliche diskutieren bei der BeSt: "Was könnte ich werden? Eine wichtige Lebensentscheidung"

von Heinz Wagner

Sei es wirklich so, dass Frauen im Berufsleben benachteiligt werden? Und warum? Wieso gebe es überhaupt Diskriminierungen bei der Jobsuche?
In der Halle D der Wiener Stadthalle Tausende fragende Jugendliche bei Hunderten Info-Ständen weiterführender Schulen, von Uni-Instituten, Fachhochschulen und anderen (Aus-)Bildungsinstitutionen. Große Hektik. Hinter einer der großen Stahltüren, einen langen Gang weiter ein Workshopraum, in dem ausführlicher und intensiver diskutiert werden kann.

Rund 150 Jugendliche taten dies bei der Veranstaltung Standpunkt (einer Kooperation von Bildungsministerium, ORF-Radio und KURIER). Zur Frage „Was könnte ich werden?“ ging’s nicht um konkrete Berufsberatung, sondern viel mehr um das wie suchen, wie drauf kommen, welche Berufe zu einem/einer passen könnten, ob das Wissen dafür in der Schule erlernt werde, worauf’s bei der Suche ankommt...

Podium

Erste Inputs kamen vom Podium mit Helmut Bachmann (im Bildungsministerium unter anderem für die Neue Mittelschule zuständig), Julia Wojta (fertige Juristin, die sich nach zwei Jahren einschlägiger Berufspraxis in einem ganz anderen Feld selbstständig machte und Kuchen am Stil produziert), Jennifer Davis (Jugendcoach) und August Gächter (Forschung zu Migration und Integration).

Jugendliche

Einige wenige Schülerinnen und Schüler haben schon ziemliche genaue Berufsvorstellungen – von Kindergartenpädagogik über Streetwork bis zu Psychotherapie.
Viele aber zeigen sich verunsichert – welche Anforderungen kommen auf sie zu? Können sie wirklich einen Beruf, künftig wahrscheinlich mehrere Berufe im Leben suchen, die ihnen liegen, vielleicht Spaß machen oder gibt’s dann keine Jobs dafür? Müssen sie sich ihre Jobs selbst erfinden?...

Schüler_innen beteiligten sich rege, manche mehrmals an der Diskussion: Anna Sodi (BRG 14), Stefanie Rieger (Neue Mittelschule Kolsterneuburg), Vivian Resl (Sport-Mittelschule Bad Vöslau), Corinna Schamberger (Handelsschule des Blindeninstituts), Jan Koncel (Bilingualen Schule Komensky), Raffael Harrer (BRG 14), Marco Ghebrail (GRG Ödenburger Straße), Savannah Copty (BRG Sperlgasse), Natalie Mastna (Bilinguale Schule Komensky), Nicole Tlaskal (NMS Klosterneuburg), Nina Zhou (BRG 14), Sophie Pojer (BRG 14), Laura Burisić (Gymnasium Sperlgasse), Sophie Suárez (BRG 14), Alisa Kikanović (Sperlgasse), Nadine Menner (NMS Klosterneuburg) und Klara Misić (bilinguale Schule Komensky).

Ein Großteil der Diskussion drehte sich um Diskriminierungen schon bei der Jobsuche. Wenn wer zu einem Vorstellungsgespräch schon gar nicht vordringt, weil der Name auf die Herkunft aus einem anderen Land schließen lässt oder jemand unangepasst aussieht (Irokese), oder eine Behinderung hat…

„Aber warum soll man dann lernen, Fotos für Bewerbungen in einem Bildbearbeitungsprogramm zu retuschieren, statt dass sich Firmen umstellen?“, kritisierten mehrere Jugendliche.

„Wieso finden es Arbeitgeber nicht ok, dass jemand anders ist?“, stellte Savannah Copty die logische fordernde Frage.
Sie seien eigentlich blöd und würden auf Potenziale verzichten, meinte pointiert der Migrations- und Integrationsforscher Gächter vom Zentrum für soziale Innovation.
Anna Sodi aus dem BRG 14 Linzerstraße schlug darauf hin vor: „Könnte man nicht einfach Bewerbungen anonymisieren, also keine Namen, keine persönlichen Angaben, kein Foto, nur die Qualifikationen?“ Schließlich sollte es auf die ja ankommen!

Und natürlich tat sich da die Frage auf, worauf solle die Schule nun vorbereiten, auf – wie es auch immer wieder behauptet wird – starke, eingeständige Persönlichkeiten oder die Anpassung an die vom Arbeitsmarkt diktierten Vorgaben?

Weisheiten

Das sei eine Gratwanderung, meinte das Podium, von dem der Moderator zum Abschluss kurze „Weisheit, den idealen Beruf zu finden“ erfragte:

August Gächter: „Durchhalten!“
Jennifer Davies: „Flexibel im Denken bleiben.“
Julia Wojta: „Ausprobieren, was Spaß macht!“
Helmut Bachmann: „Ganz bei sich selbst sein.“

Bilder von der Standpunkt-Diskussion auf der BeSt

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