Leben | Kiku 27.03.2012

Deshalb schmeckt das Zuckerl süß

Geschmackssinn hier könnte ein kurzer Bildtext stehen. Und so weiter und so fort mit dem Text den ganzen Tag lang. © Bild: K U R I E R Grafik: Christa Breineder/ Bilder: Fotolia, Archiv

Geschmack ist einer unserer sensibelsten Sinne. Die Zunge entscheidet darüber, was uns schmeckt und was nicht.

Auf den ersten Blick sehen eine Weichsel und eine Kirsche fast identisch aus. Beide sind klein, rund und rot. Reinbeißen, ausprobieren –  der Unterschied ist rasch zu erkennen. Die Weichsel wird in der Regel als sauer, die Kirsche als fruchtig und süß empfunden. Einen handfesten Beweis gibt es dafür allerdings nicht, denn Geschmäcker sind verschieden. Nicht jeder Mensch hat dieselbe Anzahl an Geschmackszellen. Was Paula als ein bisschen süß empfindet, ist für Max vielleicht schon zu süß.Lässt sich der Geschmackssinn trainieren? Die Antwort heißt ja.  Ernährungsexpertin Hanni Rützler zeigt in ihren futurefoodstudio-Workshops  Kindern und Erwachsenen  was unser Geschmackssinn alles kann. „Die Freude am Genießen entsteht im Kindesalter“, erzählt sie dem KIKU. Frische Lebensmittel und Spaß am Kochen sind ein Teil davon.Natur pur Im Alltag nehmen wir uns leider viel zu wenig Zeit, das, was wir essen, genau zu schmecken und zu genießen. Meistens schlingen wir, um satt zu sein, aber nicht, um es uns auf der Zunge zergehen zu lassen und die einzelnen Zutaten und Gewürze zu erfassen. Beim Workshop motiviert Rützler die Kinder, sich auf die verschiedensten Geschmäcker einzulassen und Unterschiede selbst zu erkennen. Viele Lebensmittel schmecken anders als man sie kennt, wenn man sie nur einmal ohne Süßungsmittel oder Gewürze probiert hat. „Es ist ganz wichtig, schon als Kind auf kulinarische Entdeckungsreisen zu gehen und viel zu probieren“, sagt die Ernährungsexpertin. Denn der Geschmackssinn eines Menschen befindet sich in jungen Jahren auf seinem Hoch und sollte herausgefordert werden. Die Fähigkeit zur Geschmackswahrnehmung nimmt ab, je älter jemand wird. Das soll nicht heißen, dass Oma und Opa nichts mehr schmecken können, aber seit ihrer Kindheit hat sich ihr Geschmackssinn verändert.

Zunge

Kostproben: Die Kids testen sich durch naturbelassene Produkte.
© Bild: Jürg Christandl

Übrigens: 1942 kam zu salzig, süß, sauer und bitter eine fünfte Geschmacksrichtung dazu. Edwin Boring entdeckte „Umami“ – ein Geschmackseindruck, der durch Glutamate hervorgerufen wird. Glutamate sind künstliche Geschmacksverstärker  in Lebensmitteln.Es gibt sogar Forscher die vermuten, dass es eine sechste Geschmacksrichtung gibt: nämlich Fett. Bisher hieß es, auf der menschlichen Zunge befinden sich verschiedene Bereiche, die gewisse Geschmacksrichtungen wahrnehmen können. Es hieß, süß schmecken wir auf der Zungenspitze, salzig auf den Seiten, sauer in der Mitte der Zunge und bittere Speisen hinten. Einer neue Studie will belegen,  dass diese These nicht stimmen kann. Die sogenannte „Geschmackslandkarte“ oder „Taste Map“ existiert nicht, weil jeder Mensch seinen individuellen Geschmackssinn hat. Natürlich schmecken wir salzig, süß, bitter und sauer, doch nicht jeder Mensch nimmt an derselben Stelle seiner Zunge auch dieselben Geschmäcker wahr.  Ein Beweis für die Richtigkeit dieser Annahme ist die Begründung, dass Menschen die Süße eines Zuckerls auch schmecken können, wenn es gar nicht an der Zungenspitze ankommt. Sondern   es  an jener Stelle landet,  wo man angeblich nur bitter schmeckt. Mahlzeit!

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( K U R I E R Grafik: Christa Breineder/ Bilder: Fotolia , Archiv ) Erstellt am 27.03.2012